Donnerstag, 18. Juli 2019

Telekommunikation Die Ex-Monopolisten schlagen zurück

Telefonica, Deutsche Telekom, Telecom Italia: Großreinemachen bei Europas Telekom-Riesen
AFP

Die Telekommunikationsbranche gehört zu den am meisten gebeutelten Sektoren des vergangenen Jahrzehnts. Rückenwind aus Brüssel könnte der Deutschen Telekom, Telefonica und Co. zu einem Comeback verhelfen und den Markt in Europa neu ordnen - zum Nachteil der Kunden.

Hamburg - Wird René Obermann etwa amtsmüde? Bei jeder Gelegenheit hackte der Chef der Deutschen Telekom auf der staatlichen Regulierung herum. Sein Konzern werde "ausgequetscht wie eine Zitrone", ließ er die Öffentlichkeit noch im vergangenen Jahr wissen. Und heute? Mitte Mai sprach Obermann auf seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandvorsitzender plötzlich von "Entwicklungen, die Mut machen".

Hinter der rhetorischen 180-Grad-Wende Obermanns steckt die Hoffnung auf einen fundamentalen politischen Wandel im europäischen Telekommunikationsmarkt. Jahrelang lautete die Devise aus Brüssel: Wettbewerb, Wettbewerb, Wettbewerb. Monopole wie die der Deutschen Bundespost, der France Telekom oder der Telefonica in Spanien wurden in den 90er Jahren zerschlagen. Auf Geheiß der Aufsichtsbehörden durften Billiganbieter die teuren Netze der Platzhirsche nutzen und ihnen so Millionen von Kunden abjagen. Die Preise für Telefon und Internet rutschten in den Keller, Europa gilt heute als eine der billigsten Regionen weltweit.

Was die Kunden freut, schmerzt die Großkonzerne. Die Liberalisierung des Marktes brachte nach Auffassung vieler Konzernchefs das Geschäftsmodell der ehemaligen Monopolisten an den Rand des Abgrunds. "Die Regulierungsbehörden haben in den vergangenen Jahren in erheblichem Umfang Profite von den Telekommunikationsunternehmen weggeschnitten", sagt Axel Freyberg, Partner der Unternehmensberatung A.T. Kearney.

Schwindelerregende Schuldenberge

Zusätzlich kämpfen sie mit der Konjunkturkrise in Südeuropa. Umsätze und Gewinne brachen ein und mit ihnen die Aktienkurse der einstigen Börsenlieblinge. Zugleich stiegen die Schuldenberge der Telekoms in schwindelerregende Höhen. Harte Sparprogramme und Verkäufe von Unternehmensbeteiligungen sind die Folge.

Mit den Verzweiflungstaten soll es bald vorbei sein. "Beim Abbau von Schulden haben die Telekoms - besonders Telefonica - zuletzt deutliche Fortschritte gemacht", sagt Markus Friebel, Analyst bei Independent Research. Die Krise ist zwar längst nicht ausgestanden, aber vieles deutet daraufhin, dass die Talsohle durchschritten ist. So versprach Telekom-Chef Obermann auf der Hauptversammlung Wachstum für das kommende Jahr. Rückenwind für die ehemaligen Monopolisten kommt dabei ausgerechnet aus Brüssel.

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