"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit einem 60-Millionen-Gehalts-Gap bei der Telekom

dieser Freitag stand ganz im Zeichen des Klimas. Weltweit demonstrierten und streikten Millionen Menschen für den Klimaschutz, darunter auch viele Unternehmer. Allein in Berlin sollen 270.000 Menschen auf der Straße gewesen sein. Parallel stellte an genau diesem Tag auch die Bundesregierung das vor, was sie ihr "Klimaschutzprogramm 2030" nennt. Neben mehr Geld für Pendler und E-Auto-Käufer sieht es künftig vor allem einen Preis je ausgestoßener Tonne CO2 vor. Ab 2021 soll die Bepreisung von Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas mit einem Festpreis starten (10 Euro je Tonne CO2), der bis 2025 auf dann 35 Euro steigt. Erst danach soll sich der Preis über einen Zertifikatehandel bilden. Ob das Paket ausreicht, um die ambitionierten Klimaschutzziele Deutschlands zu erreichen? Vermutlich nicht, vieles wirkt angesichts der riesigen Erwartungen eher zaghaft.

Was heute wichtig war - die Wirtschaftsnews des Tages:

Chef und Boss: Tim Höttges und John Legere.

Chef und Boss: Tim Höttges und John Legere.

Foto: [M] Sepp Spiegl / imago images, Kris Tripplaar / Sipa / ddp images

  • Man vergisst es leicht, aber die Deutsche Telekom war bis vor wenigen Jahren noch ein Staatsunternehmen. Bis heute hält der Bund 32 Prozent der Anteile. Da ist es kaum verwunderlich, dass die immer dominantere US-Tochter T-Mobile US kulturell zu Verstimmungen führt. Lange verzieh man dem extrovertierten Boss in Amerika, John Legere, seine Eskapaden - schließlich lieferte er Quartal für Quartal neue Rekorde. Nun aber sind Manager und Aufsichtsräte zunehmend genervt und versuchen den Wild Boy einzuhegen. Zusätzlicher Groll entsteht rund um die Gehaltsfrage: Während Legere für 2018 insgesamt 66,5 Millionen US-Dollar (!) einstreicht, kommt Vorstandschef Tim Höttges auf nur 5,4 Millionen Euro. Nervt ihn, wie Sie hier lesen können: Der Chef und sein Boss. 
  • PR-mäßig wie gewohnt gut getimt, präsentierte Amazon-Chef Jeff Bezos die Klimaziele des US-Riesen. Er verkündete die Bestellung von 100.000 Elektrolieferwagen und das Ziel, bis 2040 Emissionen zu verhindern oder zu kompensieren. Wie ambitioniert das ist? Können Sie gern vergleichen mit den Klimaversprechen der Dax-Konzerne. 
  • Der Börsengang von Airbnb ist eines der Hoffnungsprojekte der Tech-Investoren. Bereits 2017 angekündigt, verschiebt er sich jedoch immer weiter. Jetzt wird das Jahr 2020 angepeilt. Nach dem Debakel um WeWork ist die Stimmung ein wenig angespannt.

Was sonst noch wichtig war :

Sieht Chancen, wo andere keine sehen: Lars Windhorst.

Sieht Chancen, wo andere keine sehen: Lars Windhorst.

Foto: Benjamin Zibner für Focus Magazin

  • Mit dem Kauf des Bundesligisten Hertha BSC ist der Firmenhändler Lars Windhorst endlich auf der großen Showbühne angekommen. 125 Millionen flossen bereits für 37,5 Prozent der Anteile, noch in diesem Jahr will Windhorst auf 49,9 Prozent aufstocken, was Hertha weitere 55 Millionen bringen dürfte. 2020 ist der Börsengang geplant: Der soll nochmals 150 Millionen einspielen. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Den Berliner Klub wird Windhorst wohl bald weiterverkaufen müssen. Dribblings am Rande des Regelwerks. 
  • Als erste britische Großbank hat künftig die Royal Bank of Scotland eine Frau als CEO: Alison Rose übernimmt am 1. November.

Was in dieser Woche wichtig war :

  • An den Finanzmärkten war das wohl meistdiskutierte Thema der historische Eingriff der US-Notenbank am Geldmarkt. Erstmals seit der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt musste die Fed die Investoren beruhigen, nachdem akute Cash-Knappheit die Zinsen hatte explodieren lassen. Die Kollegen des britischen "Economist" (aus dem wir unseren premium-Abonnenten jede Woche ausgesuchte Stücke präsentieren) analysieren, warum die Fed nicht anders konnte - und was ihr jetzt für Möglichkeiten bleiben.
  • In Deutschlands Industrie war aus unserer Sicht neben dem Systemabsturz bei BMW  die Umbesetzung an der Siemens-Spitze das Thema der Woche. Landauf, landab werden nun Abgesänge auf Joe Kaeser geschrieben. Ein bisschen früh, warnt unsere Siemens-Expertin Angela Maier in ihrem Kommentar: Die Verhältnisse sind nur scheinbar geordnet.
  • Natürlich die IAA. Allerdings stellt unser Kollege Michael Freitag in der neuesten Folge unseres Podcasts fest: Der Lack ist ab.

Unsere Leseempfehlung für den Abend :

"Es geht hier nicht um den Machtwillen der Familie": Christoph Werner.

"Es geht hier nicht um den Machtwillen der Familie": Christoph Werner.

Foto: Evelyn Dragan für manager magazin

  • Seit gestern Abend ist Christoph Werner offiziell Deutschlands neuer Drogeriekönig. Eigentlich sollte der Eigentümer-Sohn erst im Januar den Chefposten bei dm übernehmen - nun geht es schneller. Wir haben ausführlich mit ihm gesprochen: über seine Pläne, seinen Vater, sein Verständnis als Unternehmer und den Druck, der auf ihm lastet. "Das fühlte sich nicht nur großartig an." 
  • Und wie gestern schon empfehlen wir Ihnen auch heute noch einmal unsere Recherche zum Oktoberfest, das morgen startet. Hinter den Kulissen der Wiesn , damit Sie in der Käferschänke (der ersten Anlaufstelle für Wirtschaftspromis) mitreden können.

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de. 

Genießen Sie Ihren Abend und Ihr Wochenende!

Herzlich, Ihr Lukas Heiny