Samstag, 19. Oktober 2019

Telekommunikation Die Ex-Monopolisten schlagen zurück

Telefonica, Deutsche Telekom, Telecom Italia: Großreinemachen bei Europas Telekom-Riesen
AFP

2. Teil: Rückfall in die alten Monopolzeiten

Bereits seit 2010 setzt EU-Kommissarin Neelie Kroes auf die "Digitale Agenda". Das Ziel: Bis zum Jahr 2020 soll jeder Haushalt in der EU mit mindestens 30 Megabits pro Sekunden surfen können. Das ist etwa doppelt so schnell wie herkömmliche Anschlüsse. Die Hälfte der Haushalte soll sogar über Highspeed-Zugänge mit mehr als 100 Megabits pro Sekunde verfügen. Dafür sind jedoch Milliardeninvestitionen in den Ausbau der Glasfasernetze nötig.

Fällt Europa weiter zurück, sieht Kroes den IT-Sektor akut in Gefahr. Wird das Ziel erreicht, rechnet die EU-Kommission dagegen mit einem BIP-Plus von 5 Prozent bis 2020. Langfristig sollen 3,8 Millionen neue Jobs geschaffen werden. "Die EU hat erkannt, dass die Verfügbarkeit von Breitbandinternet ein echter Wirtschaftsfaktor für Europa ist", sagt Telekommunikationsexperte Freyberg.

Unterstützung von ganz oben

Bei der Infrastruktur setzt Kroes vor allem auf die Netzbetreiber - also die Ex-Monopolisten. Der europäische Markt mit seinen rund 1200 Festnetz- und 100 Mobilfunkbetreibern ist ihr ohnehin "zu fragmentiert".

Es ist der Beginn einer fundamentalen Wende. "Jahrelang hat die EU ehemalige Monopolisten und deren Wettbewerber gleich behandelt", sagt Torsten Gerpott, Professor für Unternehmens- und Technologieplanung an der Universität Duisburg-Essen und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Bundesnetzagentur. "Nun wird das Neutralitätsgebot zugunsten der Ex-Monopolisten aufgeweicht".

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