Nach Kritik an US-Wahl  Was Facebook jetzt tun muss

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Seit der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten ergießt sich ein regelrechter Shitstorm auf Facebook. Das soziale Netzwerk sei Mitschuld am Wahlausgang, befinden viele. Zum einen, weil sich die Nutzer darin in einer Art "Filterblase" befänden, in denen sie durch Algorithmen wieder und wieder nur ihre eigene Meinung wiedergegeben fänden.

Zum anderen wegen der vielen Falschmeldungen wie beispielsweise der vielzitierten über die angebliche Wahlunterstützung Trumps durch den Papst, durch die sich Trump-Wähler angeblich zusätzlich in ihrer Meinung bestärkt sahen.

Die Schuld einfach nur auf Facebook abzuladen, greift zu kurz. Schließlich ist das soziale Netzwerk nicht die einzige Plattform, die mit Falschmeldungen und sogenannten Filterblasen und bewusst lancierten "Fake News" zu kämpfen hat. Facebook steht nicht alleine. Auch Twitter und andere Soziale Netzwerke haben mit entsprechenden Problemen zu kämpfen.

Es ist schlicht eine Tatsache, dass sich im Internet eine Art Gegenöffentlichkeit gebildet hat. Dass Anhänger verschiedenster politischer Meinungen sich im Netz mit Gleichgesinnten austauschen und in ihrer Weltsicht gegenseitig bestätigen können, ohne mit klassischen Medien auch nur konfrontiert zu werden oder sich mit gegenteiligen Meinungen und Argumenten auseinandersetzen zu müssen.

Im Netz, im sogenannten "postfaktischen Zeitalter" zählt der Effekt, den eine Meldung beim eigenen Klientel erzielt, mehr als deren Wahrheitsgehalt. All dies ist aber nicht allein der Person Mark Zuckerberg anzulasten. Auch wenn er prächtig daran verdient, weil sich spektakuläre Fake-News in der Regel viel besser verbreiten als echte.

Anzulasten ist ihm allerdings, dass sein Unternehmen sich bislang als vollkommen unfähig erwiesen hat, auf die Herausforderungen, die diese neue Faktenlage mit sich bringt, angemessen zu reagieren.

Damit, Bedenken, dass Fake-News den Wahlausgang beeinflusst hätten, einfach als "verrückt" abzutun, ist es nicht getan.

Facebook wolle jedem eine Stimme geben , sagt Zuckerberg. Sein Unternehmen tut aber das Gegenteil: Bei PR-Veranstaltungen oder sogenannten Townhall-Meetings wird das Publikum genau ausgesiebt, Kritiker auf Abstand gehalten und ruhig gestellt. Und auch angesichts der grassierenden Probleme mit Hasspost und Mordaufrufen zeigt sich das Unternehmen bislang unfähig, angemessen darauf zu reagieren .

Facebook legt die Karten nicht auf den Tisch. Echte Transparenz: Fehlanzeige.

Wenn es darum geht, körperliche Blöße zu bedecken, ist der Konzern aber schnell dabei: Etwa bei der Zensur des ikonischen, pulitzer-preisgekrönten Fotos der vor einem Napalm-Angriff flüchtenden Kim Phuc  aus dem Vietnamkieg aus dem Newsfeed der norwegischen Tageszeitung "Aftenposten". Nicht nur, dass es Tage dauerte, bis Facebook nach einem öffentlichen Aufschrei undoffiziellen Protesten letztlich einknickte . Zwischenzeitlich wurden auch Kritiker an Facebooks Vorgehen einfach durch Sperrung im Netzwerk mundtot gemacht.

Dies seien "schwierige Entscheidungen" und Facebook mache mitunter Fehler, schrieb Facebook COO Sheryl Sandberg später als Entschuldigung an die norwegische Premierministerin Erna Solberg.

Ja, dies alles sind schwierige Entscheidungen und Ja, "die Wahrheit zu identifizieren ist schwer",  wie Zuckerberg zuletzt in einem Post als Reaktion auf aktuelle Kritiker schreibt. Es ist eine Gratwanderung zwischen der Eindämmung von Hassposts und der Ermöglichung freier Rede. Dass Facebook versucht, sich nicht von einzelnen Regierungen Vorschriften machen zu lassen, ist ebenso nachvollziehbar. So unterscheidet sich zum Beispiel die "Wahrheit" eines Recep Tayyip Erdoan massiv von der einer Angela Merkel.

Doch ist es damit nicht getan, künftig keine Werbung mehr auf Fake-News-Seiten auszuspielen , wie es Facebook nach einem entsprechenden Vorstoß Googles ankündigte. Und das nicht nur, weil diese Inhalteim Newsfeed auch weiter sichtbar sein werden.  

Facebook muss sich - auch wenn sich das Unternehmen mit Händen und Füßen wehrt, als Medienunternehmen angesehen zu werden - endlich seiner Verantwortung bewusst werden, die es alleine dadurch hat, dass sich jeden Monat rund 1,8 Milliarden Nutzer auf seinen Seiten tummeln, mit denen der Konzern Milliarden verdient.

Ein Blogeeintrag hier, eine minutiös choreografierte PR-Aktion oder ein wohlmeinender Brief da oder auch eine großzügige Spende für das selbstbestimmte Wohl der Menschheit reichen da nicht aus.

Dafür ist Facebook zu groß und weiß zuviel über die genauen Vorlieben und Nutzungsgewohnheiten seiner Nutzer.

Mit großer Macht kommt große Verantwortung.

Der muss sich Facebook stellen. Der Konzern muss endlich Transparenz schaffen  und einen echten, offenen Dialog über seine Politik eingehen - auch wenn das mit ökonomischen Nachteilen einhergeht.