Montag, 18. November 2019

Vernetztes Leben Warum 2014 das bisher beste Jahr für das "Internet der Dinge" ist

Vernetzter Haushalt: Diese Wiege des US-Chipherstellers Intel nimmt die Vision sehr wörtlich.

Selbstfahrende Autos, intelligente Häuser, ein komplett vernetzter Alltag: Jahr für Jahr prophezeien Tech-Gurus den Durchbruch des "Internets der Dinge". Bislang blieb der immer aus - jetzt drehen sich erstmals die Fakten zugunsten der Apologeten.

Hamburg - Der neueste Hinweis kommt von Intel. Im abgelaufenen zweiten Quartal hat der Chiphersteller mehr als eine halbe Milliarde Dollar mit seiner "Internet of Things group" umgesetzt. Verglichen mit dem Gesamtumsatz von 13,8 Milliarden ist das zwar nur ein Sümmchen - interessant ist aber vielmehr die Wachstumsrate der Gruppe: 12 Prozent hat sie im Vergleich mit dem Quartal zuvor zugelegt, 24 Prozent zum zweiten Quartal 2013.

Intel stellt in seiner Internet-of-Things-Sparte Chips her, die Alltagsgegenstände vernetzen. In Fabriken sammeln sie an jedem Punkt der Produktionskette Daten und melden Fehler schnellstmöglich weiter. In Supermärkten lenken sie Kunden über deren Smartphones zu den neuesten Angeboten. Und im Alltag lassen sich mit ihnen Heizung oder Lampen von unterwegs aus steuern. Alles, so lautet die Vision des Internets der Dinge, ist irgendwann mit allem vernetzt.

Bislang ist diese Zukunftsvision primär bei eingefleischten Technikliebhabern Realität geworden. Derzeit mehren sich allerdings starke Hinweise, die tatsächlich auf eine massentaugliche Zukunft der Technologie deuten.

Allianzen wollen Standards setzen

Bereits Ende 2013 sind Tech-Unternehmen wie Microsoft, LG und Qualcomm mit der Linux Foundation eine Kooperation zur Entwicklung neuer vernetzter Plattformen eingegangen. Weitere IT-Hochkaräter haben erst vor kurzem zwei weitere Allianzen zu diesem Zweck gegründet: Samsung, Intel und Dell bilden nun das "Open Interconnect Consortium" (OIC), mit ARM und Nest baut Samsung zusätzlich die "Thread Group" auf.

Die Gruppen entwickeln einheitliche Standards für eine bislang noch stark fragmentierte Branche. Beobachter werten ihre Gründung deshalb nicht nur als Zeugnis des wachsenden Interesses der Industrie an der Vision der vernetzten Welt, sondern auch als wichtigen Impuls für den Durchbruch des Internets der Dinge.

Schon zu Beginn des Jahres hatten Experten rosige Zeiten ausgemacht. Chiphersteller wie Intel, Qualcomm und Texas Instruments hatten zuvor neue günstige Chips für den vernetzten Alltag auf den Markt gebracht. Das Debüt sei keiner neuen revolutionären Technologie geschuldet, schrieb Tech-Kolumnist Christopher Mims Ende 2013 dazu, sondern einfach das Ergebnis des steigenden Engagements großer Konzerne.

Google lässt Autos autonom fahren

Vor allem Intel setzt stark auf die Entwicklung der Grundlagen der neuen Technologien. Der Konzern aus Santa Clara leidet unter der Abkehr der Kunden von Desktop-PCs hin zu mobilen Endgeräten. Aber auch die großen US-Smartphonekonzerne Apple und Google prägen den Trend. Apples neuestes Betriebssystem iOS 8 ist explizit auf die Interaktion mit automatisierten Wohnhäusern ausgerichtet. Es passt damit zur Vision des "smart home", eines intelligent vernetzten Hauses, in dem die Bewohner von außen etwa Licht und Wärme steuern können.

Google hat für 3,2 Milliarden Dollar den Thermostat-Hersteller Nest gekauft. Zudem betreibt der Konzern seit längerem ein Entwicklungsprogramm für selbstfahrende Autos - vernetzte Kraftfahrzeuge sind ein weiteres wichtiges Feld im Internet der Dinge. Mit dem ehemaligen Ford-Chef Alan Mulally hat sich der Konzern jetzt zusätzliche Automobilkompetenz in den Verwaltungsrat geholt.

Vorerst bleiben Hürden

Trotz dieser positiven Signale hat die Branche weiterhin mit Problemen zu kämpfen: Als Knackpunkt gilt etwa die Sicherheit der übertragenden Datennetze. Auch die Verwaltung der Daten und der Stromverbrauch ständig sendender Geräte werfen Fragen auf. Zudem sind die Märkte trotz aufkommender Kooperationen nach wie vor fragmentiert, Produkte noch häufig Spielereien für Technik-Liebhaber.

Entsprechend müssen sich die Firmen auch strategisch neu aufstellen. Smartthings, ein Hersteller für Gerätschaften im smart home, versucht dabei, Kunden mit bereits bekannten, technologisch aufgebesserten Systemen wie vernetzten Überwachungsanlagen zu ködern: "Wenn wir ein bestehendes Problem im Leben unserer Kunden für ein paar hundert Dollar lösen, machen wir es ihnen leicht, auch andere Anwendungen aus dem Internet der Dinge für sich zu entdecken", sagt Smartthings-Chef Alex Hawkinson.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung