Samstag, 7. Dezember 2019

Fusion von Yahoo und AOL Warum dieser Mann 4,8 Milliarden Dollar für den Tech-Dino Yahoo zahlt 

Lowell McAdam : Der Verizon-CEO will im digitalen Werbegeschäft Google und Facebook Konkurrenz machen

Mit der Übernahme von Yahoo durch den Telekom-Konzern Verizon geht eine 20-jährige Ära zu Ende. Von einst 155 Milliarden Dollar Yahoo-Börsenwert ist nur noch ein Bruchteil geblieben. Die Reste werden nun von der einst als Retterin geholten Marissa Mayer höchstbietend verschachert. Doch den von Yahoo erhofften heißen Bieterwettstreit gab es nicht: Gerade einmal 4,8 Milliarden Dollar hat Mayer noch für Yahoos Kerngeschäft rausholen können.

Angesichts immer neuer Hiobsbotschaften und der Tatsache, dass Yahoo im abgelaufenen Quartal 440 Millionen Dollar Verlust schrieb, stellt sich die Frage, was Verizon mit dem Tech-Dinosaurier eigentlich vorhat - und warum der Telekom-Riese dafür knapp 5 Milliarden Dollar locker macht.

Dass die Nummer eins auf den US Markt keine Angst vor Tech-Dinosauriern hat, zeigte bereits der Kauf von AOL im Jahr 2015 für rund 4,4 Milliarden Dollar.

Die Übernahme von Yahoo ist nun der nächste logische Schritt für Verizon-CEO Lowell McAdam, der angesichts wachsender Konkurrenz von Rivalen wie T-Mobile USA und schrumpfender Gewinne auf dem Telekommarkt dringend nach alternativen Erlösmodellen sucht.

Und diese Erlösmodelle will Adam in der digitalen Werbung gefunden haben. Einem Markt, dem Beobachter weiterhin märchenhafte Wachstumsraten zutrauen. Angetrieben vom sogenannten "Internet der Dinge", das aus Haushaltsprodukten wie Kühlschränken, Thermostaten und Autos intelligente, internetfähige und vor allem mit Werbung bespielbare Alltags-Gadgets machen soll.

Von diesem Markt will auch McAdam mit Hilfe der frisch akquirierten Tech-Dinos AOL und Yahoo einen Teil abhaben. Um gegen die Platzhirsche Google und Facebook bestehen zu können, schweißt er zwei Internet-Legenden zu einer Einheit zusammen.

Zwei Drittel für Google und FB - um den Rest balgen sich die Wettbewerber

Und das soll so funktionieren: Sowohl AOL als auch Yahoo haben - unter anderem dank Portalen wie der Huffington Post, den Yahoos News und der Suche - einen Fuß im Online-Werbegeschäft. Der ist zwar nicht gerade riesig. Mit Erlösen von 2,7 Milliarden Dollar im Online-Werbegeschäft schaffte es AOL 2015laut "Wall Street Journal" nicht einmal in die US-Top 10.

Und auch bei Yahoo ist das digitale Werbegeschäft rückläufig. 2016 dürfte es dem Konzern laut Schätzungen der Marktforscher von eMarketer noch von 2,83 Milliarden Dollar einspielen, was einen Rückgang des Marktanteils auf 1,5 Prozent bedeuten würde. Allerdings wächst Yahoo sehr stark im Mobilsektor.

Dennoch: Das sind sehr bescheidene Werte, wenn man sich anschaut, wo Google und Facebook stehen.

Die beiden Player haben den Großteil des Onlinewerbemarktes unter sich aufgeteilt. Von dem im vergangenen jahr um 20 Prozent auf knapp 60 Milliarden Dollar gestiegenen US-Markt entfallen laut Brian Wieser von Pivotal Research ganze 64 Prozent auf die beiden Tech-Größen. Den Löwenanteil davon streicht mit 30 Milliarden Dollar Google ein. Auf Facebook entfallen weitere acht Milliarden Dollar - Tendenz deutlich steigend.

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