Umstrittenes Startup Uber Eine Umsatz-Enthüllung zur rechten Zeit

In der Öffentlichkeit hat Uber ein massives Imageproblem. Investoren können allerdings gar nicht genug vom US-Fahrdienst bekommen. Sie interessieren sich nur für die Zahlen des Startups - und die sollen laut einer nun bekannt gewordenen Präsentation vielversprechend sein.
Von Andrea Rungg
Gefragter Mann: Uber-Gründer und Chef Travis Kalanick auf dem Podium der Internetkonferenz Techcrunch Disrupt in San Francisco

Gefragter Mann: Uber-Gründer und Chef Travis Kalanick auf dem Podium der Internetkonferenz Techcrunch Disrupt in San Francisco

Foto: Getty Images

Hamburg - Uber soll bereits im kommenden Jahr zwei Milliarden Dollar erlösen - knapp fünf Jahre nach der Gründung. Insgesamt soll das Startup im Taxigeschäft für einen Umsatz von zehn Milliarden Dollar verantwortlich sein. So schreibt es zumindest das US-Wirtschaftsportal "Businessinsider". Die zwei Milliarden Dollar für Uber würden sich daraus ergeben, weil es 20 Prozent des Umsatzes seiner Fahrer einziehe. "Businessinsider" verweist auf eine Präsentation, in die das Medium Einblick erhalten habe. Uber habe sich zu dem Bericht nicht äußern wollen.

Das US-Startup kämpft derzeit gegen ein gewaltiges Imageproblem. Zu Beginn der Woche berichtete das US-Onlinemedium "Buzzfeed", dass Top-Manager Emil Michael eine Schmutzkampagne gegen unliebsame Journalisten ins Gespräch gebracht hatte. Uber-Chef Travis Kalanick nannte die Äußerungen Michaels zwar "schrecklich", sein Vice-President musste aber trotzdem nicht zurücktreten.

Einen Tag später veröffentlichte "Buzzfeed", dass der Fahrdienst über eine eigene Software namens "God View" auch ungefragt das Bewegungsprofil von Journalisten ausspähte. Auch ein betroffener US-Unternehmer hatte sich bereits darüber beklagt. Weltweit kämpft Uber zudem gegen Behörden und Taxiunternehmer, die den Dienst in Teilen verbieten lassen wollen.

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Fahrdienst im Größenwahn: Wie Uber zum meistgehassten Startup wurde

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Uber verbindet Fahrer und Fahrgäste über eine Smartphone-App und präsentiert sich zum Teil als günstigere Alternative zu Taxis. Anders als herkömmliche Taxi-Betriebe umgeht Uber aber verschiedene Verpflichtungen. In Deutschland steht das Unternehmen beispielsweile in der Kritik, weil es für das Angebot Uber Pop von Fahrern keinen Personenbeförderungsschein verlangt.

Für Uber kommen die guten Nachrichten nun zur rechten Zeit. Bereits vor einer Woche hatte "Businessinsider" über das schnelle Wachstum des Startups berichtet. Dabei wurde unter anderem für das laufende Jahr ein Wachstum von 300 Prozent kolportiert. Auch für 2015 wird ein Plus auf diesem Niveau erwartet. Es ist unklar auf wen sich "Businessinsider" beruft.

Dass das Nachrichtenportal und Uber zuletzt den gleichen Investor für sich gewinnen konnten, das ist bei der Berichterstattung mindestens eine unglückliche Konstellation. Amazon-Chef Jeff Bezos ist mit einem privaten Investment sowohl an "Businessinsider" als auch am Fahrdienst beteiligt.

Uber betreibt Imagepflege

"Businessinsider" beruft sich in der aktuellen Geschichte auf eine 60 Seiten lange Präsentation, die für Anfang Januar dieses Jahres vorbereitet wurde. Die Zahlen darin würden sich allen voran auf Dezember 2013 beziehen. Dieser Monat ist in der Taxibranche einer der besten Monate, was es kaum möglich macht, die Erlöse auf das ganze Jahr zu projizieren.

Aus der Präsentation gehe hervor, dass Uber den höchsten Anteil der Erlöse in US-Großstädten erzielte. New York City sei mit 26 Millionen Dollar Umsatz Spitzenreiter gewesen, gefolgt von San Franzisco mit 17,7 Millionen Dollar. Auf Platz drei habe Los Angeles gelegen. Ob Uber insgesamt profitabel wirtschaftete, darüber ist nichts bekannt.

Uber expandiert derzeit weltweit und stößt dabei auf viele Widerstände. Die vielen juristischen Auseinandersetzungen dürften hohe Summen des eingesammelten Milliardenkapitals verschlingen. Uber hat von Investoren wie Google Ventures, Blackrock, Goldman Sachs und vielen renommierten Silicon Valley Risikokapitalgebern insgesamt 1,5 Milliarden Dollar erhalten. Über eine weitere geplante milliardenschwere Investition berichtete kürzlich die "Financial Times". Im Gespräch sei eine Milliarde Dollar, hieß es.

Nach dem PR-Gau in dieser Woche dürfte das Unternehmen weiteres Geld gut gebrauchen können. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Uber eine bekannte Datenschutzexpertin und ihr Unternehmen beauftragt hat, um die Mitarbeiter des Fahrdiensts für die Privatsphäre der Nutzer zu sensibilisieren. Gleichsam versuchte das Startup seine Fahrer zu beruhigen. Uber gab bekannt, es wolle Fahrern Gutscheine für Preisnachlässe in Autowerkstätten und Telekomanbietern schenken. Die Fahrer hatten sich im September bei Protesten über steigende Provisionen für Uber bei gleichzeitig sinkenden Fahrpreisen beklagt.

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