"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit dem härtesten Dax-Chef

Typ ranghoher Militär: Oliver Zipse (mittig) ist der Neue im Vierzylinder (rechts).

Typ ranghoher Militär: Oliver Zipse (mittig) ist der Neue im Vierzylinder (rechts).

Foto: Julian Baumann für manager magazin

Stil und Haltung in den deutschen Chefetagen haben sich in den letzten Jahren gewandelt, keine Frage. Als sichtbares Zeichen legten Vorstandschefs die Krawatte ab (Zetsche, Kaeser), trugen Turnschuhe (Bäte) oder Hoodie (Rorsted), predigten flache Hierarchien und Silicon-Valley-Kultur. Da verwundert es schon, wie der Neue bei BMW sich gibt.

Konservativ, streng gescheitelt, mit Krawatte und klaren Ansagen. Homeoffice in Corona-Zeiten? Nix da, ein Kapitän gehöre auf die Brücke, sagt Oliver Zipse. Und die Offiziere auch, also: angetreten, Präsenzpflicht! In wenigen Monaten hat Zipse mit diesem Stil bei dem Autobauer mehr Durchschlagskraft entwickelt als sein Vorgänger je hatte. Zu erfahren ist all das im Porträt, das mein Kollege Michael Freitag geschrieben hat: Das harte Regime des neuen BMW-Chefs. 

Zitat Zipse: "Wir erleiden nichts. Nicht Corona, nicht die Regulatorik der Politiker, nicht die Elektromobilität. Der Chef darf nicht klagen; er muss gerade in schwierigen Situationen Zuversicht verkörpern und vorangehen."

Was heute wichtig war - die Wirtschaftsnews des Tages:

Die Fälle wurden Mitte März bekannt: Amazon Verteilzentrum in Winsen an der Luhe.

Die Fälle wurden Mitte März bekannt: Amazon Verteilzentrum in Winsen an der Luhe.

Foto: Björn Hake / imago / Pressedienst Nord

  • Amazon ist einer der großen Profiteure des Corona-Lockdowns. Das Geschäft brummt, der US-Konzern stellt weltweit tausende neue Mitarbeiter ein. Doch nachdem es schon in Frankreich zu gehäuften Infektionen kam, sorgen nun auch Covid-19-Erkrankungen im Vorzeige-Verteilzentrum Hamburg für Unruhe. Das Gesundheitsamt rückte an, am Eingang wird inzwischen die Körpertemperatur gemessen. Doch das Unbehagen in der Belegschaft bleibt. Gewerkschafter fordern sogar die Schließung des Lagers.
  • Die Drogeriekette dm scheint ebenfalls ein Profiteur der Krise zu sein. Doch in unserem ausführlichen Gespräch mit dem neuen Chef und Erben Christoph Werner klingt das ganz anders. Er spricht über den Umgang mit Lieferengpässen, aufmüpfige Hamsterkäufer und schließt sogar explizit Staatshilfen nicht aus. 
  • Bei der Lufthansa zeichnet sich ab, welche Schäden die Krise hinterlassen wird. CEO Carsten Spohr rechnet mit dem Abbau von 10.000 Jobs, 100 Flugzeugen weniger und erst für 2023 wieder mit so etwas wie Normalität. "Wir waren als erste Branche von dieser weltweiten Krise betroffen und die Luftfahrt wird mit die letzte sein, die sie verlassen wird."
  • Mit einer nur langsamen Rückkehr zur Normalität rechnet auch Bill Gates. Der Microsoft-Gründer, der sich über seine Stiftung seit vielen Jahren in der Gesundheitspolitik engagiert, hofft auf Besserung im zweiten Halbjahr 2021. Dann werde die Welt eine Stunde Null erleben wie 1945 - und müsse sich gegen die nächste Pandemie wappnen. So schreibt es Gates selbst in einem Beitrag für den aktuellen "Economist", aus dem wir unseren Abonnenten jede Woche die besten Texte zum Lesen anbieten.
  • "Ich habe es wirklich vermasselt", schrieb der Chef des weltgrößten Staatsfonds in einem Brief an seine Mitarbeiter. Yngve Slyngstad, scheidender Chef des norwegischen Staatsfonds, hatte sich von einem Hedgefonds-Manager in dessen Privatjet einladen lassen. Klarer Regelverstoß! Der Hedgefonds-Manager übrigens ist: Slyngstads designierter Nachfolger Nicolai Tangen.
  • Nicht wirklich wichtig, aber irgendwie doch interessant, damit Sie im Smalltalk des nächsten Zoommeetings glänzen können: Das größte Containerschiff der Welt kommt nun aus Südkorea. Man denkt: Das Ding ist doch bestimmt 400 Meter lang. Nein, offiziell misst es nur 399,9 Meter.
  • Den Einzelhandel dürfte die Zwangsschließung 26 Milliarden Euro gekostet haben +++ Der europäische Nutzfahrzeugmarkt ist im März um fast die Hälfte eingebrochen +++ Die Städte und Gemeinden fordern einen weiteren Schutzschirm für: Städte und Gemeinden +++ Alle Nachrichten finden Sie wie gewohnt zusammengefasst in unserem Corona-Ticker.

