Montag, 9. Dezember 2019

Yahoo Das Führungsversagen bei Yahoo

Yahoo-Chefin Marissa Mayer: Vision und Strategie fehlen - Yahoo pendelt zwischen Zukauf und Zerschlagung hin und her

3. Teil: Homeoffice abgeschafft

Ein weiteres Beispiel für das Führungsversagen bei Yahoo ist die abrupte Abschaffung des Homeoffice für die Mitarbeiter. Marissa Mayer führt dafür als Grund an, dass man körperlich in der Firma anwesend sein müsse, um mit anderen Mitarbeitern erfolgreich zum Wohle des Unternehmens zusammenarbeiten zu können. Es mutet schon ein wenig merkwürdig an, dass Präsenzkultur in einem Internet-Unternehmen gepredigt wird, das mit Online-Angeboten überhaupt erst groß geworden ist. Auf dem Weg zu Arbeit 4.0 hat Yahoo das Navigationssystem neu auf Arbeit 2.0 programmiert.

Tatsächlich ist diese Maßnahme nur Ausdruck des misstrauensgetränkten Geistes der Kontrollwut und des Mikromanagements, der seine Karos auf Millimeterpapier malt. Die Botschaft steht klar im Raum: "Wir trauen unseren Mitarbeitern nicht. Wir glauben nicht, dass sie im Homeoffice ordentlich arbeiten. Nur bei ständiger Kontrolle und Überwachung bringen unsere Mitarbeiter Leistung." Eine verhängnisvolle Botschaft. Wer als Arbeitgeber Misstrauen zeigt, wird Misstrauen von seinen Mitarbeitern zurückbekommen. Das ist aber die falsche Währung für das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter.

Zugleich hat das dramatische Auswirkungen auf die Arbeitgebermarke "Yahoo". Yahoo steht inzwischen für rückwärtsgewandte Arbeitsmethoden, Misstrauenskultur, Willkür und fehlende Performanceperspektiven. Mit einem solchen Employer Branding wird man keine hochqualifizierten Mitarbeiter gewinnen, die man so dringend braucht und stattdessen einen regelrechten "Brain Drain" auslösen, weil viele Spitzenkräfte, die heute noch bei Yahoo sind, interessantere Arbeitgeber finden werden.

Möglicherweise sind aber gerade rückwärtsgewandte Arbeitsmethoden, Misstrauenskultur und Willkür die Instrumente, die gezielt eingesetzt werden, um Mitarbeitern das Leben so unbequem wie möglich zu machen und sie so zu Eigenkündigungen zu veranlassen. Wenn das die Vision sein soll, müsste in der Tat die Unternehmensleitung komplett ausgetauscht werden und zwar so schnell wie möglich, wenn Yahoo noch gerettet werden soll.

Ulrich G oldschmidt ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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