Freitag, 15. November 2019

Editorial Der Ausnahmemanager aus Neckarsulm

Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin

Klaus Gehrig als erfolgreichen Handelsmanager zu bezeichnen wäre maßlos untertrieben. Der Mann hat seit seinem Einstieg bei Lidl vor 40 Jahren den Umsatz fast verfünfhundertfacht und die Zahl der Filialen mehr als verdreihundertfacht - trotz diverser Skandale. 2016 wird der Discounter Lidl wohl erstmals größer sein als seine beiden Erzrivalen Aldi Nord und Süd zusammen. Der Ausnahmemanager Gehrig, der als Chef der Schwarz-Gruppe auch Kaufland führt, hat seinen Eigentümer Dieter Schwarz zum fünftreichsten Deutschen gemacht (19 Milliarden Euro), weil er nie zufrieden war. Er hat zahlreiche Spitzenmanager verschlissen, doch selbst die sprechen noch in den höchsten Tönen von ihm. Gerade erfindet Gehrig, unser "Manager des Jahres", den Discount wieder neu. Ist so einer überhaupt ersetzbar? In spätestens vier Jahren will der 68-jährige Handelskrieger anfangen, einen Nachfolger einzuarbeiten, hat er meinem Kollegen Martin Mehringer versichert. Wenn er den mal findet. Unsere Titelgeschichte finden Sie ab Seite 28.

Wer gibt der Deutschen Bank eigentlich das Geld, sollte sie ihre vielen Rechtsfälle nur mit frischem Kapital lösen können? Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani, Spitzname HBJ. Gemeinsam mit seinem Cousin hält der Scheich aus Katar das größte Aktienpaket an Deutschlands führendem Geldhaus. HBJ ist steinreich, aber mit Vorsicht zu genießen. Wie meine Kollegen Tim Bartz und Sven Clausen bei ihren Recherchen in Doha, London und Frankfurt herausfanden, ist der Wüstensohn mit Diplomatenstatus ein Meister halbseidener Geschäfte. Warum der "Liebhaber des Halbschattens" nicht als Lebensversicherung für das angeschlagene Geldhaus taugt, lesen Sie ab Seite 36.

Bisher hat Volker Struth die Öffentlichkeit meist gemieden, als Spielerberater hat man im Fußballgeschäft wenig Freunde. Die Provisionen sind oft unanständig hoch, der Einfluss auf die Klubs ist enorm, der Neid groß und der nächste Skandal häufig nur einen Schritt entfernt, wie die "FootballLeaks"-Affäre zeigt. Sechs Monate hat Struth gezögert, bis er sich meinem Kollegen Christoph Neßhöver geöffnet hat. Herausgekommen ist ein einzigartiger Einblick ins Business des mächtigsten Mannes in der Bundesliga: ab Seite 42.

"Erivan und die Detektive" - für die Geschichte über den Milliardenerben und Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub war meine Kollegin Ursula Schwarzer in höchst neurotischen Kreisen unterwegs. Stundenlang hat sie mit Privatermittlern gesprochen, die danach nur noch über Whatsapp mit ihr kommunizierten, aus Angst, abgehört zu werden. Schwarzer bekam ordnerweise Beschattungsprotokolle zur Ansicht und wurde von ihren Informanten gern in öffentliche Cafés bestellt, aus Sicherheitsgründen. Als Erstes musste sie immer vor deren Augen ihr Handy ausschalten.

Wie und warum Haub Mitarbeiter, Geschäftspartner, Nachbarn und sogar seinen Bruder hat ausspähen lassen, schildert Schwarzer ab Seite 70. Die Liste der einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft umfasste vergangenes Jahr noch 50 Topmanagerinnen, Unternehmerinnen und Influencerinnen, diesmal sind es schon 75. Die Zahl der Very Important Women nimmt rasant zu, die bedeutendste unter ihnen ist Melanie Kreis; sie führt die zwei Vorstandsressorts Personal und Finanzen beim Weltmarktführer Deutsche Post. Was Kreis und die anderen 74 Businessfrauen so wichtig und besonders macht, hat meine Kollegin Eva Buchhorn ermittelt: ab Seite 80.

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