Sonntag, 18. August 2019

Kryptowährung, Shopping, Verschlüsselung Wie Facebook sich neu erfinden will

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei einem Auftritt in Paris
Gérard Julien/AFP
Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei einem Auftritt in Paris

2. Teil: Zuckerberg auf "Wohnzimmermission"

Um auch künftig am Puls der Nutzer zu sein und deren Bedürfnisse zu bedienen, will Zuckerberg nun offenbar umschwenken. Er glaube, dass "die Zukunft der Kommunikation sich zunehmend hin zu privaten, verschlüsselten Diensten verschieben" werde, verkündete der Facebook-Chef unlängst. Zu Orten "an denen die Leute darauf vertrauen können, dass das, was sie zueinander sagen, sicher ist und Inhalte nicht ewig verfügbar bleiben."

Genau das, das "digitale Äquivalent eines Wohnzimmers", wie Zuckerberg es ausdrückte, will der Tech-Konzern seinen Kunden künftig liefern - zusätzlich zum "öffentlichen Marktplatz".

Verschlüsselung

Dazu will Facebook nach Zuckerbergs Worten bis 2020 sämtliche Messenger-Dienste - von Whatsapp über Instagram bis hin zu Facebook - End-zu-End verschlüsseln. Zudem erwägt er, die Inhalte der Messenger vergänglicher zu gestalten, wie Snapchat es schon vor Jahren erfolgreich vorgemacht hat. Das bringt allerdings das Problem mit sich, dass sich in solch privaten Gruppen weniger gut Werbung vertreiben lässt - aktuell die Haupteinnahmequelle des sozialen Netzwerkes.

Shopping

Aber auch dafür hat Zuckerberg eine Lösung: Statt mit Werbung könnte das soziale Netzwerk einen Anteil seines Umsatzes mit Umsatzbeteiligungen erzielen. Wie das funktionieren könnte, zeigte die aktuell boomende Facebook-Tochter Instagram. Auf der App können sich US-Kunden seit kurzen nicht mehr nur noch inspirieren lassen, sondern auch shoppen. Sehen sie ein Produkt, das ihnen gefällt, müssen sie die App nicht mehr verlassen, sondern können Produkte von Marken wie Adidas, H&M, Zara, Nike, Prada, Dior oder Burberry direkt in den Einkaufswagen legen. Und Facebook hält die Hand auf. Hinzu kommen Möglichkeiten wie Livestream-Shopping, mit denen Facebook bereits experimentiert - und das gerade bei jungen Kunden auf großes Interesse stößt.

Bezahldienste & Kryptowährung

Inspirationsgetriebenes Shopping ist nicht die einzige Art und Weise, auf die Facebook künftig Geld verdienen könnte. So hat Zuckerberg seinen früheren Messenging-Chef und Paypal-Präsidenten David Marcus bereits im vergangenen Jahr auf das Thema Blockchain angesetzt. Er soll, wie es in US-Medien heißt, für Facebook offenbar eine so genannte "Stablecoin" entwickeln, eine an eine Währung wie den Dollar gekoppelte Kryptowährung. Die Bindung an eine existierende Währung würde das Cybergeld für Spekulationen deutlich unattraktiver machen als etwa Bitcoin. Nutzer weltweit könnten sie aber dennoch halten und nutzen, um grenzüberschreitend Dienstleistungen und Waren zu bezahlen.

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