Hedgefonds probt den Aufstand In Südkorea tobt der Zweikampf Samsung gegen Elliott

Von Astrid Maier
Samsung-Vize Lee, Hedgefonds-Guru Singer: Showdown steht bevor

Samsung-Vize Lee, Hedgefonds-Guru Singer: Showdown steht bevor

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Samsungs Welt: Hinter den Kulissen der Koreaner

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Samsung-Patriarch Lee Kun-hee hat aus dem einstigen Fischereibetrieb, den sein Vater gründete, einen gewaltigen Technologie-Konzern geformt, der zu Bestzeiten selbst Apple zweitrangig erscheinen ließ. Nur eines hat der Samsung-Chairman in all den Jahrzehnten versäumt: Seine Nachfolge bei Zeiten zu regeln.

Seit Mai 2014 ist Lee Kun-hee nach einer Herzattacke nicht mehr in der Lage, das südkoreanische Konglomerat zu steuern. Das Samsung-Reich ist ein kompliziertes Geflecht aus Firmenbeteiligungen und Untergesellschaften, zu denen Baukonzerne, Vergnügungsparks und Versicherungen zählen. Demnächst sollen die Lee-Kinder mehr Macht über die wichtigsten Beteiligungen wie etwa Samsung Electronics, den Handy-Hersteller, gewinnen.

Allerdings hat die Familie Lee, einer der großen Unternehmens-Klans des Landes, neuerdings einen harten Gegner. Der US-Hedgefonds Elliott, hierzulande bekannt durch seine Revolte gegen die Bedingungen der Kabel-Deutschland-Übernahme durch Vodafone und weltweit berüchtigt als unnachgiebiger Argentinien-Gläubiger, probt unter Aktionären den Aufstand.

Knallharter Investor: Paul Singer, Gründer und Chef der Hedgefonds-Gesellschaft Elliott, zettelt unter Aktionären schon mal die eine oder andere Revolte an, wenn sie seinen Interessen nutzt

Knallharter Investor: Paul Singer, Gründer und Chef der Hedgefonds-Gesellschaft Elliott, zettelt unter Aktionären schon mal die eine oder andere Revolte an, wenn sie seinen Interessen nutzt

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Am Freitag kommt es zum Showdown, dann findet die Hauptversammlung des Bau- und Handelsunternehmens Samsung C&T statt. Es soll mit einer weiteren Samsung-Beteiligung, Cheil Industries, verschmolzen werden. Die Fusion würde Lee Jae-yong, bisher Vize-Vorsitzender von Samsung Electronics und Enkel des Gründers, die Kontrolle nicht zuletzt über Samsung Electronics sichern.

Nebeneffekt der Fusion: Lee Jae-yong und seine zwei Schwestern erhielten Milliarden, mit denen sie die demnächst fällige Erbschaftssteuern bezahlen könnten. Allerdings ruft der Hedgefonds Elliot, der mit mehr als 7 Prozent der drittgrößte Samsung C&T-Aktionär ist, die Geldgeber dazu auf, gegen den Deal zu stimmen. Das Angebot speise die Samsung C&T-Anleger unter Wert ab, so die Argumentation.

Südkoreas Rentenkasse wird als Investor wohl entscheidend sein

Elliot hat bereits gewichtige Unterstützer für seine Revolte gewonnen. So empfahlen die für Profi-Anleger wichtigen US-Berater Glass Lewis & Co. und der Institutional Investors Service bereits in der vergangenen Woche, mit Nein zu stimmen. Und auch der Korea Corporate Governance Service rät von dem Deal unter den vorgeschlagenen Bedingungen ab.

Insgesamt sind zwei Drittel der Stimmen notwendig, damit die Fusion zustande kommt. Entscheidend für den Ausgang dürfte aber die Nationale Rentenkasse Südkoreas sein. Diese hat am vergangenen Freitag signalisiert, für den Zusammenschluss zu stimmen.

In Südkorea ist der Zweikampf Samsung gegen Elliott in diesen Tagen bestimmendes Thema der Wirtschaft. Der Konzern wirbt mit groß angelegten Werbekampagnen für sich, manche Medien machen gezielt gegen Elliott Stimmung. Der Hedgefonds mag zwar nicht aus humanitären Gründen bei Samsung C&T investiert haben. Ob er sich mit seinem Ansinnen in Südkorea durchsetzen kann, wird aber viel über den Standort aussagen.

Familien wie die Lees kontrollieren die Wirtschaft des Landes seit Jahrzehnten. Wie diese haben auch andere Klans, Chaebols genannt, es geschafft, mächtige Konglomerate aufzubauen wie etwa die Hyundai- und LG-Gruppe. Börsennotierte Firmen aus diesen Imperien leiden indes am "Südkorea-Abschlag". Selbst in den wirtschaftlichen Hochzeiten, als Samsung-Handys das iPhone verdrängten, war die Aktie von Samsung Electronics vergleichsweise mäßig bewertet. Internationale Aktionäre fürchten die Willkür, mit der die Chaebols den Kurs ihrer Unternehmen zu ihren Gunsten immer wieder ändern.

Das Aktionärsvotum am Freitag würde, sollte Samsung doch gegen Elliott verlieren, von daher Geschichte schreiben.

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