Websummit in Lissabon Wie Lissabon Berlin den Rang ablaufen will

Web Summit 2016 in Lissabon: Mehr als 53.000 Menschen sind zum Tech-Happening angereist

Web Summit 2016 in Lissabon: Mehr als 53.000 Menschen sind zum Tech-Happening angereist

Foto: manager magazin online

Es ist, als ob eine Stadt der Größe Passaus auf den Beinen ist. Zehntausende vor allem junge Leute stehen am Montag vor der Messe in Lissabon. Sie warten geduldig darauf, in die große silberne Messehalle am Ufer des Tejo-Flusses eingelassen zu werden. Zur Eröffnung der Tech-Konferenz Websummit.

Letztlich werden es nur 15.000 Menschen in die Halle schaffen. Der Stimmung draußen tut das kaum Abbruch. Auf einer riesigen Leinwand können die Draußen-Gebliebenen das Geschehen in der Halle mitverfolgen. Eine Option, die nicht wenige ergreifen. Die Wartenden, darunter Start-up-Unternehmer aus Ländern wie der Ukraine, Malawi, Finnland, Portugal und Schweden netzwerken, tauschen Kontaktdaten aus oder genießen einfach die entspannte Stimmung. Schließlich ist der Abend lau. Die Lichter der Seilbahn und vom anderen Ufer leuchten bunt herüber. Und bis die Party in den Bars und Clubs Lissabons weitergeht, ist es noch eine Weile.

53.000 Teilnehmer aus 170 Ländern

Mit klassischen, teuren Tech-Konferenzen, auf denen sich Investoren und Startup-Community im elitären Kreis treffen und Kontakte pflegen, hat der Websummit in Lissabon nicht mehr viel zu tun. Und auch von den bescheidenen Anfängen mit einst 400 Teilnehmern ist nicht mehr viel zu spüren. Mehr als 53.000 Teilnehmer aus fast 170 Ländern sind in diesem Jahr in die portugiesische Hauptstadt gepilgert, um zu dort zu netzwerken, ihre Start-ups zu präsentieren, Investoren zu treffen oder sich einfach über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Und das, wie es eine Teilnehmerin aus der Schweiz zusammenfasst "zu einem echten Schnäppchenpreis" im Vergleich zu anderen Konferenzen.

Es ist ein regelrechtes Tech-Happening, das hier stattfindet - statt im Schlamm allerdings mit portugiesischer Sonne und einem gewissen Grad an Chaos.

Vor sieben Jahren, als der damals Mitte-20-Jährige Websummit-CEO Paddy Cosgrave die Veranstaltung 2009 mit einigen Kollegen gründete, war das noch ganz anders. Damals kamen gerade einmal rund 400 Leute - darunter vor allem Tech-Blogger und lokale Tech-Unternehmer an den Veranstaltungsort in der Nähe von Dublin..

Dann nahm die Konferenz Fahrt auf. 2011 kam bereits Twitter-Gründer Jack Dorsey. Auch der umstrittene Star-Investor Peter Thiel, Tesla-Chef Elon Musk und Uber-Chef Travis Kalanick schauten bereits vorbei. Dass am Rande der Konferenz in einem Pub der Legende nach letztlich das Goldman Sachs Investment bei Uber in die Wege geleitet worden sein soll, befeuert die Legende weiter.

Das Dilemma der Größe

Das Dilemma der Größe

Ob solche Geschäfte angesichts der schieren Größe der Veranstaltung auch heute noch stattfinden, ist äußerst fraglich. Auch wenn Startups die Möglichkeit haben, sich auf der Messe Hilfe von erfahrenen Mentoren zu holen und ihre Ideen vor Investoren "pitchen" können. Ein Schicksal, das andere - auch deutsche - Konferenzen teilen, die vielen Investoren mittlerweile zu groß und damit zum Teil zu ineffektiv geworden sind.

Dafür reflektiert der Websummit, wie weit die Digitalisierung mittlerweile in die Gesellschaft und auch in die traditionelle Wirtschaft vorgedrungen ist. Geben sich doch neben Unternehmensbossen wie Renault-Nissan-CEO Carlos Ghosn auch Sportler wie Ronaldinho oder Luis Figo in Lissabon die Klinke in die Hand. Eine Phänomen, das auch bei anderen Konferenzen, zuletzt etwa bei der Noah in Berlin, zu beobachten war, wo Vertreter von Dax-Konzernen reihenweise die Nähe zur Tech-Community suchten.

Die größten Hoffnungen dürfte neben der Vielzahl an Startup-Unternehmern Lissabon mit dem Gipfel verbinden - und nicht nur deshalb weil die rund 53.000 Besucher des Mega-Events Schätzungen zufolge rund 200 Millionen Euro in der Stadt lassen dürften.

Lissabon hat deutlich größeren Ehrgeiz, der auch in Berlin aufmerksam beobachtet werden dürfte.

Die noch immer von den Folgen der Finanz- und Eurokrise gezeichnete Stadt hofft darauf, künftig eine der Startup-Hauptstädte Europas werden zu können - eine Hoffnung, der die britische Zeitung "The Guardian" für gar nicht so abwegig hält .

Und tatsächlich hat die portugiesische Hauptstadt einiges, das für die internationale Tech-Elite durchaus interessant sein könnte - niedrige Mieten, eine lebendige, junge Kultur, günstige Lebenshaltungskosten und eine hohe Lebensqualität mit Sonne und Meer in naher Entfernung.

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