Freitag, 26. April 2019

Neue Vorwürfe gegen Zahlungsabwickler "Financial Times" lässt Wirecard nicht vom Haken

Das Misstrauen der Anleger bleibt: Nach neuen Vorwürfen der "Financial Times" bricht die Aktie des Dax-Mitglieds Wirecard erneut ein

Der Zahlungsabwickler Wirecard bleibt trotz aller Dementis zu angeblichen Bilanz-Unregelmäßigkeiten im Visier der "Financial Times". Die Londoner Wirtschaftszeitung bekräftigte am Donnerstag in einem weiteren Bericht ihre Vorwürfe gegen führende Mitarbeiter des bayerischen Unternehmens in Singapur.

Die seit Herbst im Leitindex Dax notierten Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen rutschten - zum dritten Mal in einer Woche - um bis zu 19 Prozent auf 104,85 Euro ab und waren mit Abstand schwächster Wert im Dax. Seit Beginn der "FT"-Berichterstattung hat das Unternehmen rund acht Milliarden Euro an Börsenwert verloren. Wirecard wies die Anschuldigungen zurück. "Nichts an dem heute erschienenen Bericht ist wahr", hieß es in der Stellungnahme.

Bereits am Montag hatte Wirecard-Chef Markus Braun erklärt, dass eine Untersuchung der beauftragten Anwaltskanzlei Rajah & Tann in Singapur bisher keinerlei Belege für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten gefunden habe. Die Prüfung stehe kurz vor dem Abschluss. Braun vermutet, dass eine Fehde unter Mitarbeitern hinter den Veröffentlichungen steckt.


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Die "Financial Times" berichtete am Donnerstag, der für Asien zuständige Finanzchef von Wirecard habe sechs Kollegen in Singapur gezeigt, wie man die eigenen Bücher manipulieren könne, um die Behörden in Hongkong davon zu überzeugen, Wirecard eine Lizenz zu geben.

Er habe dazu in einem Zahlungskarussell Umsätze mit Kunden vorgespiegelt. Dabei sei es auch darum gegangen, interne Ertragsziele zu erfüllen, hieß es in dem Bericht. Das System sei möglicherweise in ganz Asien über Jahre hinweg betrieben worden.

Aus Dokumenten, die der "FT" vorlägen, gehe hervor, dass zwei Führungskräfte in Deutschland von der Praxis "zumindest etwas Kenntnis" davon hatten. Wirecard hatte angegeben, bei der Untersuchung gehe es um Umsätze von knapp sieben Millionen Euro.

rei/Reuters

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