Rocket Internet will Option für Wandelanleihe Wie Rocket seine Aktionäre auf eine Kapitalspritze vorbereitet

Von Andrea Rungg
Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer beim Börsengang in Frankfurt im Oktober 2014.

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer beim Börsengang in Frankfurt im Oktober 2014.

Foto: Hannelore Foerster/ Getty Images

Wer auch immer als Aktionär in Rocket Internet investiert hat, der muss gewusst haben, worauf er sich einlässt. Dass der Aufbau von Startups langwierig ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Auch dass er kapitalintensiv ist, dürfte kein Geheimnis sein.

Rocket Internet will zudem in der Liga der Großen mitspielen. Der Maßstab ist das Silicon Valley und China. Das machte Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer Ende vergangener Woche noch einmal deutlich. Und wenn der Maßstab Silicon Valley heißt, dann muss Rocket auf der Suche nach frischem Kapital den für Europa gewöhnlichen Rahmen von ein paar Millionen Euro deutlich übertreffen.

Kein Wunder also, dass sich Rocket Internet auf der Hauptversammlung am morgigen Dienstag von den Aktionären die Option auf eine milliardenschwere Wandelanleihe absegnen lassen will. Das Emissionsvolumen könnte bis zu 2 Milliarden Euro betragen.

Das geht aus der Einladung zur Veranstaltung hervor. Ob das Unternehmen sie in Anspruch nimmt, das ist noch offen. Weil aber Rocket erst wenige Monate nach dem Börsengang seine Aktionäre schon einmal mit einer Kapitalerhöhung überraschte, wäre es naiv zu glauben, Rocket hole sich eine derartige Genehmigung nur pro Forma.

Eine erste Option auf eine Wandelanleihe in Höhe von 960 Millionen Euro hatte Rocket nicht gezogen. Stattdessen zog das Unternehmen im Februar erwähnte Kapitalerhöhung durch und sammelte knapp 600 Millionen Euro ein - nur vier Monate nach dem Börsengang.


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Sofern Rocket keine Übernahme in Milliardenhöhe plant, dürfte das derzeitige Kapital reichen. Im April hatte Samwer die Höhe des Kassenbestands mit 1,4 Milliarden Euro beziffert. Aber auch bei der Kapitalerhöhung hatte es geheißen, das Unternehmen habe das Geld eigentlich nicht nötig. Man verschaffe sich nur mehr Flexibilität.

In der Einladung zu Hauptversammlung begründet Rocket das erhöhte Emissionsvolumen für eine mögliche Wandelanleihe auch mit mehr Flexibilität: "Vorstand und Aufsichtsrat halten es unter anderem zur Erhöhung der Flexibilität für zweckmäßig, die bestehende Ermächtigung 2014 sowie das bestehende Bedingte Kapital 2014/III aufzuheben und durch eine neue Ermächtigung sowie ein neues bedingtes Kapital zu ersetzen."

Das neue Emissionsvolumen soll bei 2 Milliarden Euro festgelegt werden, statt bei zuvor besagten 960 Millionen Euro. Rocket behält sich damit vor, eine Schuldverschreibung in Höhe von 2 Milliarden Euro bis zum 22. Juni 2020 zu begeben, etwa über eine Wandelanleihe. Die Investoren der möglichen Wandelanleihe könnten am Ende der Lauffrist entscheiden, ob sie die Aktien wollen oder eine Auszahlung.

Ob es schließlich so kommt, dass steht zumindest offiziell noch nicht fest. Immerhin kursieren bereits Gerüchte, Rocket liebäugle mit einer wie auch immer gearteten Kapitalspritze. Auf der Noah-Konferenz vor eineinhalb Wochen in Berlin bemühte sich Samwer auch nicht, dieses Gerücht zu zerstreuen. Rocket sei grundsätzlich immer bereit Kapital aufzunehmen, sagte er. Die Option auf eine Wandelanleihe dokumentiert diese Bereitschaft nur.

Fast zur Nebensache dürfte am Dienstag eine Veränderung des Aufsichtsrats werden. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth steigt aus und wird durch den ehemaligen Finanzvorstand seiner Firma, Norbert Lang, ersetzt. Lang hatte sich auch nach dem Ausscheiden bei United Internet verpflichtet, bei Beteiligungsgesellschaften im Aufsichtsrat zu agieren. Ebenfalls in den Aufsichtsrat werden der Ex-Chef der Scout-Gruppe, Martin Enderle, und KPMG Ex-Vorstand Joachim Schindler einziehen.

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