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Das nächste Kapitel eines Internetpioniers: Das Auf und Ab von AOL

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Verizon kauft AOL Springer soll an AOLs "Huffington Post" interessiert sein

Von mm-newsdesk

Ein Kapitel Internet-Geschichte geht zu Ende: Der US-Mobilfunkriese Verizon  schluckt den Online-Dino AOL. Der Kaufpreis liegt bei rund 4,4 Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro), wie die Unternehmen am Dienstag mitteilten. Mit 50 Dollar pro Aktie in bar zahlt Verizon einen Aufschlag von 23 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen drei Monate.

Zu AOL gehört auch die Online-Zeitung "Huffington Post", die einem Bericht des US-Techblogs "Recode" zufolge mit einer Milliarde Dollar bewertet wird. AOL soll parallel zu den Verhandlungen mit Verizon auch mit mehreren Interessenten über einen möglichen Verkauf der "Huffington Post" gesprochen haben, darunter der Axel-Springer-Verlag ("Bild", "Welt"). Springer sei der ernsthafteste Interessent gewesen, berichtete "Recode" unter Berufung auf zahlreiche ungenannte Quellen . Von einem Verkauf verspreche sich AOL Wachstumschancen für die Seite. Es sei aber auch ein Joint Venture möglich.

Der Axel-Springer-Verlag wollte auf Nachfrage des manager magazins Marktgerüchte nicht kommentieren. AOL-Chef Tim Armstrong dementierte den Bericht. Allerdings war seiner Wortwahl zu entnehmen, dass Beteiligungen an der "Huffington Post" möglich seien. Er sagte, AOL werde immer "ein Eigner" der Onlinepublikation bleiben, auch Verizon sei "ein Eigner" der "Huffington Post". Für Partnerschaften sei er offen. Für die deutschsprachige Ausgabe der Website hatte AOL 2013 eine Partnerschaft mit Hubert Burda Media geschlossen.

Der AOL-Verkauf selbst kam bei Anlegern gut an. Die Aktie von AOL  kletterte um rund 18 Prozent. Der Deal, zudem auch AOL-Schulden von etwa 300 Millionen Dollar gehören, soll über Eigen- und Fremdkapital finanziert werden.

AOL hatte zu seiner Blütezeit als Internet-Provider allein über 30 Millionen Abonnenten. Im Jahr 2000 fusionierte AOL im dem Medienkonzern Time Warner . Faktisch übernahm AOL das Traditionsunternehmen getragen vom Höhenflug des eigenen Aktienpreises für mehr als 160 Milliarden Dollar. Auf dem Höhepunkt der Internet-Blase wurde der Zusammenschluss zu AOL Time Warner als zukunftsweisende Verbindung alter und neuer Medien gefeiert.

Doch der Deal brachte nie den erhofften Effekt und wurde später als gigantischer Fehler bezeichnet. AOL wurde 2009 wieder als einzelnes Unternehmen abgespalten und versuchte seitdem, mit wechselndem Erfolg, Geld mit Online-Werbung zu verdienen. Zugleich sind immer noch rund zwei Millionen Amerikaner als Kunden im Zugangsgeschäft registriert. AOL ist inzwischen an dem Internet-Portal Huffington Post beteiligt und betreibt etliche Blogs.

Bertelsmann profitierte zeitweilig erheblich

In Deutschland wurde AOL vielen Internetnutzern 1999/2000 durch TV-Werbespots mit dem früheren Tennisstar Boris Becker bekannt ("Bin ich schon drin?"). Der Medienkonzern Bertelsmann profitierte eine Zeit lang erheblich von einer Zusammenarbeit mit AOL. Der damalige Bertelsmann-Vorstand Thomas Middelhoff bewegte den Konzern dazu, früh in AOL zu investieren. Mit dem äußerst lukrativen Deal im Rücken stieg Middelhoff zum Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG auf. 1995 ging AOL Europe mit der Bertelsmann AG das Joint Venture AOL Deutschland ein, das drei Jahre später bereits wieder beendet wurde.

Der US-Mobilfunkriese Verizon unterstreicht jetzt mit dem Zukauf seine Ambitionen im mobilen Video- und Werbegeschäft, für das AOL eine Plattform bietet. Die Übernahme soll im Sommer nach Zustimmung der Regulierer abgeschlossen werden.

Im ersten Quartal legte der AOL-Umsatz im Jahresvergleich um 7 Prozent auf 625 Millionen Dollar zu. Der Nettogewinn sank hingegen um ein Viertel auf nur sieben Millionen Dollar. Die Erlöse im Werbegeschäft legten dabei um 12 Prozent zu. Der bisherige AOL-Chef Tim Armstrong soll das Geschäft der Firma auch nach der Übernahme weiterführen. "Es gibt für uns keinen besseren Partner auf dem weiteren Weg als Verizon", sagte Armstrong dem TV-Sender CNBC.

Zuletzt war Yahoo wiederholt von seinem Großaktionär Starboard Value zu einer Fusion mit AOL gedrängt worden, um aus der Krise zu kommen. Der Konzern ist gegenüber den Rivalen Google und Facebook weit ins Hintertreffen geraten.

ts/rei/dpa/reuters
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