Corona-Krisengewinner Videokonferenz-Dienst Zoom verdoppelt Umsatzprognose

Börsengang von Zoom im April 2019: Das Unternehmen ist einer der wenigen Gewinner der Corona-Krise

Börsengang von Zoom im April 2019: Das Unternehmen ist einer der wenigen Gewinner der Corona-Krise

Foto: REUTERS

Der rasant wachsende Videodienstanbieter Zoom profitiert vom Trend zum Homeoffice in der Corona-Krise. "Die Gelegenheiten, den Dienst anzuwenden, sind rapide gewachsen, weil Menschen Zoom in ihre Arbeit, ihr Lernen und ihr persönliches Leben integriert haben", sagte Zoom-Gründer und -Chef Eric S. Yuan am Dienstag nach US-Börsenschluss.

DerUS-Konzern hob den Jahresausblick deutlich an und rechnet nun mit einem Umsatz zwischen 1,78 und 1,80 Milliarden Dollar. Bisher waren maximal 915 Millionen Dollar in Aussicht gestellt worden. Die Aktie legte nachbörslich mehr als sechs Prozent zu.

Im ersten Geschäftsquartal zu Ende April sprangen die Erlöse um 169 Prozent auf rund 328 Millionen Dollar. Der Gewinn kletterte auf 27 Millionen Dollar, nachdem der Konzern im Vorjahreszeitraum gerade in die schwarzen Zahlen gekommen war.

300 Millionen Videokonferenzen täglich

Zoom war eigentlich für Unternehmen gedacht. In der Corona-Krise stieg aber nicht nur der Einsatz im Homeoffice, sondern auch die Nutzung durch Privatleute sowie für Sportkurse, Gottesdienste oder Bildung. Im April gab es bis zu 300 Millionen Teilnahmen an Videokonferenzen täglich - im Vergleich zu 10 Millionen noch im Dezember. Im Mai ging die Zahl wieder etwas zurück, räumte Finanzchefin Kelly Steckelberg ein. Zoom rechne aber damit, dass das Wachstum auf lange Sicht weitergehen werde, betonte sie.

Als sich vor drei Monaten der Rückenwind für Zoom durch die Corona-Einschränkungen abzeichnete, hatte die Finanzchefin noch gewarnt, es sei unklar, ob die Firma von dem Zustrom der neuen Nutzer auch dauerhaft finanziell profitieren werde. Schließlich bringt die sprunghaft gestiegene Nutzung auch höhere Kosten für die Infrastruktur mit sich. Und Zoom hatte in der Krise viele Einschränkungen der Gratis-Version aufgehoben.

Doch die gute Nachricht für Zoom ist, dass mit dem Anstieg der Nutzung durch Verbraucher auch das Kerngeschäft mit Unternehmen gewachsen ist. Zoom hat jetzt über 265.000 Firmenkunden mit mehr als zehn Mitarbeitern - viermal mehr als vor einem Jahr. Und 769 von ihnen - doppelt so viele wie ein Jahr zuvor - geben mehr als 100.000 Dollar pro Jahr für Zooms Dienste aus.

Zoom will Telefonanlagen in Unternehmen übernehmen

Zoom machten in den vergangenen Monaten auch Negativ-Schlagzeilen zu schaffen - die erhöhte Aufmerksamkeit durch Experten förderte Sicherheitslücken zu Tage und sorgte für Kritik am Verschlüsselungskonzept des Dienstes. Zahlende Kunden sollen künftig auch auf Komplett-Verschlüsselung zurückgreifen können. Und wenn man sich künftig zwischen mehr Sicherheit oder mehr Bequemlichkeit für die Nutzer entscheiden müsse, werde die Sicherheit Vorrang bekommen, versicherte Yuan. Zoom habe die Konsequenzen der breiteren Nutzung durch Verbraucher außerhalb gesicherter Unternehmens-Infrastruktur in der Corona-Krise zunächst nicht voll durchdacht, räumte er ein. Hinzu kommen Probleme durch das sogenannte Zoombombing, bei dem sich Unberechtigte in eine Sitzung einwählen.

Den Corona-Boom will Zoom als Brückenkopf für künftiges Wachstum nutzen. Videokonferenzen und gewöhnliche Telefonie könnten im Grunde mit ein und demselben Produkt abgedeckt werden, erklärte Yuan weiter. Deswegen sehe Zoom hier große Chancen auf neues Geschäft - auch wenn es um die private Nutzung geht. "Videokonferenzen werden zu einem Verbrauchergeschäft", betonte Yuan. Er sieht hier Chancen, mit den Videochat-Angeboten der großen Tech-Konzerne Apple , Google , Facebook  und Microsoft  mithalten zu können, die von der Corona-Krise allesamt nicht so stark profitieren konnten wie Zoom - aber ihre Dienste verbesserten.

mg/rtr, dpa-afx
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