Facebooks Konkurrenten Wer Zuckerberg auf den Fersen ist

Zuckerberg auf den Fersen - in Berlin sind es am 25. Februar allerdings nur seine Bodyguards

Zuckerberg auf den Fersen - in Berlin sind es am 25. Februar allerdings nur seine Bodyguards

Foto: Paul Zinken/ dpa
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Mark Zuckerbergs PR-Besuch in Deutschland: King Zuck in Berlin - die Maschine läuft

Foto: DPA

Manch ein Berliner dürfte am Donnerstagmorgen kurz gezuckt haben - ihnen joggte einer der reichsten Männer der Welt entgegen. In gewohnt grauem T-Shirt und kurzer Hose lief Mark Zuckerberg durchs Regierungsviertel - er ist für einen zweitägigen PR-Besuch in der Hauptstadt.

Wie es sich für den Chef eines Weltkonzerns gehört, war Zuckerberg nicht alleine unterwegs, eine Handvoll Bodyguards spurtete ihm hinterher. Das Bild taugt als Metapher: Denn auch geschäftlich muss sich Zuckerberg bemühen, in einer ganzen Reihe von Rennen das Tempo hochzuhalten. Wir zeigen, mit welchen Konkurrenten sich Facebook  an welchen Fronten herumschlägt.

Werbung: Google und AppNexus

Bunte Google-Welt im kanadischen Technik-Hauptquartier des Konzerns

Bunte Google-Welt im kanadischen Technik-Hauptquartier des Konzerns

Foto: © Peter Power / Reuters/ REUTERS

Vom einstigen Sorgenkind haben sich mobile Werbeanzeigen zu Facebooks bestem Pferd im Stall entwickelt: 80 Prozent des Umsatzes entfiel im vierten Quartal 2015 auf Anzeigen auf Tablets und Smartphones. Insgesamt kam das Netzwerk zwischen Oktober und Dezember auf einen Werbeumsatz von 5,6 Milliarden Dollar, 57 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2014. Im Gesamtjahr 2015 hat Facebook insgesamt knapp 18 Milliarden Dollar umgesetzt und netto 3,69 Milliarden Dollar verdient.

Google (Kurswerte anzeigen), der zweite amerikanische Internet-Werbe-Gigant, hat im Jahr 2015 mit seinen Website-Geschäften etwas weniger Umsatz gemacht als Facebook (14,9 Milliarden Dollar) - ein starker Treiber war auch hier neben dem Video-Portal Youtube der mobile Bereich.

Mit den beiden Riesen konkurriert das 2007 gegründete Unternehmen AppNexus, das als größter unabhängiger Ad-Tech-Anbieter der Welt gilt. Wie Google und Facebook bietet auch AppNexus potenziellen Werbern eine Plattform an, um Anzeigen zu planen, auszuspielen und zu verfolgen. Aktuell arbeitet das Unternehmen laut mehrerer Berichte an einem Börsengang. Bislang hat es 288 Millionen Dollar an Investorengeldern eingesammelt und ist damit 1,2 Milliarden Dollar wert - Welten entfernt von Facebooks (305 Milliarden Dollar) oder Googles (479 Milliarden Dollar) Marktkapitalisierung.

Video: YouTube - und Buzzfeed?

Liebling von Facebooks Video-Gemeinde: Buzzfeed-Chef Jonah Peretti

Liebling von Facebooks Video-Gemeinde: Buzzfeed-Chef Jonah Peretti

Foto: Bodo Marks/ dpa

Was zählt als "Video View"? Diese Frage bestimmt die Diskussion um die Video-Reichweiten von Facebook und Youtube.

Acht Milliarden "Views" hatte Zuckerbergs Unternehmen im Oktober 2015 als tägliche Ausbeute verkündet - Kritikern ist dieses "View" allerdings zu weich, weil es schon als View zählt, wenn ein Video automatisch startet und drei Sekunden lang nicht weggeklickt wird.

Mittlerweile hat Facebook umgesattelt - und Ende Januar bekanntgegeben, dass seine Nutzer täglich 100 Millionen Stunden an Videos schauten. Youtube hat schon länger keine solche Zahl mehr veröffentlicht; "Business Insider"  nimmt auf Grundlage alter Zahlen und angenommener Wachstumsraten jedoch an, dass die Google-Tochter auf bis zu 650 Millionen Stunden Video-Nutzung pro Tag komme.

Anfang 2016 ist nun ein weiterer Wettbewerber im Videomarkt hinzugekommen: das Viral-Portal Buzzfeed. Am 23. Februar hat das Unternehmen eine eigene Video-App herausgebracht - und so zumindest auf den ersten Blick Abstand von seiner bisherigen Strategie genommen, einzigartige Inhalte für ganz unterschiedliche Kanäle zu schaffen. Laut eigenen Angaben kam Buzzfeed zuletzt auf 3 Milliarden Video-Views - allerdings pro Monat.

Junge Leute: Snapchat?

