Zozosuit Dieser Anzug soll den Maßschneider ersetzen

Der Zozosuit des japanischen Unternehmens Start Today soll für perfekt passende Kleidung sorgen.

Der Zozosuit des japanischen Unternehmens Start Today soll für perfekt passende Kleidung sorgen.

Foto: Start Today

Menschen müssen Kleidungsstücke immer so kaufen, dass sie an der dicksten Körperstelle passen. Kleines Bäuchlein und schlanke Beine? Die Chancen stehen gut, dass die Jeans an den Oberschenkeln schlabbert. Oder aber am Bauch zwickt.

Kritik an den veralteten Größen der Modeindustrie gibt es zuhauf, massentaugliche Alternativen wurden allerdings noch nicht entwickelt. Standardisierte Kleidergrößen bleiben das Maß für ganz unterschiedliche Körper - aber ein Unternehmen aus Japan will das jetzt ändern.

Der Online-Modeshop Zozotown des Unternehmens Start Today hat einen weiß gepunkteten Anzug entwickelt, der im Heimatland bereits einen Social-Media-Hype ausgelöst hat. Auf Tausenden Bildern bei Instagram und Co. zeigen sich die Kunden mit dem sogenannten Zozosuit. Laut Unternehmen gab es bereits eine Million Bestellungen. Dabei ist der Kunstfaseranzug nur ein Nebenprodukt. Der Nutzer muss ihn anziehen, um sich damit millimetergenau abmessen zu lassen. Die Zozo-App gibt die nötigen Anweisungen, per Handykamera wird ein 3D-Abbild des Körpers erstellt. Das soll die persönlichen Maße genau wiedergeben.

Auswahl aus mehr als zehntausend Schnittmustern

Mit diesen Informationen wird dann aus mehr als zehntausend Schnittmustern das am besten passende herausgesucht; wer in keins der vorgefertigten Muster passt, bekommt die bestellte Kleidung tatsächlich sogar maßgeschneidert. In Japan läuft das Ganze seit ein paar Monaten, jetzt bringt Start Today sein Angebot in 72 weitere Länder - auch nach Deutschland.

Die große Expansion ist seit dem Start des Unternehmens 1998 der Traum des Gründers, Geschäftsführers und Milliardärs Yusaku Maezawa. In Japan ist Start Today bereits bekannt und schreibt solide Geschäftszahlen. Zuletzt lagen der Jahresumsatz umgerechnet bei 750 Millionen und das Ergebnis nach Steuern bei 154 Millionen Euro. Vom globalen Player ist das aber noch weit entfernt.

Der Schritt birgt nun viele Risiken. Ist die Technologie des Zozosuits wirklich weit genug entwickelt? Ist der Kundenservice vorbereitet und kann die Produktion mithalten?

Vorstandsmitglied und Entwickler des Anzugs Masahiro Ito ist zuversichtlich: "In Japan verkauft sich die Kleidung sehr gut und wir bekommen überwältigend positives Feedback." Allerdings muss er einräumen, dass das Unternehmen derzeit mit längeren Lieferzeiten zu kämpfen hat. "Es ist eine junge Technologie und wir stehen noch am Anfang." Wie die Expansion damit gelingen werde, wisse man erst in einigen Wochen.

Wird Zozo der Killer des Maßanzugs?

Die Entwicklung hat in jedem Fall Potenzial: Sie könnte nicht bloß Kunden zufrieden stellen, sondern dafür sorgen, dass in Onlineshops die Rücksendequoten sinken. Ito erklärt, die Retouren bei der maßgefertigten Kleidung von Start Today seien sehr niedrig: "Im einstelligen Prozentbereich". Das wäre im Vergleich zur branchenüblichen Zahl von etwa 50 Prozent eine klare Verbesserung.

So arbeiten Start-ups gleichermaßen wie Konzerne an Lösungen, um den menschlichen Körper auf simple Art exakt vermessen zu können. Handelsriese Amazon übernahm vergangenen Oktober zum Beispiel ein junges Unternehmen namens Body Scan. Es verkauft eine Software, mit der Körper in Bewegung erfasst und digital als 3D-Modell dargestellt werden. Neben der Modeindustrie kann das auch für die Computerspiel-Branche interessant sein.

Das Unterfangen ist allerdings kompliziert. Auch der Zozosuit wurde sieben Jahre lang entwickelt. "Menschen abzumessen ist unglaublich schwierig. Sie sind so weich und elastisch", sagt Erfinder Masahiro Ito. Er erklärt, zunächst habe man einen Anzug entwickelt, der mit Drähten und elektrischen Signalen die Körper vermessen habe. "Der war aber zu teuer, um ihn massenweise zu produzieren."

359 Punkte für die perfekt sitzende Jeans

Nun sollen 359 große und 32 kleine Punkte dafür sorgen, dass in der App die genauen Abmessungen des Kunden erscheinen. Passt einer nicht in die Tausenden Schnittmuster, die Start Today nach eigenen Angaben produktionsbereit hält, dann wird das neue Kleidungsstück für ihn ganz neu geschneidert. Das kann dann bis zu zwei Wochen dauern.

Klar ist: Damit sich das Ganze groß aufziehen lässt, müssen die meisten Kunden in die erste Kategorie fallen. Sonst wird der Aufwand zu groß. Zwar will Start Today nach eigener Aussage nicht den Trend der Wegwerf-Mode zu Schleuderpreisen befeuern. Doch auch die Preise des Unternehmens sind günstig. Eine Jeans wird in Deutschland 59 Euro kosten, ein T-Shirt 22 Euro. Produziert wird in China - wohl um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Passgenau und preiswert? Sollte sich dieses Konzept von Start Today durchsetzen, dürfte das Unternehmen noch ganz anderen Herstellern Schwierigkeiten bereiten. So bietet der Modeverkäufer in Japan bereits Businesskleidung an - und könnte damit der Killer des Maßanzugs werden.