Startup-Stories Diese Start-up-Chefs lehnten Milliarden-Offerten ab - und behielten Recht

Wollte sich nicht von Steve Jobs kaufen lassen - und hatte Erfolg damit: Dropbox-Gründer Drew Houston

Wollte sich nicht von Steve Jobs kaufen lassen - und hatte Erfolg damit: Dropbox-Gründer Drew Houston

Foto: AP

Als Dropbox-Gründer Drew Houston im Dezember 2008 zu seinem Idol fährt, kennt sein iPhone bereits den Weg: Apples Adresse ist serienmäßig eingespeichert. Steve Jobs habe warm gelächelt, als er Houston und seinem Partner Arash Ferdowsi eröffnet habe, er nehme ihren Markt ins Visier, erinnert sich der heutige Milliardär knapp zwei Jahre später im "Forbes"-Magazin . "Er sagte, wir seien ein Feature, kein Produkt." 800 Millionen Dollar soll Jobs geboten haben, um Dropbox zu übernehmen; Houston selbst bestätigt eine "neunstellige Summe" - die er abgelehnt habe.

Auch wenn Dropbox bislang noch keinen Milliarden-IPO hingelegt hat: Die selbstbewusste Ablehnung scheint sich gelohnt zu haben. Das Unternehmen, das Cloud-Dienste anbietet, wird nach verschiedenen Finanzierungsrunden aktuell mit zehn Milliarden Dollar bewertet. Natürlich warnen Kritiker vor derart hohe Bewertungen von Start-ups, die keinen oder nur geringe Gewinne machen. Auch kühlt der Tech-Hype in den USA zuletzt eher ab - doch trotzdem erscheint es wahrscheinlich, dass Dropbox (400 Millionen registrierte Nutzer im Juni) derzeit mehr wert ist als die von Jobs gebotenen 800 Millionen Dollar.

Auch andere Tech-Start-ups sind in den vergangenen Jahren gut damit gefahren, riesige Übernahmeofferten auszuschlagen - zuletzt etwa Whatsapp und Snapchat. Andere Unternehmen haben derweil den bestmöglichen Zeitpunkt für einen Verkauf oder aber einen vielversprechenden Zukauf verpasst und sind mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit versackt. Ein Überblick:

Twitter: Wir sind ein Milliarden-Unternehmen!

Twitter-Mitgründer Ev Williams: Drei Gründe für einen Verkauf, keiner davon zieht

Twitter-Mitgründer Ev Williams: Drei Gründe für einen Verkauf, keiner davon zieht

Foto: Str/ dpa

Im Jahr 2008 wollte Facebook Twitter übernehmen: Ev Williams und Biz Stone, zwei der Gründer des Kurznachrichtendienstes, hatten Mark Zuckerberg damals bereits 500 Millionen Dollar als möglichen Kaufpreis genannt. Schlussendlich kam der Deal allerdings nicht zustande. Die Gründe? Williams sagte die Übernahme vor allem wegen dreier Faktoren ab, schreibt zumindest Nick Bilton in seinem Buch "Hatching Twitter: A True Story of Money, Power, Friendship, and Betrayal." 

Bilton zitiert aus einer E-Mail, die Williams zu jener Zeit an das Twitter-Board geschrieben haben soll. In ihr legt er drei Gründe dar, aus denen man ein Unternehmen grundsätzlich verkaufen könne: Der Preis bilde gut genug den zukünftigen Wert des Unternehmens ab. Das Unternehmen sei durch einen Wettbewerber gefährdet. Oder man habe die Chance, für ein wahrhaft großartiges anderes Unternehmen zu arbeiten.

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Alle drei Faktoren seien im Falle Facebooks nicht gegeben. Williams etwa sei schon 2008 der Meinung gewesen, dass Twitter ein Milliarden-Unternehmen sei. Und auch wenn Twitter seit dem Frühjahr gut die Hälfte seines Börsenwerts verloren hat, liegt er damit nach wie vor richtig: Derzeit beträgt die Marktkapitalisierung noch 16,7 Milliarden Dollar.

