Samwer-Firma Zalando plant Börsengang trotz roter Zahlen

Das Online-Modekaufhaus ist der größte Hoffnungswert in der Firmensammlung der Internet-Unternehmerbrüder Samwer. Zwar schreibt Zalando Verluste und wächst langsamer als geplant. Trotzdem sichten die Brüder schon die Bewerbungen von Banken, die sie aufs Parkett begleiten wollen.
Von Astrid Maier
Logistikzentrum in Erfurt: Der Weg zum Startup-Olymp?

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Foto: Martin Schutt/ dpa

Hamburg - Die Samwer-Brüder Oliver, Marc und Alexander sind die Aktivisten unter Deutschlands Internet-Unternehmern: Ihr Startup-Imperium Rocket Internet reicht mittlerweile von Berlin über São Paulo bis nach Manila. Kein Online-Geschäft hat in Deutschland mehr Geld von Investoren angezogen als ihre Firmenbrutstätte. Und selbst im Silicon Valley, der selbstzentrierten Weltkapitale der Branche, sind die Samwers allen ein Begriff: Dort sind die Brüder aus Germany als gnadenlose Kopisten amerikanischer Geschäftsideen gefürchtet.

Zum endgültigen Aufstieg in den globalen Tech-Unternehmer-Olymp fehlt den Samwers aber noch der entscheidende Treffer: Ein erfolgreicher Börsengang (IPO) für eine der von ihnen hochgezüchteten Jungfirmen. Zalando, das Online-Modekaufhaus, soll diese Lücke nun schließen.

Die Vorbereitungen für das voraussichtlich größte IPO der deutschen Tech-Branche seit dem 5,4 Milliarden Euro schweren Listing des Chip-Herstellers Infineon  2000 laufen auf die Zielgerade zu: Von den etlichen Banken, die um das Mandat buhlen, sind die US-Institute Goldman Sachs  und Morgan Stanley  nach Informationen von manager magazin online als Favoriten im Rennen verblieben. Auch JPMorgan Chase  hat Chancen, sich ein Mandat zu sichern.

Aus der Erfahrung mit Facebook und Twitter lernen

Vom Zeitpunkt der endgültigen Wahl der Geburtshelfer hängt auch ab, wann genau der Börsengang erfolgt. 2014 solle es schon passieren, berichten Insider. Im Extremfall könnten die Aktien gar schon zum Ende des zweiten Quartals 2014 handelbar sein.

Damit wird Zalando voraussichtlich die Dienste der Banken in Anspruch nehmen, die zuletzt die prominentesten Börsengänge der Tech-Industrie überhaupt begleitet haben: Sowohl Facebook  als auch Twitter  wurden bei ihrem Gang aufs Parkett von den drei Geldinstituten begleitet. Das passt zum Selbstbewusstsein des Samwer-Vordenkers Oliver.

Allerdings geriet bei Facebook die Notierung anfangs zum Fiasko, da die Papiere nach dem IPO stark an Wert verloren. So einen Image-Gau wollen die Samwers um jeden Preis vermeiden, schließlich ist ihr Ruf in der Branche wegen ihres aggressiven Geschäftsgebarens ohnehin angekratzt. Dementsprechend ist noch nicht entschieden, wo der Börsengang überhaupt statt finden soll.

Die nächsten Samwer-Unternehmen stehen schon zum IPO bereit

Im Gespräch sind derzeit sowohl New York als auch Frankfurt am Main. Beide Finanzplätze bringen Vor- wie Nachteile mit sich, weshalb die Zalando-Truppe die Wahl noch sorgsam sondiert. Ein Zalando-Sprecher wollte sich nicht äußern. Es steht viel auf dem Spiel: Zuletzt wurde der Internethändler auf einen Firmenwert von 3,7 Milliarden Euro taxiert. Die Samwers halten über ihr Investmentvehikel European Founders Fund 17 Prozent, größter Aktionär mit 36,5 Prozent ist das schwedische Konglomerat Kinnevik.

Für eine Platzierung in New York spricht, dass die Investoren in den USA bereit sind, Geld in Firmen anzulegen, die zwar noch nichts verdienen, aber schnell wachsen. Der Kurznachrichtendienst Twitter etwa legte im November 2013 einen fulminanten Start hin, obwohl das Unternehmen Verluste schreibt. Auch Zalando hat das jüngste Geschäftsjahr mit einem Minus abgeschlossen, in Insiderkreisen ist die Rede von rund 80 Millionen Euro. Im Jahr davor waren es noch 90 Millionen.

Allerdings flacht das Wachstum ab, was in den USA gar nicht goutiert wird: Statt der geplanten zwei Milliarden Euro Erlöse wurden 2013 nur rund 1,7 Milliarden umgesetzt, heißt es bei Unternehmenskennern. Im Jahr davor waren es 1,15 Milliarden, 2011 setzte Zalando noch 510 Millionen Euro um. Und der Online-Händler, der in 14 europäischen Ländern aktiv ist, ist in den USA gänzlich unbekannt. Das schmälert die Attraktivität vor allem für US-Kleinanleger.

Gewinne statt "Schrei vor Glück"

Es war die "Schrei-vor-Glück"-Werbekampagne, die Zalando in Deutschland zu einer der bekanntesten Marken überhaupt machte. Um bei deutschen Investoren auf Wohlgefallen zu stoßen, sollte Zalando allerdings Gewinne vorweisen. Entsprechend arbeitet die Geschäftsführung um Rubin Ritter seit Monaten an nichts anderem mehr.

So wurden Investitionen in Länder wie Großbritannien, wo das Geschäft nicht gut läuft, zurückgestellt, insgesamt die Marketingkosten deutlich reduziert. Die Palette an Eigenmarken hat Zalando zudem verkleinert, 2013 hat die liegen gebliebene Eigenware noch hohe Kosten verursacht. "Die Hoffnung ist, bis spätestens zum dritten Quartal profitabel zu sein" sagt ein Insider.

Viel Zeit bleibt nicht. Denn das Zalando-IPO soll nur die erste Stufe zum endgültigen Aufstieg der Samwers an die Spitze der weltweiten Tech-Community sein. Gelingt der Börsengang, sollen bald danach auch die Schwesterunternehmen Dafiti (Brasilien) und Lamoda (Russland) aufs Parkett.