Neues zu den staatlichen Rettungsprogrammen:

  • Das Geld fließt. Die EU-Regierungschefs beschlossen gestern Abend das 500-Milliarden-Euro-Rettungspaket Europas. Und auch die USA legten noch einmal nach, mit ihrem nunmehr vierten Paket. Insgesamt haben die Staatshilfen im Trump-Land nun ein Volumen von 2,5 Billionen Dollar.
  • "Wer hat noch nicht, wer will nochmal?", fragt etwas gehässig angesichts der ganzen Staatsmilliarden der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld. Er warnt vor unkontrollierter Hilfe.
  • Ähnlich sieht es mein Kollege Christian Schütte, der in seinem täglichen Makro-Blick eine "Ökonomie des freien Falls" beschreibt. Die Programme zur Stabilisierung der Wirtschaft? In der ersten Phase richtig. Nur reicht das nicht. In Phase zwei müssen nun gezielte Konjunkturhilfen kommen.
  • Die Bundesagentur für Arbeit hat heute Prognosen für die Corona-Effekte auf den Arbeitsmarkt vorgelegt. Demnach werde die Arbeitslosenzahl zeitweise auf drei Millionen steigen. Die Zahl der Kurzarbeiter wird in der Spitze sogar bis zu acht Millionen betragen. Das Gute: Die Behörde verfügt über immense Rücklagen. Das Schlechte: Auch 26 Milliarden Euro sind in diesen Zeiten schnell weg.

Meine Empfehlungen für den Abend und das Wochenende:

Neues Ansehen per Kredit: Hans-Walter Peters.

Neues Ansehen per Kredit: Hans-Walter Peters.

Foto: Jewgeni Roppel für manager magazin

  • In dieser Woche hat Hans-Walter Peters sein Amt als oberster Lobbyist der Banken-Branche weitergereicht. Bis zuletzt hat er an einem Großprojekt gearbeitet: dem Comeback der Banken in die gesellschaftliche Mitte.  Seit mehr als einem Jahrzehnt ist deren Image ja eher so mittel - in der Corona-Krise nun könnten die Institute endlich ihre Bedeutung für die Wirtschaft unter Beweis stellen. Unser Chefredakteur Sven Clausen hat ihn dabei begleitet
  • In der neuesten Folge unserer Podcast-Serie zur Corona-Krise beschäftigen wir uns mit dem Thema "Führen in Krisenzeiten". Antonia Götsch, die Chefredakteurin des Harvard Business Manager, gibt Ratschläge, worauf es in Extremsituationen ankommt.
  • Apropos Extremsituation: Sollten Sie ihn noch nicht gelesen haben, empfehlen wir Ihnen noch einmal unseren Inside-Report aus den Chefetagen der deutschen Wirtschaft. Auf diese Geschichte sind wir in dieser Woche wirklich stolz. Weekend-Lektüre vom Feinsten. 

Herzlich, Ihr Lukas Heiny

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de. 

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