Dell kauft EMC für 67 Milliarden Dollar Was Dell mit Dell vorhat

Michael Dell: Der Gründer des Computerherstellers

Michael Dell: Der Gründer des Computerherstellers

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Wenn Michael Dell etwas für richtig hält, macht ihm in Sachen Durchhaltevermögen keiner etwas vor. Bewiesen hat der 50-Jährige Tech-Milliardär das bereits bei der Privatisierungsschlacht um Dell, für die er sich über Monate heftige Kämpfe mit Aktivisteninvestoren lieferte. Und letztlich siegte: Ende 2013 nahm er den von ihm gegründeten Computerhersteller mit Hilfe des Investors Silver Lake von der Börse. Ein mit rund 18 Milliarden Euro ziemlich großes und gewagtes Unterfangen.

Nun beweist einer der erfolgreichsten Studienabbrecher der Tech-Branche erneut, dass er keine Angst vor großen Zahlen hat. Ziel diesmal: Der Speicher-Spezialisten EMC. Insgesamt 67 Milliarden Dollar will Dell und sein auch diesmal beteiligter Partner Silver Lake für EMC zahlen. Bestehend aus 24,05 Dollar in bar pro Aktie. Plus einem Papier, das den Wert der zu EMC gehörenden Software-Firma VMware widerspiegeln soll. Insgesamt liegt der Wert pro EMC-Anteil damit laut Dell bei 33,15 Dollar.

Über den Deal war bereits seit Tagen spekuliert worden. Sollte er durchgehen, wäre es die teuerste Übernahme, die die Technologiebranche je gesehen hat. Dell und seine Partner sollen nach Abschluss der Übernahme 70 Prozent an EMC halten. Michael Dell soll das gemeinsame Unternehmen führen.

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EMC ist ein echtes Schwergewicht im Speichergeschäft, das es dem in den 80er-Jahren aus einer Studentenbude heraus gegründeten Computerbauer ermöglichen soll, künftig auf Augenhöhe mit Industriegrößen wie Hewlett-Packard  oder Cisco  zu konkurrieren.

Für Dell würde der Zukauf, dem die EMC-Aktionäre allerdings noch zustimmen müssen, eine massive Stärkung seines Geschäftes mit Firmenkunden bedeuten. Schließlich könnte er ihnen durch die breitere Aufstellung gleich diverse Lösungen aus einer Hand anbieten.

Was macht Elliott?

Auch wenn es der nach Lenovo und HP drittgrößte Computerhersteller seit seinem Rückzug von der Börse geschafft hat, anders als viele andere Wettbewerber seine Verkäufe in einem schrumpfenden Markt stabil zu halten und damit sogar Marktanteil gut zu machen. Der Druck in der Branche ist enorm.

Abzuwarten bleibt daher, was mit der EMC-Beteiligung VMWare geschieht. An ihr hält EMC rund 80 Prozent. Eine Beteiligung, die mehr als die Hälfte der aktuellen Bewertung von EMC ausmacht. Der Aktivisteninvestor Elliott, der ebenfalls mit rund 2 Prozent an EMC beteiligt ist, hatte der Vergangenheit massiv auf eine Aufspaltung EMCs gedrungen.

Steht der erste IPO kurz bevor?

Entsprechend wird in der Branche über die mögliche neue Aufstellung Dells diskutiert. Und über einen potenziellen Spinoff von VMware, der womöglich auch Elliott zum Schweigen bringen könnte. Um die EMC-Aktionäre ruhig zu stellen, sollte laut Reuters in den Kaufvereinbarungen auch eine Klausel verankert werden, die es EMC erlauben soll, andere Angebote einzuholen.

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Dass mit der Übernahme auf Dauer ein einziger einheitlicher Giganto-Konzern entstehen wird, ist indes wenig wahrscheinlich.

Dell gilt als Fan des so genannten Föderationsmodells, wie es EMC aktuell anwendet. Neben VMware agieren dabei Unternehmen wie Pivotal oder RSA Security eigenständig unter dem EMC-Dach.

Eine Konstruktion, der, wenn auch abgewandelt offenbar ebenso Partner Silver Lake etwas abgewinnen kann. So dachte Dell-Board-Mitglied Egon Durban von Dells Finanzpartner Silverlake in einem "Fortune"-Interview erst kürzlich laut über den möglichen Spinn-off einzelner Unternehmensteile nach.

Namentlich nannte er dabei SecureWorks, ein Sicherheitsdienstleister, den Dell 2011 für 612 Millionen Dollar übernommen hatte. Sowie den Cloud-Dienstleister Boomi. Allerdings sollte die Verbindung mit dem "Mutterschiff" erhalten bleiben, betonte er.

Startschuss für einen IT-Kosmos?

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" haben die Vorbereitungen für einen Börsengang von Secure Works bereits begonnen . Womöglich soll das Unternehmen, das laut "WSJ" mit bis zu zwei Milliarden Dollar bewertet wird, noch Ende des Jahres an die Börse gehen. Dell selbst, dessen Unternehmen Analysten zufolge noch immer mit 12 Milliarden Dollar verschuldet ist, wolle seine Anteile an Secure Works allerdings behalten.

Dass Dell längst weiß, wie der neue Konzern künftig aussehen und agieren soll, davon ist bei dem 50-Jährige auszugehen. Schließlich, betonte er erst vor einigen Monaten wieder in einem Interview, denke er als Unternehmer und CEO seines eigenen Unternehmens langfristig - nämlich in "einer Lebenspanne und darüber hinaus".

mit Material von dpa-afx
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