Gehören zu den jüngsten Selfmade-Milliardären der Welt: die Snapchat-Gründer Evan Spiegel (links) und Bobby Murphy

Gehören zu den jüngsten Selfmade-Milliardären der Welt: die Snapchat-Gründer Evan Spiegel (links) und Bobby Murphy

Foto: REUTERS

Die neue App muss nicht zwangsläufig einen Abschied von der Strategie darstellen, auf jedem Kanal (und damit auch auf Facebook) eine möglichst hohe Reichweite der eigenen Videos zu erreichen. Sollte sich der Fokus allerdings auf die eigene App verlagern, würde Facebook einen prominenten Video-Lieferanten verlieren - so gut wie die Hälfte der Buzzfeed-Video-Views stammt von Youtube.  Hat Facebook ein Image-Problem? Zumindest unter Jugendlichen gilt das Netzwerk mittlerweile nicht mehr als sonderlich cool - in einer Umfrage des Marktforschers Forrester  erhielt das Netzwerk von nur 65 Prozent der befragten US-Teenager eine 4 oder 5 auf einer fünfstufigen Coolness-Skala. Snapchat oder Youtube kamen hingegen auf Werte von 79 beziehungsweise 80 Prozent.

Allerdings habe Facebook - noch - kein wirkliches Problem damit, schreibt t3n  im Dezember in einem Kommentar: Denn trotz des vermeintlich biederen Images seien auch die allermeisten junge Leute immer noch regelmäßig auf Facebook unterwegs: "Wenn Snapchat, Instagram und Co. also so etwas wie die kleinen hippen Burgerbuden in der Stadt sind, dann ist Facebook wohl so etwas wie der hässliche McDonalds am Hauptbahnhof." 

Messenger: WeChat

Herr über WeChat: Tencent-Chef Ma Huateng

Herr über WeChat: Tencent-Chef Ma Huateng

Foto: BOBBY YIP/ REUTERS

Zunächst belächelt, gilt die WhatsApp-Übernahme durch Facebook mittlerweile als stilbildend: Die auch nach dem 19-Milliarden-Dollar-Kauf weitgehend autark geführte App hilft der Mutter mobil enorm weiter - und ist nebenbei auch allein ungemein beliebt: Im Februar 2016 konnte WhatsApp seinen milliardsten Nutzer willkommen heißen.

Im Gegensatz zur Facebook-Tochter, die fast ausschließlich als Nachrichtendienst genutzt wird, ist der chinesische Konkurrent WeChat der "renaissance man" unter den sozialen Netzwerken: Seine zuletzt 650 Millionen User nutzen die Tencent-App etwa für Spiele, Shopping und sogar für Geldgeschenke und Bank-Dienstleistungen.

Für viele Chinesen sei die App "das Zentrum ihrer gesamten Online-Aktivität", hielt das "Wall Street Journal" im Januar fest . Mehr als 200 Millionen Chinesen hatten ihre Konten im dritten Quartal 2015 bereits mit WeChat verbunden.

"Es gibt keine andere Technologie, die im Silicon Valley stärker auseinandergenommen und diskutiert wird", zitiert das "WSJ" Jenny Lee vom Investor GGV Capital. Laut Analysten werde es allerdings nicht einfach für Facebook und andere, WeChats Erfolge im Finanzbereich zu kopieren - auch wenn WhatsApp nach wie vor der größte Messengerdienst der Welt sei.

Emerging Markets: WeChat und Jana

Handy-Nutzerin in Kenia: Mobil statt am Desktop online

Handy-Nutzerin in Kenia: Mobil statt am Desktop online

Foto: epa Stephen Morrison/ picture-alliance/ dpa

Die Situation erinnert ein wenig an Yahoo und Alibaba: Naspers, das größte afrikanische Medienunternehmen, habe im Jahr 2001 für 32 Millionen Dollar gut 45 Prozent am damaligen Startup und heutigen Weltkonzern Tencent gekauft, schreibt die "Huffington Post" in einer Analyse des afrikanischen Social-Media-Marktes . Nach wie vor hält das Unternehmen immer noch 34 Prozent - deren Wert von etwa 54 Milliarden Dollar fast 95 Prozent von Naspers Börsenwert ausmachten.

Auch weil die Chinesen durch diese Kooperation bereits einen Fuß in der Tür hätten, glaubt die "HuffPo", dass WeChat zur einzigen App werde, die afrikanische Internetnutzer brauchten. Schon heute sei sie auf fünf Millionen südafrikanischen Smartphones vertreten. Zudem habe das Management auf dem Heimatmarkt Erfahrungen damit gesammelt, in einem sich entwickelnden Markt Erfolge zu erzielen, in dem das Smartphone für viele Menschen der erste und einzige Zugang zum Internet sei.

Der kleine Konkurrent aus Boston

"Forbes" hat derweil ein anderes Unternehmen als "Facebooks größten Konkurrenten in Emerging Markets"  identifiziert: das Bostoner Startup Jana. Das Unternehmen habe in der Vergangenheit Unternehmen wie Twitter , Amazon  und Google dabei geholfen, in Indien, Indonesien oder Brasilien Fuß zu fassen, in dem es dortigen Kunden ermöglicht habe, Apps kostenlos herunterzuladen und zu testen - die Unternehmen, deren Apps promotet würden, übernähmen die Kosten.

"Der Grundgedanke ist es, Leuten zu ermöglichen, Apps risikolos so lange zu nutzen, bis sie sagen können, ob sie ihr Leben bereichern oder nicht", zitiert "Forbes" Jana-Chef Nathan Eagle. Bislang habe dieser Ansatz Erfolg: Auch nach kostenlosen Probezeiten blieben die Kunden dran.