Drei Milliarden Dollar von Facebook - und Spiegel sagt nein

"Es gibt nur wenige Leute, die die Chance haben, so ein Unternehmen aufzubauen" - deshalb hat Evan Spiegel Snapchat nicht verkauft

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Foto: Getty Images

Snapchat zählt bereits seit längerem zu den wertvollsten Start-ups der Welt. Seit Monaten wird über einen möglichen Börsengang des Start-ups spekuliert, dessen Wert das "Wall Street Journal" zuletzt auf 16 Milliarden Dollar taxiert hat. Zwar erscheint es durchaus möglich, dass das Unternehmen, mit dessen App zig Millionen Teenager in aller Welt Bilder und kurze Videos verschicken, diesen luftigen Wert an der Börse nicht ganz erreicht. Trotzdem dürften sich die Gründer um Evan Spiegel beglückwünschen, ihr Unternehmen nicht schon eher verkauft zu haben.

2013 hätten die drei bereits einen Riesenbatzen Geld einstreichen können: Facebook hatte damals laut "Wall Street Journal" drei Milliarden Dollar geboten. "Wie mit den meisten Silicon-Valley-Bewertungen sind drei Milliarden Dollar entweder eine absurde, eine aus der Luft gegriffene, eine stratospherische Zahl oder aber total sinnvoll, je nachdem, in welchen Kontext man es stellt", fasste "Forbes" den Rummel um diese Zahl trefflich zusammen. 

Die Gründer lehnten jedoch ab. Ihr Lohn: Spiegel gilt heute als einer der jüngsten Selfmade-Milliardäre der Welt - hätte er 3 Milliarden mit seinen Mitgründern Murphy und Brown sowie seinen frühen Investoren teilen müssen, hätte er das sicher nicht so schnell geschafft.

Zehn Milliarden Dollar abgelehnt - die Investoren freut´s!

Milliardär von Facebooks Gnaden: Whatsapp-Gründer Jan Koum

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Foto: REUTERS

Am Ende hat Facebook den Zuschlag bekommen: 19 Milliarden Dollar hat der Social-Media-Primus 2014 für den Messenger Whatsapp gezahlt. Laut "Fortune" war auch Google an dem Dienst interessiert - und hatte zuvor zehn Milliarden Dollar geboten .

Google selbst hat dies bestritten; vielmehr sei die Verkaufsidee von Whatsapp gekommen, sagte der heutige Google-Chef Sundar Pichai 2014, man sei aber nicht interessiert gewesen. Der Facebook-Whatsapp-Deal scheint Google trotzdem sauer aufzustoßen - so mokierte sich CBO Nikesh Arora prominent auf einer Konferenz darüber. Beobachter werteten dies als Hinweis, dass Google doch mehr an dem Messenger-Dienst gelegen habe.

Gelohnt hat sich der 19-Milliarden-Verkauf an Facebook übrigens nicht nur an Gründer und Neu-Milliardär Jan Koum, sondern auch für das Investment-Haus Sequoia Capital: Dieses habe laut "Fortune" etwa 60 Millionen Dollar in Whatsapp investiert - und am Ende zwischen 3,2 und 3,6 Milliarden Dollar eingestrichen.

Eine Milliarde Dollar für Facebook? Natürlich nicht!

Einer von Facebooks ersten Geldgebern: Peter Thiel, Parter des Founders Fund

Einer von Facebooks ersten Geldgebern: Peter Thiel, Parter des Founders Fund

Foto: ? Fred Prouser / Reuters/ REUTERS

Kaum ein (ehemaliges) Start-up hat wohl so viele potenzielle Käufer angezogen wie Facebook. Manche der kolportierten Übernahmeversuche erscheinen schier unglaublich (Mark Zuckerberg soll 2005 versucht haben, Facebook für 75 Millionen Dollar an Myspace zu verkaufen), andere sind von den Beteiligten ausführlich kommentiert worden - etwa die versuchte Übernahme durch Yahoo 2006.

2013 berichtete Facebook-Investor Peter Thiel über das damalige Milliardenangebot : Er habe eigentlich angenommen, dass die Sache geritzt sei und sie das Geld nehmen sollten, sagte Thiel auf der SXSW-Konferenz. "Aber Zuckerberg hat das Meeting ungefähr so begonnen: Das hier ist bloß eine Formalität, es sollte nicht länger als 10 Minuten dauern. Wir werden natürlich nicht verkaufen."

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Zuckerberg habe damals gar nicht gewusst, was er mit dem Geld anfangen solle, sagte Thiel weiter: "Ich würde wahrscheinlich bloß eine weitere Social-Networking-Seite gründen", habe er gesagt, "ich mag aber diejenige, die ich schon hab."

