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Yelp, Tripadvisor & Co.: Die besten Tipps im Netz

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

 Yelp-Chef Jeremy Stoppelman "Wir wollen fairen Wettbewerb gewährleisten"

Mit der Übernahme des EU-Marktführes Qype wollte das US-Bewertungsportal Yelp eigentlich einen Kickstart in Europa hinlegen. Doch die neuen Regeln lösten einen Sturm der Entrüstung aus. Yelp-Gründer Jeremy Stoppelman über strategische Fehler, Abschreckung und die Goldgruben der Zukunft.

mm: Herr Stoppelman, Sie haben vor zwei Jahren 50 Millionen für die Übernahme des europäischen Marktführers Qype ausgegeben. Ein Geschäft, das Ihnen jetzt jede Menge Ärger bereitet. Weil manche Läden durch die Migration zu Yelp in der Bewertung abgestützt sind, sind viele Unternehmer verärgert und werfen Ihnen unlautere Methoden vor. Mal ganz abgesehen vom Imageverlust. Hat Sie der holprige Übergang Kunden gekostet?

Stoppelman: Klar gibt es Leute, die ihre Qype-Konten bei uns nicht weiterführen. Und zugegeben: Unter den Geschäftskunden waren einige ziemlich erstaunt und auch verärgert über die Änderungen, die mit dem Umstieg auf den Yelp-Algorithmus verbunden waren. Aber dessen Zweck ist es ja in erster Linie, die Verbraucher zu schützen. Und von Seiten der Verbraucher war der Aufschrei nicht so groß.

mm: Und die schützen Sie besser als Qype?

Stoppelman: Anders als beispielsweise Qype halten wir nichts davon, dass Unternehmen Freunde oder besonders gute Kunden dazu aufrufen, Kritiken zu schreiben. Das verzerrt nur das Bild. Deshalb versuchen wir, falsche oder unglaubwürdige Bewertungen herauszufiltern. Wir wollen nicht, dass diejenigen Betriebe, die das beste Selbstmarketing betreiben, das beste Rating kriegen, sondern die, die den besten Job machen. Wenn wir nicht sicher sind, ob es sich um zuverlässige Bewertungen handelt oder wir Grund zur Vermutung haben, dass die Bewerter nicht neutral sind, landen sie in einer eigenen Sektion. Dann kann man sie immer noch einsehen. Aber sie fließen nicht in die Bewertung ein

mm: Würden Sie im Rückblick bei der Umstellung etwas anders machen?

Stoppelman: Wir hätten das Ganze besser kommunizieren können, Geschäftsinhaber auf die anstehende Umstellung schon im vorhinein hinweisen können. Aber weil es in allen anderen Ländern, die davor von Qype auf den Yelp-Algorithmus migriert sind, keinerlei Probleme gab, sind wir gar nicht auf die Idee gekommen.

mm: Und keiner hat sich beschwert - nur die Deutschen?

Stoppelman: Nur die Deutschen. Das war eine echte Überraschung.

"Wenn Betriebe betrügen, warnen wir sie öffentlich"

mm.: Einer der Vorwürfe, die gegen Yelp erhoben werden, ist die Undurchsichtigkeit der Bewertung. Ist Ihnen die Qualität der Ergebnisse also wichtiger als Transparenz?

Stoppelman: Ich würde sagen, für uns kommen die Nutzer an erster Stelle. Wir wollen, dass die Leute ihr hart verdientes Geld in die richtigen Läden tragen. Und ein System, das keine gleichen Wettbewerbsbedingungen schafft, ist schlecht für die Kunden. Für die Geschäftsinhaber ist das mit den Bewertungen eine zwiespältigere Angelegenheit: Sie wissen zwar, dass ihnen Yelp eine Menge Business bringt. Aber sie können es nicht kontrollieren. Und genau darum geht es uns: Wir wollen nicht manipulierbar sein - sondern fairen Wettbewerb gewährleisten

mm: Stimmt es, dass Sie in den USA sogar eine Anwaltskanzlei verklagt haben, weil sie Kritiken gefälscht haben soll?

Stoppelman: Ja das stimmt

mm: Und wie ist das Ganze ausgegangen?

Stoppelman: Ich glaube, das Verfahren läuft noch.

mm: Gab es in Deutschland schon einmal einen ähnlichen Fall?

Stoppelman: Nicht dass ich wüsste. Aber wir nehmen Fälschungsversuche ziemlich ernst. Vor ungefähr eineinhalb Jahren sind wir in den USA auf Anzeigen gestoßen, in denen Leute gesucht wurden, damit sie gegen Bezahlung Yelp-Kritiken für bestimmte Unternehmen schreiben. Da sind wir gegen vorgegangen. Jetzt haben wir ein eigenes Team, das gezielt nach derartigen Anzeigen sucht und sich als Kritiker anwerben lässt. Wenn wir einem Betrieb dann einen Betrugsversuch nachweisen können, veröffentlichen wir eine Warnung, dass dieses Unternehmen versucht hat, zu betrügen samt der uns vorliegenden Beweise. Das bleibt dann drei Monate auf deren Seite - als Warnung für die Kunden und Abschreckung für mögliche Nachahmer.

mm: Gibt es so eine Anti-Betrugs-Squad auch schon in Deutschland?

Stoppelman: Wir schauen uns auch hier schon nach derartigen Angeboten um. Aber meines Wissens sind wir bislang auf keine solchen Offerten gestoßen. Aber wenn wir eine derartige Entwicklung beobachten, werden wir sicher etwas dagegen tun.

"Wir kommen dann ins Spiel, wenn Leute wirklich etwas kaufen"

mm: Sie sind an der Börse notiert - mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet mehr als 3,5 Milliarden Euro - und schreiben wegen der weltweiten Expansion dennoch Verluste. Wohin geht es als nächstes?

Stoppelman: Aktuell sind wir in 24 Ländern aktiv - und wollen dieses Jahr in weiteren starten. Vor allem Asien und Lateinamerika stehen ganz vorne auf der Liste

mm: Mehr als 40 Prozent Ihrer Nutzer greifen mobil auf die Bewertungsfunktionen zu. Eine Quote, die manch anderem Unternehmen, das sein Geld mit klassischer Bannerwerbung verdient, angesichts der deutlich geringeren Werbeerlöse im Mobilbereich Schweißperlen auf die Stirn treiben würde.

Stoppelman: Wir verkaufen Packages mit einer bestimmten Zahl von Zugriffen pro Monat. bei denen wir Zugriffe vom PC und vom Smartphone aus mischen. Und bieten alternativ aber auch Pay-per-click. Unser Vorteil ist, dass wir lokal sind. Wir kommen dann ins Spiel, wenn Leute wirklich etwas kaufen, essen oder zum Friseur gehen wollen.

mm: In den USA kann man seit ein paar Monaten über Ihre Seite auch Essen bestellen oder in Restaurants Tische reservieren - und dafür über die bei Ihnen hinterlegten Kreditkartendaten zahlen. Ist so etwas auch in Deutschland geplant?

Stoppelman: Ja. Aber erst einmal wollen wir unsere Dienste in den USA noch ausbauen. Zusätzlich zu Essenbestellungen sollen unsere Kunden künftig auch Hausmeister oder Spa-Behandlungen über uns buchen können. Wann wir mit diesem Service auch in Deutschland an den Start gehen, ist aber noch offen. Möglicherweise im nächsten Jahr.

mihec
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