"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit dem Manager des Jahres

wer Adidas-Mitarbeiter auf ihren obersten Chef anspricht (haben wir natürlich), hört oft erst mal ein Stöhnen. Kasper Rorsted? "Echt anstrengend", heißt es dann. Gibt nie Ruhe, setzt immer wieder neue, höhere Ziele, pocht auf Erfüllung. So hat er schon den Börsenwert von Henkel verdreifacht und stürmt jetzt mit Adidas voran (seit Amtsantritt plus 73 Prozent). Dafür haben wir ihn zum Manager des Jahres 2019 gekürt. In einem ausführlichen Gespräch erklärte er uns seine Methode erstmals offen und diskutierte auch bereitwillig über deren Risiken. Der Führungsstil des Kasper Rorsted  bietet Lernstoff für jeden ambitionierten Teamchef oder jede Abteilungsleiterin, für Vorstände wie Aufsichtsrätinnen. Aber Achtung: Er fordert Opfer.

"Das Geld liegt da, wo es nicht läuft." Kasper Rorsted.

"Das Geld liegt da, wo es nicht läuft." Kasper Rorsted.

Foto: Roderick Aichinger für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Eigentlich träumt Volkswagen-Chef Herbert Diess davon, den Autobauer in einen Tech-Konzern zu verwandeln, der andere Hersteller mit einem Betriebssystem ausstattet - VW inside, sozusagen. Nur: Das klappt noch nicht mal im eigenen Haus. Volkswagen hat massive Softwareprobleme. Das Vorzeigeauto ID.3 rollt ohne fertige Software vom Band  - dumm gelaufen. Und das auf Monate hinaus.
  • Immerhin kommt genug Geld rein, um weiter zu investieren. Die Marke Volkswagen steuert 2019 auf einen Rekordgewinn zu. Vor allem wegen der spürbaren Sparerfolge und des weltweiten SUV-Booms.
  • Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie "Thyssenkrupp" hören? Richtig: Stahl. Nur kriselt es in der Traditionssparte des Traditionskonzerns. Bislang dachte man, das Management unter der neuen CEO Martina Merz konzentriere sich aufs Sparen (samt Stellenabbau). Intern aber hat man durchaus Großes vor. Laut der "Strategie 20-30", einem 150-Seiten-Geheimplan , will Thyssenkrupp vier Milliarden Euro investieren.
  • Nachdem wir Ihnen gerade gestern von den Audi-Plänen berichtet haben, gemeinsam mit Sixt ins Carsharing-Geschäft einzusteigen , steigt die Konkurrenz auf die Bremse: ShareNow, die gemeinsame Mobilitäts-Plattform von Daimler und BMW, zieht sich aus Nordamerika und einigen europäischen Metropolen zurück. Grund: "extrem schwierige Realitäten".
  • Über extrem schwierige Realitäten dürfte sich auch Uber beklagen. Mal abgesehen davon, dass das Geschäftsmodell keinen Gewinn abwirft, gelingt es der US-Firma einfach nicht, sich in Deutschland zu etablieren. Heute bremste das Landgericht Frankfurt - wegen gleich mehrerer Wettbewerbsverstöße.

Was uns heute sonst noch wichtig war:

Angeschlagen: Als CEO hat Max Conze (interner Spitzname: "GT Max") viele Mitarbeiter gegen sich aufgebracht.

Angeschlagen: Als CEO hat Max Conze (interner Spitzname: "GT Max") viele Mitarbeiter gegen sich aufgebracht.

Foto: Hans-Bernhard Huber/laif

  • Bereits im Oktober erreichten uns Gerüchte aus der Medienbranche, wir würden intensiv an einer Geschichte über ProSiebenSat.1 arbeiten. Da hatten wir noch gar nicht mit der Recherche begonnen. Danach aber. Ergebnis ist das Bild eines Konzerns, dem die Zerschlagung droht (erst recht, seitdem Berlusconis Mediaset unter den Anteilseignern ist). Es ist ein Lehrstück über egomanische Manager und einen Marktführer, der die Digitalisierung zu verpassen droht. Wie Max Conze den Sender an den Rand des Abgrunds führte. 
  • Bei der Konkurrenz, nämlich Vox, läuft seit Jahren die Show "Die Höhle der Löwen". Künftig wird dort Ex-Rennfahrer Nico Rosberg auf einem der Sessel Platz nehmen.

Unsere Leseempfehlung für den Abend:

Morning-Showman: Gabor Steingart.

Morning-Showman: Gabor Steingart.

Foto: Michael Jungblut/laif

  • Und noch ein Medienthema. Hauptfigur: Gabor Steingart, früher "Handelsblatt"-Chef, inzwischen Absender seines "Morning Briefings" und "Media Pioneer". Als Digitalverleger will er mit einem Schiff über die Spree tuckern und mit unabhängigem, werbefreiem Journalismus Geld verdienen. Die Frage ist: Wie glaubwürdig ist das? Wir haben uns mit seinen Plänen und seinem Track-Record beschäftigt. Einen Termin für ein persönliches Gespräch fand er trotz mehrfacher Versuche nicht. Einen längst zugesagtes Interview im November ließ er absagen. Erste, schriftliche Fragen beantwortete Steingart zwar, kündigte aber gleichzeitig an, dass er sie vorab selbst veröffentlichen werde. Auf weitere Fragen folgte statt Antworten ein Brief seines Medienanwalts, in dem mit Klagen gedroht wurde. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild: Ein Schiff, ein Showman und viele Fragen. 

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de. 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Herzlich, Ihr Lukas Heiny

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