Donnerstag, 17. Oktober 2019

Telekommunikation Die Ex-Monopolisten schlagen zurück

Telefonica, Deutsche Telekom, Telecom Italia: Großreinemachen bei Europas Telekom-Riesen
AFP

3. Teil: Der Kunde hat das Nachsehen

Als ein Beispiel für die Unterstützung durch die Regulierer gelten die Gebühren auf der sogenannten letzten Meile. Zum ersten Mal überhaupt darf die Deutsche Telekom für den Zugang zu ihren Datenleitungen mehr Geld verlangen. Auch der geplante Einsatz der Vectoring-Technologie schließt Wettbewerber der Telekom aus, erhöht aber die Zugangsgeschwindigkeit der Kunden, was die EU bislang toleriert.

Die Wettbewerbshüter könnten mit ihrer Offensive eine Kettenreaktion in Gang bringen und damit den gesamten Telekommunikationsmarkt neu ordnen. "Die ehemaligen Monopolisten werden als Gewinner aus der Konsolidierung in Europa hervorgehen", sagt Independent-Research-Analyst Friebel. Mit Milliardenübernahmen rechnet der Marktbeobachter in diesem Jahr zwar noch nicht, kleinere Fusionen und Kooperationen stünden bei vielen Konzernen aber bereits auf der Agenda.

Amerikanische Verhältnisse in Europa

Im Endeffekt könnten amerikanische Verhältnisse in Europa entstehen. In den USA beherrschen gerade einmal vier Konzerne den gesamten Markt, der von der Fläche und Kundenzahl durchaus mit der EU vergleichbar ist. "Der Trend im Mobilfunk zu nicht mehr als drei Anbietern und im Festnetz oftmals zu maximal ein bis zwei Anbieter neben dem Netzbetreiber und dem Kabelnetzbetreiber ist bereits in vielen europäischen Ländern sichtbar", sagt A.T.Kearney-Experte Freyberg.

Als Verlierer aus dem Verdrängungswettbewerb könnten nicht nur die kleineren Telekoms hervorgehen, sondern auch die Endkunden. "Mittelfristig wird die Auswahl der Kunden eingeschränkt. Unter Umständen ist auch mit Preiserhöhungen zu rechnen", sagt Telekommunikationsexperte Gerpott. Es gebe keinen Grund, den USA nachzueifern. "Durch die wenigen Anbieter sind die Preise dort höher und die Marktangebote schlechter."

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