Montag, 18. November 2019

Das verborgene Immobilienimperium des Coworking-Start-ups WeWorks milliardenschwerer Masterplan

2. Teil: Warum WeWork schon lange nicht mehr (nur) auf Start-ups setzt

WeWork-Niederlassung in Berlin: Es sind längst nicht mehr nur Start-ups, die sich bei WeWork einbuchen
Robert Rieger/WeWork
WeWork-Niederlassung in Berlin: Es sind längst nicht mehr nur Start-ups, die sich bei WeWork einbuchen

Als Vermieter von Büroräumen - zudem einer mit kurzen Mietzeiten - ist WeWork als Coworking-Anbieter anfällig für Konjunkturflauten. Gerade kleine Startups, auf die WeWork zu Beginn setzte, haben teils sehr begrenzte Mietdauern. Gingen sie reihenweise pleite, hätten die New Yoker kurzfristig mit massivem Leerstand zu kämpfen. Ein Schicksal, wie es auch den WeWork-Konkurrenten Regus beim Zerplatzen der Dot.com-Blase ereilte.

Doch so groß, wie viele annehmen ist, ist WeWorks Abhängigkeit von den kleinen Startups längst nicht mehr. Der Coworking-Anbieter hat seinen Fokus von kleinen Start-ups mit kurzfristig kündbaren Mietverhältnissen auf größere Unternehmen mit deutlich längeren Mietlaufzeiten verlegt. Mittlerweile liege die Mietdauer eines durchschnittlichen Kunden bei sieben bis acht Monaten, schrieb kürzlich die "New York Times" unter Berufung auf Informationen des Unternehmens. Bei jüngeren Mietern liege sie sogar bei 20 Monaten.

Waren es anfangs vor allem Innovationsabteilungen, für die Konzerne sich in die schicken Coworkingspaces einbuchten, um ihren Mitarbeitern ein kreatives und attraktives Umfeld zu schaffen, haben sich laut WeWork mittlerweile 25 Prozent der Fortune 500 Konzerne auf eine oder andere Weise bei dem Start-up eingebucht. Satte 30 Prozent aller rund 268.000 Mitglieder sind demnach schon jetzt Mitarbeiter von Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern.

Und auf die setzt das Unternehmen auch seinen Fokus. Für das IT-Unternehmen IBM betreibt WeWork im Greenwich Willage in New York ein ganzes Gebäude, in Berlin ist es Berichten zufolge für die Niederlassung von AirBnB verantwortlich. Und auch Amazon baut bei seinem Standort in Boston offenbar komplet auf die Dienste von WeWork. Die Niederlassung in Mountain View, Silicon Valley, soll mittlerweile Facebook komplett angemietet haben.

Sein Geschäftsmodell diversifiziert das Startup aus New York, das sich selbstbewusst den "einzigen globalen Player" auf seinem Gebiet nennt, ebenfalls schon länger. Es will Netzwerkeffekte nutzen und sich immer mehr zu einem integrierten Immobilienkonzern entwickeln, der alles bietet: Vom Bau über die Vermittlung von Immobilien bis hin zum Betrieb und sogar Servicedienstleistungen außerhalb der Arbeitswelt.

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