Hacker attackieren Sony Das Kim-perium schlägt zurück

Die Hollywood-Stars James Franco und Seth Rogen wollen Kim Jong Un ermorden - jedenfalls im Film. Kurz vor dem Kinostart fliegt dem verantwortlichen Studio Sony Pictures sein Computernetzwerk um die Ohren. Steckt Nordkorea dahinter?
Mit Burgern gegen Kim Jong Un: James Franco als TV-Journalist mit Mordabsichten in "The Interview"

Mit Burgern gegen Kim Jong Un: James Franco als TV-Journalist mit Mordabsichten in "The Interview"

Foto: Youtube / Sony Pictures Entertainment

Hamburg - Ausgerechnet Nordkorea.

In den Augen der westlichen Welt gehört das abgeriegelte Land zu den rückständigsten Regionen der Erde. Bizarrer Führerkult und bittere Armut prägen den Eindruck, der von den sporadischen Fotoreportagen übrig bleibt, die es über die Grenzen schaffen.

Angesichts dessen lässt die Meldung besonders aufhorchen: Hinter dem großen Hackerangriff auf Sony Pictures, der das Computernetzwerk des Hollywoodstudios vor gut einer Woche lahmgelegt hat, soll Nordkorea stecken. Das berichtet das "Wall Street Journal"  unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Personen.

Der Hintergrund: Im Jahr 2013 hatten Hacker südkoreanische Fernsehsender und Bankautomaten lahmgelegt; Seoul hatte damals seine nördlichen Nachbarn für den Angriff verantwortlich gemacht. Nun sollen die Sony-Hacker ganz ähnliche Computertools verwendet haben. Vor diesen neuen Enthüllungen hatte bereits das Technikportal "re:code" spekuliert, dass chinesische Hacker in Nordkoreas Diensten hinter dem lahmgelegten Netzwerk stecken könnten.

IT-Experte: Nordkorea ist zu einem solchen Angriff in der Lage

Weshalb Nordkorea ein Hollywood-Studio attackieren könnte? Sony Pictures will am 25. Dezember "The Interview" in den USA veröffentlichen, einen Film, in dem zwei TV-Journalisten versuchen, Kim Jong Un zu ermorden. Nach der Ankündigung des Streifens mit James Franco und Seth Rogen hatte Pjöngjang bereits im Juni mitgeteilt, man halte den Film für "völlig unverhüllten Terrorismus und eine Kriegshandlung". Ein Sprecher hatte damals eine "starke und erbarmungslose Gegenmaßnahme" angekündigt. Diese könnte nun erfolgt sein.

Dass das Land trotz seines rückständigen Images zu einer solchen Aktion fähig sein könnte, bezweifeln IT-Experten nicht: "Sie haben auf jeden Fall die Fähigkeiten, solch zerstörerische Attacken aufzuziehen, wie wir sie nun gesehen haben", sagte etwa IT-Sicherheitsexperte James Lewis vom Center for Strategic and International Studies dem "Journal" - das Center berät unter anderem das Weiße Haus. Sofern Nordkorea tatsächlich hinter dem Angriff stecke, markiere er aber wohl die obere Grenze des nordkoreanischen Hack-Repertoires.

Sony Pictures kehrt zur Normalität zurück

Während mittlerweile auch das FBI in dem Fall ermittelt, gehen die Arbeiten bei Sony Pictures laut "Journal" wieder ihren gewohnten Gang. In der vergangenen Woche hätten die Angestellten dort auf ihren Smartphones und mit privaten E-Mail-Adressen arbeiten müssen; mittlerweile liefen zumindest Telefone und Mailserver wieder - wenn auch nur in bestimmten Gebäuden für die Sicherheit der Kommunikation gebürgt werden könne.

Weiterhin unklar ist, ob auch die neuste Hacker-Attacke auf Sony das Werk der Angreifer der vergangenen Woche ist: Jüngst hatten Cyberkriminelle fünf Sony-Pictures-Filme ins Internet gestellt - vier davon waren bislang noch nicht im Kino zu sehen. Seitens Sony hieß es am Montag, man vermute einen Zusammenhang zwischen den beiden Angriffen. Konkrete Hinweise darauf gebe es allerdings noch nicht.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.