Dienstag, 12. November 2019

Nach Zweifeln an 47-Milliarden-Dollar-Bewertung Großaktionär Softbank drängt WeWork zur Absage des Börsengangs

Das Verhalten von WeWork-Gründer Adam Neumann irritiert potentielle Investoren

Der japanische SoftBank-Konzern drängt einem Zeitungsbericht zufolge WeWork dazu, auf die aktuellen Börsenpläne zu verzichten. Der Großanteilseigner habe Bedenken hinsichtlich der Bewertung des US-Büro-Vermieters, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Eine Softbank-Sprecherin wollte sich zu dem Artikel nicht äußern.

Der Börsengang von WeWork jetzt im September sollte der größte in diesem Jahr nach Uber im Mai werden. Unmittelbar, bevor die Roadshow vor Investoren beginnen sollte, wachsen aber die Zweifel an der bisherigen 47-Milliarden-Bewertung. Am Wochenende war berichtet worden, dass WeWork mit Softbank über eine Kapitalspritze verhandeln würde. Ziel sei es, einen Aufschub des Börsengangs bis 2020 ermöglichen würde. Softbank hat bereits 10 Milliarden Dollar in WeWork investiert.


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Die Skepsis der Investoren rührt zum Einen daher, dass WeWork selbst eingeräumt hat, dass das Unternehmen "auf absehbare Zeit" nicht profitabel arbeiten werde, wenn es im bisherigen Tempo weiter wachse. Für Aufsehen hatte zuletzt zudem das Verhalten WeWork-Mitgründer und Firmenchef Adam Neumann gesorgt: Er hatte Investoren irritiert, weil er unmittelbar vor dem Börsengang Anteile seines Unternehmens im Wert von 700 Millionen Dollar verkauft haben soll. Er hatte sich zudem die Rechte an dem Wort "We" gesichert und sich von seinem eigenen Unternehmen für die Nutzung 5,9 Millionen Dollar auszahlen lassen. Angesichts der wachsenden Zweifel an der Corporate Governance des Unternehmens wurde dieser Deal aber in der vergangenen Woche rückabgewickelt.

Die konjunkturellen Aussichten haben sich eingetrübt

Für Softbank-Chef Masayoshi Son kommen die Turbulenzen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Er versucht derzeit Investitionen in seinen Fonds Vision 2 zu gewinnen - nur kurze Zeit, nachdem er mit seinem Investment in Uber 7,6 Milliarden Dollar verloren hat. Parallel wächst die Sorge, dass die USA in eine Rezession rutschen könnte, was die Chancen für Börsengänge auch in 2020 beeinflusst.


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WeWork vermietet nach eigenen Angaben in 111 Städten auf der ganzen Welt Büros an 527.000 Kunden. Das Wachstum von WeWork ist allerdings mit hohen Kosten verbunden, da die Immobilien sich in angesagten Lagen mit tendenziell steigenden Preisen befinden. Um dieses Wachstum zu finanzieren, möchte das Unternehmen an der Börse bis zu 3 Milliarden Dollar erlösen sowie weitere 6 Milliarden Dollar durch einen Kredit einnnehmen, der teils mit der Emission zusammenhängt.

WeWork hat laut den Unterlagen an die US-Börsenaufsicht SEC in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bei Umsätzen von 1,54 Milliarden Dollar einen Nettoverlust von 690 Millionen Dollar (rund 617 Millionen Euro) eingefahren. Damit setzte sich die Verlustserie des Unternehmens fort. Für das vergangene Jahr war ein Verlust von 1,9 Milliarden Dollar bekannt geworden, bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar.

jl mit rtr

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