Samstag, 20. Juli 2019

Lauschangriff aus USA US-Techindustrie droht Absatzeinbruch wegen Prism

NSA-Zentrale in Fort Meade: Die US-Geheimdienste haben ihrer exportstarker Tech-Industrie einen Bärendienst erwiesen

Auch in Asien schlägt die Spähattacke der US-Geheimdienste hohe Wellen. Jetzt wird überprüft, wie anfällig Firmen, Ministerien und Konsumenten gegen die US-Lauschangriffe sind. Den US-Internet- und Software-Riesen droht der Verlust wichtiger Aufträge.

Hamburg - Die Späh-Kampagne des amerikanischen Geheimdienstes NSA könnte für die Internet- und High Tech-Schmieden aus den USA gravierende Folgen haben. Bis nach Indien und Indonesien geben Zeitungen ihren Lesern Ratschläge, wie sie den Lauschangriffen der US-Firmen künftig entkommen können. "Wenn Sie Google Chrome benutzen, kappen Sie zuvor die Verbindung zu Ihrem Google-Konto", rät die Times of India. Das Blatt rät den Lesern zugleich, lieber RedPhone zu verwenden und nicht Skype. Mit dem Browser-Dienst "Hide my Ass" könne man zudem anonym im Web surfen und den Schlapphüten in Amerika angeblich ein Schnäppchen schlagen.

Auch in Deutschland werden Empfehlungen herum gereicht, wie Internet-Nutzer sich gegen die Spähangriffe über Google oder Yahoo wehren können. Doch die Wahrheit ist: Selbst Firmen und Behörden sind zutiefst verunsichert, nicht nur private Nutzer. Bei einer Konferenz der United Nations Economic and Social Commission for Asia vor wenigen Tagen in Bangkok gaben 20 von 33 teilnehmenden Delegationen aus Asien Gmail, Hotmail oder Yahoo als bevorzugte Email-Adresse an. Das offenbart eine enorme Verletzlichkeit gegen die flächendeckende Schnüffelei der US-Dienste.

Beim Daten- und Emailverkehr über die Server der amerikanischen Internetfirmen riskieren die Nutzer in Asien, dass die US-Regierung - und eventuell europäische Dienste - mitlesen. Und das hat in der ganzen Region große Besorgnis ausgelöst. "Mitarbeiter bei den Regierungen in Asien-Pazifik wollen bisher meist ihre Mails an Gmail oder Yahoo geschickt bekommen, weil ihre Dienst-Server oft große oder verschlüsselte Dateien ablehnen", erklärt der Sicherheitsberater und Chief Technology Officer Marek Bialoglowy bei ITSEC Asia in Jakarta.

"Manchmal haben wir Probleme, Mails mit Photos, Videos oder anderen großen Dateien zu verschicken und müssen daher öffentliche Mail-Konten benutzen", bestätigt Gatot S. Dewa Broto, der Sprecher des indonesischen Kommunikations-Ministeriums. Entschuldigend fügt er hinzu: "Ich nutze Gmail nur in Notfällen."

Prism-Checks stehen auf jedem Dienstplan

Selten geht es in Behörden zwischen Shanghai, Seoul und Saigon so strikt zu wie im Stadtstaat Singapur. Dort müssen Regierungsbeamte von speziell gesicherten Computern aus das Internet anwählen oder Mails verschicken. Doch allerorten wird nun die Nutzung amerikanischer Server und Internet-Dienste überprüft. Pingelige Prism-Checks stehen praktisch auf jedem Dienstplan.

Laut Japans Kabinetts-Sekretär Yoshihide Suga ist die Regierung in Tokio dabei, mit Blick auf die Schlapphut-Offensive in den USA die komplette Online-Sicherheit zu überprüfen.

Für die US Techfirmen könnte das erhebliche Probleme beim Absatz bedeuten, vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen. Was passiert mit verschlüsselter Kommunikation der Kunden, wenn der US-Lieferant die eigene Verschlüsselungstechnik der NSA weitergibt ? Sind Daten eines europäischen Mittelständlers in der "Cloud" eines US-Unternehmens noch sicher ?

Fragen, die sich Tausende von Firmen auf dieser Seite des Atlantiks nun stellen. Im Internet kursieren bereits Boykott-Aufrufe gegen Facebook Börsen-Chart zeigen , Microsoft Börsen-Chart zeigen , Google Börsen-Chart zeigen und Konsorten, auch im Blog des Harvard Business Review, in dem der Autor feststellt: "Die vergangenen Wochen haben die Beziehung zwischen der Europäischen Union und den USA grundlegend verändert."

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