Billigpreissegment im Visier Warum Apple gebrauchte iPhones verkaufen will und Indien das verbietet

Für viele Inder nicht erschwinglich: Daher versucht Apple, den diesen vielversprechenden Wachstumsmarkt mit generalüberholten, gebrauchten iPhones zu erschließen. Doch Indiens Regierung funkt dazwischen

Für viele Inder nicht erschwinglich: Daher versucht Apple, den diesen vielversprechenden Wachstumsmarkt mit generalüberholten, gebrauchten iPhones zu erschließen. Doch Indiens Regierung funkt dazwischen

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Auch wenn der Hype um Apple-Smartphones abflaut, wie der erste Verkaufsrückgang seit Einführung des Apple-Mobiltelefons jetzt gezeigt hat, auf dem Gebrauchtmarkt sind iPhones immer noch sehr begehrt. Dafür sprechen auch die überdurchschnittlich hohen Verkaufspreise im Vergleich zu anderen Herstellern.

Das scheint auch Apple selbst zu wissen und plant, generalüberholte iPhones in Indien gebraucht zu verkaufen. Damit würde Apple zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits stieße der Konzern in das auf dem Subkontinent sehr populäre Niedrigpreissegment vor. Andererseits würde Apple zugleich seine Hochpreisstrategie für neue Geräte schützen.

Zum Hintergrund: Apple verkauft in Indien zwar mehr als 40 Prozent aller Smartphones im Preissegment über 300 US-Dollar. Im Gesamtmarkt ist aber noch nicht einmal jedes 20. Mobiltelefon ein iPhone. Mit gebrauchten Smartphones würde Apple also seinen Marktanteil vermutlich deutlich erhöhen können.

Und Indiens Markt gilt längst noch nicht als gesättigt: 2015 besaßen lediglich rund 220 Millionen der etwa 1,3 Milliarden Menschen auf dem Subkontinent ein Smartphone. Noch immer werden mehr einfache Mobiltelefone als Smartphones verkauft. Kein Wunder also, dass Apple hier seine Chance mit gebrauchten, generalüberholten iPhones sucht.

Erst vergangene Woche hatte Firmenchef Tim Cook betont, wie wichtig Indien als Mobilfunkland sei: "Ich sehe Indien da, wo China vor sieben bis zehn Jahren stand. Ich glaube, dort liegen sehr große Chancen."

Indiens Regierung will offenbar heimische Billighersteller schützen

Doch die Regierung des vielversprechenden Wachstumsmarktes grätscht dazwischen. "Wir sind grundsätzlich gegen das Recyceln von gebrauchten Telefonen für den indischen Markt", zitiert die Deutsche Presseagentur einen Sprecher des Ministeriums für Telekommunikation, der auf entsprechende Richtlinien verweist. Erst im vergangenen Jahr hatte das indische Umweltministerium einen ähnlichen Antrag von Apple abgelehnt. Durch den Import der gebrauchten Geräte entstehe zu viel Elektroschrott, hieß es seinerzeit.

Beobachter sehen aber noch ein anderes Motiv für die abweisende Haltung der indischen Behörden - und das ist eher protektionistischer Natur.

So hatte im Februar dieses Jahres die junge indische Firma Ringing Bells in großen Zeitungsanzeigen angekündigt, Millionen Inder mit einem Billig-Smartphone versorgen zu wollen. Für umgerechnet 3,28 Euro wäre "Freedom 251"  vermutlich das weltweit günstigste Smartphone. Es soll mit dem Google-Betriebssystem Android und einem vier Zoll großen Display sowie zwei Kameras ausgestattet sein.

Initiativen der indischen Regierung wie "Make in India" und "Digital India" unterstützen die Markteinführung. Wie hoch die Zuschüsse sind, ist unklar. Es solle aber keine Vertragsbindung an einen Mobilfunkanbieter geben, hieß es Ende Februar.

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