Vivendi verkauft SFR Milliardenfusion krempelt Frankreichs Mobilfunkmarkt um

Eine milliardenschwere Übernahme krempelt Frankreichs hart umkämpften Mobilfunkmarkt um. Vivendi verkauft seine Tochter SFR an den Kabelnetz- und Telekomkonzern Altice und erhält dafür umgerechnet 17 Milliarden Euro. Verlierer ist Bouygues.
Vivendi-Zentrale Paris: Der Medienkonzern verkauft seine Mobilfunktochter. Er will will die Telekombranche wegen der Rabattschlacht so schnell wie möglich verlassen

Vivendi-Zentrale Paris: Der Medienkonzern verkauft seine Mobilfunktochter. Er will will die Telekombranche wegen der Rabattschlacht so schnell wie möglich verlassen

Foto: ERIC PIERMONT/ AFP

Paris - Der heiß begehrte französische Mobilfunkanbieter SFR geht an den Kabelkonzern Numericable. Das teilte der SFR-Eigentümer, der französische Medienkonzern Vivendi, am Wochenende mit.

Damit endet eine monatelange Übernahmeschlacht. Das Nachsehen hat der kleinere SFR-Rivale Bouygues , der eigentlich mehr Bargeld auf den Tisch gelegt hatte. Am Ende entschieden aber andere Kriterien, etwa die Zusicherung zum Erhalt von Arbeitsplätzen.

SFR ist der zweitgrößte französische Mobilfunker. Bouygues, die Nummer drei, hätte zusammen mit SFR Marktführer Orange  überholen können. Der Markt ist seit zwei Jahren durch einen harten Preiskampf gekennzeichnet, seitdem der Billig-Anbieter Iliad Druck auf die etablierten Firmen macht. Nun bekommt aber Numericable den Zuschlag für SFR.

Deal erinnert an Übernahme von Kabel Deutschland

Der Deal erinnert damit an die Übernahme von Kabel Deutschland (Kurswerte anzeigen) durch den britischen Mobilfunk-Riesen Vodafone . Auch hier ging es um die Verbindung von TV-, Internet- und Mobilfunk-Diensten.

Vivendi  bekommt im Zuge der Transaktion zunächst 13,5 Milliarden Euro in bar plus eine 20-prozentige Beteiligung an der neuen Gesellschaft. Sollte der Deal ein Erfolg werden, fließen weitere 750 Millionen Euro.

Der Medienkonzern Vivendi teilte am Samstag mit, der Aufsichtsrat habe sich einstimmig für das Numericable-Gebot ausgesprochen. Dieses besteche durch seine Geschäftslogik, das Versprechen zum Erhalt von Arbeitsplätzen sowie die besseren Chancen, grünes Licht von den Regulierungsbehörden zu bekommen. Es sei das ausgewogenere Angebot gewesen.

Beim Kampf der Milliardäre obsiegte Patrick Drahi

Hinter Numericable steht der milliardenschwere französisch-israelische Geschäftsmann Patrick Drahi. Er hat sich gegen den ebenfalls überaus reichen Martin Bouygues durchgesetzt, dessen Familie den gleichnamigen Mischkonzern samt Mobilfunksparte kontrolliert.

Bouygues war der Favorit der französischen Regierung. Er wollte durch die Fusion die Billig-Konkurrenz abhängen. Bouygues hatte zuletzt 15 Milliarden Euro in bar sowie eine 10-prozentige Beteiligung an der neuen Gesellschaft geboten. Beide Rivalen hatten mehrfach ihre Offerten aufgestockt.

Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg sagte, die Regierung in Paris werde genau darauf achten, dass es nicht doch zu einem Stellenabbau komme. Dies wird befürchtet, weil der Preiskampf selbst Marktführer Orange zusetzt.

Vivendi will die Telekombranche wegen der Rabattschlacht so schnell wie möglich verlassen, um sich stärker auf das Mediengeschäft zu konzentrieren. SFR war einst sehr erfolgreich. Seit 2011 hat sich der operative Gewinn aber auf zuletzt noch 1,07 Milliarden Euro halbiert. Trotzdem stand der Mobilfunker damit noch für mehr als die Hälfte des Vivendi-Gewinns im vergangenen Jahr.

Numericable kann nach der Übernahme Festnetz, Internet und Mobilfunk aus einer Hand anbieten. An der neuen Gesellschaft wird Drahis Firma Altice 60 Prozent halten, Vivendi 20 Prozent. Der Rest ist frei handelbar an der Börse. Vivendi darf seine Beteiligung mindestens ein Jahr nicht verkaufen.

rei/rtr
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