Dienstag, 23. April 2019

Talent-Scouts Wie Marissa Mayer und Mark Zuckerberg Talente finden

Talentscout: Marissa Mayer auf einem Podium des Weltwirtschaftsforums.

Sie glauben, dass die Yahoo-Chefin und der Facebook-Manager nicht in Personalien eingebunden werden? Falsch! Gut, häufig geht es um die Einstellung von Top-Managern. Dass man da auch schon mal ziemlich falsch liegen kann, hat Marissa Mayer beeindruckend selbstkritisch zugegeben. Die Yahoo-Chefin kümmert sich allerdings nicht nur um neue Mitarbeiter auf der obersten Ebene.

Mayer genießt den Ruf eines Talent-Scouts. Für Google Börsen-Chart zeigen initiierte sie im Jahr 2002 ein Programm namens "Associate Product Manager", kurz APM. Das ist ein Traineeprogramm, das hervorragende Produktmanager hervorbringen soll. Google, damals gerade einmal vier Jahre alt, hatte Probleme, die richtigen Manager für sehr freiheitsliebende Programmierteams zu finden.

Die gesuchten Manager sollten weniger Chefattitüden versprühen und statt dessen stärker kooperativ im Team arbeiten. Sie sollten Mitarbeiter anhand von Daten überzeugen. Eine Kultur à la "Ich bin der Chef, basta" sollte es bei Google nicht geben.

Talent-Team: Mit Mentorin Marissa Mayer um die Welt

Wer ins APM-Team wollte, der musste als finale Hürde bei Mayer vorsprechen. Sobald man in das Nachwuchsteam aufgenommen wurde, war Mayer fortan eine Mentorin. Sie flog mit der jungen Elite um die Welt und stellte Aufgabe für Aufgabe. Eines der Prinzipien: "Wir geben ihnen viel zu viel Verantwortung, um zu sehen, ob sie damit umgehen können", sagte Mayer einmal.

Googles APM gehört bis heute für potenzielle Nachwuchsmanager zum begehrtesten Programm. Google-Chefaufseher Eric Schmidt sagte einmal: "Das APM gehört zu unseren Grundwerten - Ich kann mir gut vorstellen, dass einer von ihnen unser nächster Vorstandschef wird". Das Programm brachte viele bekannte Manager hervor, darunter Brian Rakowski, der damals als erster Teilnehmer das erfolgreiche Email-Produkt Gmail vorangetrieben hatte. Auch nach Mayers Abschied Mitte 2012 führte der Suchkonzern das zweijährige Programm mit jungen Hochschulabsolventen eines technischen Studiengangs fort.

Nach ihrem Wechsel zu Yahoo, startete die 39-Jährige das gleiche Programm für den einstigen Webpionier und sie rekrutierte kräftig aus dem Pool ihrer ehemaligen Schützlinge, zu denen sie Berichten zufolge regelmäßig Kontakt hält.

Rekrutieren vor den Wehen - und nach der Geburt

Zehn ehemalige Trainees heuerte sie für Yahoo an, fast alle persönlich. Enrique Munoz Torres, so erzählte er es Medium-Reporter Steven Levy, hätte mit Mayer nur via Email über ein Engagement bei Yahoo reden können. Den Rest erledigte ihr Team. Eigentlich sei sie enger in solche Prozesse involviert, habe sie sich bei ihm entschuldigt. Mayer erklärte, dass sie erst wenige Stunden zuvor ihren Sohn geboren hätte. Sie bat um Verständnis, was der spätere Yahoo-Manager zweifelsohne hatte.

Enrique Munoz Torres stieß sogleich in ein Team von 20 Leuten dazu, dass nicht weniger als die Rettung von Yahoo vorantreiben sollte. Das Projekt hieß "Moneyball" und war wieder so eine Aufgabe, die durchaus überfordern könnte. Binnen 45 Tagen mussten sie ein neues Werbeprodukt entwickeln. Nach 43 Tagen waren sie angeblich fertig und seither habe Moneyball Yahoo einen Erlös von 1,2 Milliarden Dollar eingebracht.

Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg folgt einer augenscheinlich anderen Personalpolitik. Auch er mischt sich in den Rekrutierungsprozess ein und folgt dabei einem überschaubaren Prinzip. "Ich habe eine ganz einfache Regel", sagte er in einem Gespräch beim Mobile World Congress in Barcelona. "Ich werde jemanden nur dann einstellen, wenn ich selbst auch für diese Person arbeiten würde", sagte der 30-Jährige. "Mit dieser Regel bin ich bisher ziemlich gut gefahren." Ob er tatsächlich bei allen 10.000 Mitarbeitern so verfahren ist, das dürfte aber eher fraglich sein.

Zuckerberg sucht vor allem selbstbewusste Mitarbeiter. "Glaubt an Euch und vertraut Euch", sagte er. "Wenn ihr jung seid, dann hört ihr oft dass ihr keine Erfahrung habt, dass es da Leute gibt, die mehr Erfahrung vorweisen können als ihr", sagte er. "Macht euch nicht klein, egal was ihr macht. Jeder hat eine einzigartige Sichtweise, die er einbringen kann", riet er.

Selbstbewusst betonte der Herr über Milliarden Nutzer: "Ich habe Facebook gegründet, als ich 19 Jahre alt war."

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung