Editorial Alle lästern über Berlin - und kaufen

Ein neues Schloss, drei Opernhäuser, aber kaputte Straßen und ein Geisterflughafen - alle lästern über Berlin und kaufen sich dort trotzdem wie besessen ein. Steinreiche Clans, Baulöwen, Unternehmer, globale Investoren: Wer was auf sich hält, bietet oder baut in der Hauptstadt. In der Immobilienszene gilt Berlin als das derzeit heißeste Pflaster. Die Stadt ist lebendig, rau und trotz der jüngsten Preisexplosion immer noch spottbillig, zumindest verglichen mit anderen Metropolen. Viola Keeve und Sören Jensen wollten wissen, wem die Hauptstadt heute eigentlich gehört und wie viel Luxus sie verträgt. Sie haben Erstaunliches zutage gefördert. Unsere Titelgeschichte "Metropoly" lesen Sie ab Seite 140.

Wer Lars Windhorst zu fassen kriegen will, muss flexibel sein und braucht starke Nerven. Mein Kollege Thomas Werres war tagelang rund um die Uhr auf Stand-by, weil der Action-Unternehmer (der weitgehend ohne Schlaf auskommt) wiederholt Termine verschob oder platzen ließ. Mal kam ihm ein Finanzdeal dazwischen, mal landete sein Jet nicht pünktlich, mal verirrte er sich beim Wandern mit einem Geschäftspartner. Windhorsts Finanzholding Sapinda ist nach wie vor eine One-Man-Show: Er allein treibt ständig neues Geld auf, er allein blickt in dem Firmendickicht noch durch. Warum das zum Problem wird, schildert Werres ab Seite 42.

Manchmal wirkt die Lufthansa noch wie eine große Familie, etwa wenn CEO Carsten Spohr mit Ehemaligen die letzte Boeing 737 aus dem Hangar schiebt. Die Börse indes sähe diese Familie gern getrennt, das bekam Spohr zuletzt häufig zu spüren. Ob bei Roadshows in New York oder Frankfurt - die Investoren halten den ehrwürdigen Kranich für nicht mehr zeitgemäß. Deshalb muss Spohr die Skeptiker rasch eines Besseren belehren, vor allem bei der Discountmarke Eurowings. Was er vorhat und ob das reicht, berichtet Michael Machatschke ab Seite 36.

Exakt 14 Meilen Highway liegen zwischen den Zentralen von Monsanto und Sigma-Aldrich in St. Louis. An den Endpunkten dieser Strecke entscheidet sich das Schicksal der beiden Dax-Größen Bayer und Merck. Die Deutschen haben in St. Louis die jeweils größte Übernahme ihrer Geschichte gestartet, und beiden steht die schwerste Aufgabe noch bevor: die Integration ihrer Neuerwerbung. 70 Prozent aller Deals scheitern genau daran. Mein Kollege Dietmar Palan hat die Erfolgschancen der beiden Mammutprojekte vor Ort abgeklopft: ab Seite 60.

Mittelständler mögen Konservativ sein - was Karrieren angeht, sind sie manchmal geradezu Avantgarde. Beim Spielwarenhersteller Playmobil jedenfalls ist die ehemalige Chefsekretärin nun der Boss. Patriarch Horst Brandstätter, inzwischen verstorben, hatte seine Vorzimmerperle mit weitreichender Macht ausgestattet. Und die übt die resolute Dame nun auch aus. Was genau sie treibt, schildert mein Kollege Martin Mehringer in "Die will nicht nur spielen" ab Seite 48.