44,6 Milliarden Dollar für Yahoo

Wollte Yahoo bei Microsoft unterbringen: Aktivisten-Investor Carl Icahn

Wollte Yahoo bei Microsoft unterbringen: Aktivisten-Investor Carl Icahn

Foto: Getty Images

Wer Presseberichte über die gescheiterte Yahoo-Übernahme durch Microsoft liest, kann schon einmal mit der Zeit durcheinanderkommen - manche Sätze klingen verblüffend nach 2015: Yahoo stecke tief in der Krise, hieß es bereits 2008, es laufe nicht im Online-Werbemarkt. Und auch die Rettungsidee klingt vertraut: ein Verkauf des Unternehmens an einen Tech-Riesen.

Wie so oft, wenn es um riesige Summen und große Tech-Konzerne geht, ist damals Carl Icahn mit von der Partie : Der wohl aktivistischste Investor der jüngeren Vergangenheit hatte sich mit Yahoo-Aktien eingedeckt und drängte das Unternehmen nun an den Verhandlungstisch mit Microsoft. Am Ende eines dreimonatigen Ringens bleibt der große Deal jedoch aus, Microsoft wollte die von Yahoo geforderten 37 Dollar je Aktie nicht bezahlen.

Aus heutiger Sicht erscheint Yahoo damit zu gierig - derzeit ist das Unternehmen an der Börse für insgesamt gut 32,5 Milliarden Dollar zu haben.

Als Groupon das neue Amazon war

"Es fühlte sich an wie ein Schmetterling, der seinen Kokon verlässt" - Groupon-Gründer Andrew Mason über das Ende der Verhandlungen mit Google

"Es fühlte sich an wie ein Schmetterling, der seinen Kokon verlässt" - Groupon-Gründer Andrew Mason über das Ende der Verhandlungen mit Google

Foto: Anthony Bolante/ REUTERS
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Einhorn-Reiter: Diese Männer führen die teuersten Start-ups der Welt

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Im Herbst 2010 gilt das Coupon-Portal Groupon als das nächste große Ding im Internet, als kommendes Amazon 2. Die Rabatt-Gutscheine des Unternehmens öffnen das riesige Kundenpotenzial des Internets für lokale Einzelhändler - dieses Konzept treibt Groupon schnell zu einer Milliardenbewertung. Bald folgt das größte Angebot, das bis dahin einem Internet-Start-up vorgelegt worden ist: Google soll knapp sechs Milliarden Dollar geboten haben.

Eigentlich wäre es ein guter Deal: Neben der Riesensumme lockt die Tatsache, dass Google Neuerwerbungen wie zuvor Youtube relativ freie Hand lässt. Schlussendlich entscheidet sich Groupons Führungsriege um Gründer Andrew Mason allerdings gegen den Deal.

Weil die Umsätze explodieren, sind sie der Meinung, noch wesentlich größer werden zu können. Von Amazon 2 ist Groupon heute allerdings weit entfernt: Seit dem Börsengang im Oktober 2011 hat die Aktie fast 90 Prozent ihres Wertes verloren. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit unter 2 Milliarden Dollar.

Google für 750.000 Dollar? Nein, danke

Hätte 1999 für 750.000 Dollar Google kaufen können: der damalige Excite-Chef George Bell

Hätte 1999 für 750.000 Dollar Google kaufen können: der damalige Excite-Chef George Bell

Foto: REUTERS

"Im Nachhinein ist es ziemlich leicht, zurückzuschauen und "hätte, könnte, sollte" zu sagen", sagt George Bell auch im März 2015  über ein mehr als 15 Jahre zurückliegendes Geschäft. "Ich glaube, dass die Entscheidung, die wir damals getroffen haben, auf Grundlage dessen, was wir damals wussten, richtig war. Es ist natürlich lachhaft, das jetzt zu sagen."

Denn George Bell spricht über Google. Im Jahr 1999 hatte er als Chef des Internetportals Excite den heutigen Webgiganten kaufen können - für heute unvorstellbar winzige 750.000 Dollar. Zum aktuellen Kurs bekäme er dafür nicht einmal 1000 Aktien der neuen Holding Alphabet.

Warum Bell damals zurückgeschreckt ist? Er habe sich zugunsten der Kultur gegen die Chance entschieden, sagte er "CNBC": Larry Page habe damals die Excite-Suchtechnologie komplett abschaffen und durch den Google-Algorithmus ersetzen wollen. Das habe ihm widerstrebt.