"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit einer Börsenrally

laut Krisenreaktionslehrbuch für Bundesregierungen folgt auf Phase 1 ("Retten, was zu retten ist") die Phase 2 ("Den Laden wieder ans Laufen kriegen"). Noch immer steckt die Politik in Phase 1 - die meisten Ökonomen betrachten ihre Billionen-Euro-Maßnahmen dabei als ganz gut gelungen. Nun soll unter dem Stichwort "Konjunkturprogramm" Phase 2 starten. Allerlei Wünsche und Versprechen flirren durch die Luft, im Kanzleramt traf man sich heute zum 80-Milliarden-Euro-Basar.

Die Herausforderung: Anders als etwa nach der Finanzkrise 2009 geht es dieses Mal nicht nur um einen Wiederaufbau. Mit den staatlichen Jahrhundertinvestitonen soll gleich der viel größere Wurf gelingen: die Transformation der deutschen Wirtschaft.  Keynes meets Greta Thunberg - und Ludwig Erhard soll zumindest zugeschaltet bleiben. Nicht so einfach. Weswegen man sich heute zwar im Kanzleramt traf (zur Stunde wohl noch immer), aber morgen weiterdiskutieren wird.

Was heute wichtig war - die Wirtschaftsnews des Tages:

Braucht eine Lösung für die wertvollste Konzernsparte: Roland Busch, künftiger CEO.

Braucht eine Lösung für die wertvollste Konzernsparte: Roland Busch, künftiger CEO.

  • Siemens Digital Industries - das war und ist die verwöhnte Vorzeigesparte des Konzerns. Selbst unter Corona-Bedingungen sind die Margen auskömmlich. Und doch: Die Nachfrage sinkt, das Referenzprojekt mit Volkswagen sorgt für Verdruss - und der künftige Konzernchef Roland Busch muss die Führungsfrage klären. 
  • Sie haben es am Wochenende mitbekommen. Die Rettung der Lufthansa ist samt Auflagen der EU auch in den Spitzengremien des Konzerns beschlossene Sache. Die Pilotengewerkschaft nannte sie heute "alternativlos". Nun sollen am 25. Juni die Aktionäre entscheiden. Unser Gastkommentator meint: Der Staat solle nur kurz helfen.
  • Stellen Sie sich einen etwas angestaubten Kosmetikkonzern vor, zu dessen Problemen es gehört, gerade bei der jungen Kundschaft zu performen. Der neue Chef dieses Unternehmens ist 74 Jahre alt. Glauben Sie der Aktienkurs wird bei dieser Nachricht um 20 Prozent steigen oder sinken? Einfach: steigen. Es handelt sich nämlich um Coty und Peter Harf, den Rainmaker des Reimann-Clans. "Coty braucht eine starke, aber gütige Hand", erklärte er den Kollegen vom "Handelsblatt". Die Hoffnungen ruhen nun auch auf der Marke von US-Star Kylie Jenner, an der Coty seit 2019 beteiligt ist. Und dort hat künftig ebenfalls jemand neues das Sagen: Kris Jenner, die Mutter des Celebrity-Clans, übernimmt das Kommando. 
  • Opels Stammsitz in Rüsselsheim entwickelt sich zu einem reinen Montagewerk. Der französische PSA-Konzern will dort zwar künftig neben dem Insignia und bald dem Astra ein drittes Modell bauen lassen. Gleichzeitig soll aber der Getriebebau auslaufen.

Was uns heute wichtig war:

"Stop Killing Us!" Massenproteste am New Yorker Times Square gestern.

"Stop Killing Us!" Massenproteste am New Yorker Times Square gestern.

Foto: imago images/Bildbyran

  • Empört blickt die Welt aktuell in die USA. Der gewaltsame Tod von George Floyd und die Unruhen seitdem lenken den Blick abermals auf die Ungleichheit und den Rassismus in der US-Gesellschaft. Präsident Trump, der keineswegs als Versöhner auftritt, will notfalls sogar das Militär gegen die Landsleute einsetzen. Inzwischen haben sich auch etliche CEOs geäußert. "Es kommt eine Zeit, in der Schweigen Verrat ist", erklärte etwa SAP-Boss Christian Klein.
  • Rassismus ist keineswegs nur ein US-Problem. In der Affäre um einen als rassistisch kritisierten Instagram-Werbespot für den neuen VW-Golf gerät inzwischen ein Volkswagen-Vorstand in den Fokus, über dessen professionell gemanagten Account der Spot verbreitet wurde.

Das Wichtigste von den Finanzmärkten:

  • Trotz der Unruhen in den USA sahen wir an den Börsen heute eine Rally. Der Dax schloss knapp vier (!) Prozent im Plus, oberhalb der 12.000-Punkte-Marke.
  • Wirecard war heute einer der ganz wenigen Verlierer an den Börsen. Die Ratingagentur Moody`s droht dem Unternehmen mit einem Ramsch-Rating.
  • Dem US-Onlinegiganten Amazon schmeißen Investoren das Geld nur so hinterher. Der Aktienkurs bewegt sich mit mehr als 2400 Dollar auf Rekordniveau. Und gestern platzierte der Konzern Anleihen über 10 Milliarden Dollar mit teilweise nur 0,4 Prozent Zinsen. So günstig hat sich nie zuvor ein US-Konzern Geld besorgt. Deutsche Konzerne wie Siemens haben freilich in diesem Jahr auch schon mal einen Negativzins durchsetzen können, aber das Umfeld ist ja auch ein anderes.

Meine Empfehlung für den Abend:

Besser als Kopp? Julian Nagelsmann holte sich sogar Nachhilfe vom Pferdetrainer.

Besser als Kopp? Julian Nagelsmann holte sich sogar Nachhilfe vom Pferdetrainer.

Foto: Boris Streubel / Getty Images

  • Das Geschäftsmodell der Fußballbranche ist durch die Corona-Krise zerschossen worden. Profitieren werden Klubs mit starkem Investor, klarem Plan und modernem Führungspersonal. Wie RB Leipzig mit Trainer Julian Nagelsmann, der akribisch sein Auftreten perfektioniert. Für den Red-Bull-Konzern hat das Projekt Fußball inzwischen einen Milliardenwert. Ist Investorenfußball also das Modell der Zukunft? Hinter den Kulissen: Der Bulle und das Einhorn. 

Herzlich, Ihr Lukas Heiny

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