"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit massiven Problemen am Vorzeigeauto

Angst im Markt: Börsenhändler in Südkorea.

Angst im Markt: Börsenhändler in Südkorea.

Foto: Ahn Young-joon/ AP

Gefühle sind besonders in der Welt der Wirtschaft etwas Diffuses und Flüchtiges. Es gibt unzählige Versuche von Ökonomen und Anlagespezialisten, sie in messbare Daten zu übersetzen. Wir schwer das ist, zeigte sich heute.

Ein etabliertes Instrument ist eigentlich der ifo-Geschäftsklimaindex. Basierend auf einer Umfrage unter 9000 Führungskräften übersetzt er die Stimmung der deutschen Wirtschaft in eine Zahl. Im Februar stieg die überraschend auf 96,1. "Die deutsche Wirtschaft scheint von der Entwicklung rund um das Coronavirus unbeeindruckt", erklärte ifo-Instituts-Präsident Clemens Fuest heute. Während gleichzeitig die Börsenkurse rund um den Globus einbrachen - was wiederum mit der zunehmenden Angst vor eben jenem Virus erklärt wird.

Der Dax verlor mehr als vier Prozent, so viel wie seit dem Brexit-Referendum 2016 nicht mehr. Aktien von Fluggesellschaften in Europa brachen um bis zu 10 Prozent ein, bei BMW, Volkswagen und Daimler waren es 5 bis 6 Prozent. Die Wall Street eröffnete ebenfalls mit Verlusten. "Wir sehen noch keine Panik, aber viele Angstverkäufe", schrieb ein Analyst. Die Lage an der Börse dürfte nervös bleiben. Hoffen wir, dass die gesundheitlichen Folgen des Virus sich in Grenzen halten.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Telefónica Deutschland hatte wie die anderen Mobilfunkanbieter in Deutschland versprochen, 98 Prozent des Netzes abzudecken. Und während die Konkurrenz den Wert schaffte, meldete die O2-Mutter 84,3 Prozent. Nun muss sie mit millionenschweren Bußgeldern rechnen - als Strafe für die Funklöcher. 
  • DocMorris, bislang meist mit dem Zusatz "Apothekenschreck" versehen, will künftig mit den Angegriffenen gemeinsame Sache machen. Was dahinter steckt? Lesen sie hier.
  • Mit der Barclays-Bank sucht offenbar auch die zweite britische Großbank nach der HSBC nach einem neuen Chef. Der aktuelle (Jes Staley) ist ja wegen Verbindungen zum verstorbenen mutmaßlichen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unter Druck geraten. Bei der HSBC wurde unterdessen Jean Pierre Mustier ("der Pep Guardiola der Finanzbranche") als Kandidat gehandelt - der Unicredit-Chef sagte aber ab.

Was uns sonst noch wichtig war:

Für den Parkplatz: In Zwickau lässt Herbert Diess zehntausende ID.3 ohne funktionierende Software bauen.

Für den Parkplatz: In Zwickau lässt Herbert Diess zehntausende ID.3 ohne funktionierende Software bauen.

Foto: Jens Bttner/dpa-Zentralbild/ZB

  • Der ID.3 ist für den Volkswagen-Konzern das Vorzeigeauto. Mit ihm will Konzernchef Herbert Diess das Elektrozeitalter einläuten. Nur gerät der Start arg holprig. Die Probleme um Batterietechnik und Softwarearchitektur sind so gewaltig, dass aktuell mehr als 10.000 Techniker um eine Lösung kämpfen. Die ursprünglichen Ziele, so viel scheint klar, wird man nicht halten können. Erste personelle Opfer zeichnen sich ab - Karrierekiller ID.3. Nachzulesen ist all das hier: Showdown in Halle 74. 
  • Karl-Heinz Streibich wird bei der Software AG, immerhin Deutschlands Nummer Zwei in der Branche, weiterhin nostalgisch verehrt wie ein Held. Ihm war es schließlich 2012 mal gelungen, den Umsatz auf über eine Milliarde Euro zu treiben. Der Glanz ist inzwischen verflogen, Streibich seit 2018 kein CEO mehr. Nun aber plant der Konzern seine Rückkehr: Der Ex soll künftig den Aufsichtsrat führen. 

Unsere Leseempfehlung für den Abend:

  • Am vergangenen Wochenende hat nicht nur die SPD (156) in Hamburg eine Wahl gewonnen. In den USA hat auch Bernie Sanders (78) die dritte Vorwahl der Demokraten für sich entschieden. Spätestens jetzt gilt der selbsterklärte Sozialist als Topfavorit für die Rolle als Trump-Herausforderer. Das Establishment an der Wall Street zittert, Bernies gesammelte Versprechen würden über zehn Jahre angeblich 60 Billionen (sic!) Dollar kosten. Dabei scheint sein Programm aus europäischer Sicht gar nicht sooo radikal. Was Bernie Sanders für die Wirtschaft bedeuten würde.

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de .

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Herzlich, Ihr Lukas Heiny