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Knightscope: Wachroboter auf Patrouille

Foto: Knightscope

Digitale Security US-Firma will Wachleute durch Roboter ersetzen

Warten, aufpassen, im Dunkeln herumstehen: Der Job von Wachpersonal ist oft langweilig. Ein US-Unternehmen hat für solche Zwecke Roboter entwickelt. Das wäre billiger - aber funktioniert es auch?

In ländlichen Regionen der USA gibt es der Legende nach eine unter nächtlich-übermütigen und nicht an Tierschutz interessierten Jugendlichen verbreitete Freizeitbeschäftigung, die "cow tipping" genannt wird. Es geht dabei darum, ein auf der Weide stehendes Rind zu mehreren so zu schubsen, dass es auf die Seite fällt.

Statt dieser Form der Tierquälerei könnte sich auf dem Gelände amerikanischer Universitäten bald ein neuer Sport entwickeln, wenn die Pläne der Firma Knightscope wahr werden: robot tipping. Knightscope stellt Roboter her, die von der Form her an übergroße Zäpfchen erinnern und autonom Parkplätze, Firmen- oder eben Campusgelände bewachen sollen. Etwa 1,5 Meter hoch und 136 Kilogramm schwer sind die K5-Roboter.

Die Maschinen wirkten "sowohl niedlich aus auch einschüchternd", befand das US-Magazin "Technology Review". Eine Managerin von Knightscope sagte der Zeitschrift, die Maschinen könnten, "monotone und manchmal gefährliche Arbeiten" anstelle menschlicher Wachleute übernehmen. Knightscope will 6,25 Dollar pro Stunde berechnen - das ist weit weniger, als echtes Wachpersonal in den USA verdient.

"Ungünstig, ein Arbeiter mit gewöhnlichen Fähigkeiten zu sein"

Die Produktvorstellung kommt zu einer Zeit, in der das Thema Robotik im Alltag gerade eine neue Dynamik entwickelt. Das liegt einerseits an den gewaltigen technologischen Fortschritten, die sich auf diesem Gebiet vollziehen, andererseits aber an aktuellen Prognosen führender Wirtschaftswissenschaftler. Die MIT-Ökonomen Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson beispielsweise warnen in ihrem Buch "The Second Machine Age": "Es war nie ungünstiger, ein Arbeiter mit 'gewöhnlichen' Fertig- und Fähigkeiten zu sein, denn Computer, Roboter und andere digitale Technologien eignen sich diese Fertig- und Fähigkeiten mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit an."

Das alltägliche Wirken eines Wachmanns besteht im Zweifel überwiegend aus Tätigkeiten, die - zumindest theoretisch - tatsächlich auch von einer Maschine ausgeführt werden könnten: Präsenz zeigen, aufpassen, im Zweifel Verstärkung anfordern. Genau das sollen auch die Wachroboter von Knightscope tun. Sie sind mit vier hochauflösenden Kameras für Rundumsicht ausgestattet, außerdem mit Mikrofonen, Nummernschild-Scannern, GPS und Temperaturfühlern.

Weitere Geräte sollen ruhende und sich bewegende Objekte erfassen, etwa Infrarotsensoren, Radar und Lidar, eine Lasertechnik, die auch bei Googles selbstfahrenden Autos zum Einsatz kommt. All das ermögliche "vollständig Autonome Operation und selbsttätiges Aufladen", verspricht Knightscope. Eine Software soll ungewöhnliche Ereignisse identifizieren können.

Die Gehsteigkante als größte Gefahr

Im Endeffekt ist ein Knightscope-Roboter also eine Art fahrende High-Tech-Überwachungskamera, mit ähnlichen Grundprinzipien, wie man sie von Staubsaugerrobotern schon lange kennt. Stellt die Software der Maschine als ungewöhnlich eingestufte Ereignisse fest, alarmiert sie ihre menschlichen Kollegen. Die sollen dann entscheiden können, wie weiter zu verfahren ist. Etwa, wenn sich nachts in einem dunklen Gebäude plötzlich jemand bewegt.

Was aber, wenn der Roboter selbst zum Ziel von unbotmäßigem Verhalten wird? "Technology Review"  berichtet, wenn die Maschinen "belästigt" würden, täten sie ihren Unmut zunächst mit einem "zirpenden" Alarm kund und benachrichtigten gleichzeitig ihre Kommandozentrale. Als nächste Stufe stehe ein ohrenbetäubendes Warngeräusch zur Verfügung. Spätestens dann dürfte sich auch ein menschlicher Wachmann einschalten, sich durch die Kameras einen Überblick verschaffen und die Angreifer im Zweifel über Lautsprecher im Roboter zur Rede stellen.

All das dürfte allerdings wenig nutzen, wenn etwa maskierte Vandalen einem der rollenden Wachtürme auflauern und ihn einfach eine Bordsteinkante hinunterschubsen. Ganz ohne fremde Einwirkung wurde so eine Stufe einem Roboter zum Verhängnis, als die "Technology Review"-Reporterin eine Gruppe von Wachrobotern bei der Arbeit beobachtete. Vorerst also dürften die Jobs menschlichen Wachpersonals noch vor massenhafter Übernahme durch Maschinen sicher sein, zumindest dort, wo es Gehsteige gibt. Aber eben nur vorerst.

cis/Spiegel Online