Freitag, 21. Februar 2020

Stadtplanung von Google, Siemens, Toyota, Ikea Wie Konzerne den Städtebau übernehmen

Vision von Sidewalk Labs für Toronto im Jahr 2050
Picture Plane for Heatherwick Studio for Sidewalk Labs
Vision von Sidewalk Labs für Toronto im Jahr 2050

Wer die Präsentationen von Sidewalk Labs sieht, erwartet eine freundliche Zukunft am Seeufer in Toronto. Beheizbare Wege sollen das Radeln auch im kanadischen Winter erlauben, Müllschlucker die Abfuhr auf den Straßen ersetzen und den Abfall auch gleich automatisch sortieren. Die Ampeln erfahren durch Sensoren, wenn sich Fußgänger nähern, und schalten für sie auf Grün. Erdgeschossläden in hölzernen Bauten dienen tags als Kita, nachmittags als Yogastudio und abends als Bar. Kurzum - alles ziemlich smart.

"Wie würde eine Stadt aussehen, wenn man sie in der Internet-Ära von Grund auf neu baute? Wenn man sie vom Internet aus baute?" So erklärt Sidewalk-Labs-Chef Dan Doctoroff das Motiv der Firma, die zum Google-Konzern Alphabet Börsen-Chart zeigen gehört. Mit Konzerngründer Larry Page teile Doctoroff - selbst früher Behördenleiter der Stadt New York und dann Chef des Finanzinformationsdienstes Bloomberg - die Vision von einer "Revolution des urbanen Lebens" dank neuer Technik. Die Firma hat sogar Software entwickelt, um die Stadtplanung selbst zu automatisieren.

Im März will die Stadt Toronto endgültig entscheiden, ob sie dieser Vision Raum auf ihren kostbaren Seegrundstücken einräumt. Die Ambition ist größer als Marketingwelten, wie sie Volkswagen mit der "Autostadt" in Wolfsburg aufgebaut hat. Sie übertrifft auch das Ringen zwischen Metropolen und Tech-Konzernen um die Mobilität der Zukunft. Es geht darum, dass Konzerne den Städtebau selbst in die Hand nehmen, nach ihren eigenen Regeln und Vorstellungen vom Zusammenleben.

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