Dienstag, 16. Juli 2019

N26-Konkurrent aus London Fintech-Star Revolut unter Druck - Fehler bei der Geldwäschekontrolle?

Revolut-CEO Nikolay Storonsky

Es war eine Woche unter Feuer für das milliardenbewertete Londoner Fintech-Start-up Revolut: Vorwürfe über mangelnde Geldwäschekontrolle, der Abgang des Finanzchefs und ein Bericht über die fragwürdige Unternehmenskultur prasselten auf CEO Nikolay Storonsky (34) ein.

Das Banking-Unternehmen ist auch in Deutschland aktiv und der schärfste Konkurrent des Berliner Hoffnungsträgers N26, der erst Anfang Januar eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen US-Dollar verkündete.

Auch Storonsky kann mit imposanten Zahlen aufwarten: Revolut, das im April mit 1,7 Milliarden US-Dollar bewertet wurde, bekam bereits mehr als 330 Millionen US-Dollar von Kapitalgebern. Beteiligt sind Investoren wie Index Ventures oder Global Founders Capital, der Fonds von Rocket Internet aus Berlin unter der Leitung Oliver Samwers. Storonsky - ehemaliger Lehman- und Credit-Suisse-Trader - hat im Jahr 2015 damit begonnen, seine Smartphone-Bank für Millennials aufzubauen. Er stampfte eine Firma mit beliebtem Produkt, mehr als 800 Mitarbeitern und drei Millionen Kunden aus dem Boden.

Offenbar blieb das aber nicht ohne Probleme. Zwischen Juli und September im vergangenen Jahr soll Revolut sein System zur Geldwäscheüberwachung abgestellt haben, das verdächtige Transaktionen stoppen soll. Es habe zu viele falsche positive Ausschläge gegeben, berichtete "The Daily Telegraph" unter Berufung auf interne Unterlagen. Laut Bericht könnten tausende illegale Überweisungen in der Zeit unentdeckt geblieben sein. Auch habe das Unternehmen nicht die Finanzaufsicht "Financial Conduct Authority" (FCA) von dem Aussetzer unterrichtet.

Revolut-Chef Nikolay Storonsky schrieb dazu am Freitag in einem Blog-Post, man habe seine gesetzlichen oder regulatorischen Anforderungen stets erfüllt. "Wir haben alle Transaktionen, die in dieser Zeit abgewickelt wurden, einer gründlichen Überprüfung unterzogen, die bestätigte, dass es keine Verstöße gab." Daher habe Revolut auch keine formelle Meldung an die Behörde geschickt. Auf Anfrage von manager-magazin.de äußerte sich Revolut bisher nicht weiter dazu. Doch laut einem weiteren "Telegraph"-Bericht soll nun eine Untersuchung der FCA drohen.

"Get Shit Done"

Mitten in dem Tumult wurde bekannt, dass der Finanzchef des Unternehmens, Peter O'Higgins, das Fintech-Unternehmen bereits im Januar verlassen hat. Higgins war nach zwölf Jahren bei JP Morgan 2016 zu Revolut gestoßen. CEO Storonsky betonte in seinem Statement, die Personalie habe nichts mit Compliance-Fragen zu tun. "In Wirklichkeit hat sich Peter dazu entschieden, zurückzutreten, da er der Meinung ist, dass jemand mit globaler Erfahrung im Privatkundenbereich das Geschäft leiten sollte." Denn bei Revolut bereite man sich darauf vor, als lizenzierte Bank in mehreren Ländern vertreten zu sein.

Bei der Digitalbank gab es laut "Telegraph" in den vergangenen zwei Jahren mehrere Abgänge in der Compliance-Abteilung. So verließen der Chief Compliance Officer, zwei Chief Risk Officers sowie zwei Anti-Geldwäsche-Mitarbeiter das Start-up.

Entlassungen und Kündigungen scheinen bei dem jungen Unternehmen nicht außergewöhnlich zu sein. Nikolay Storonsky ist dafür bekannt, Druck auszuüben. Er selbst sagt von sich, von acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends im Büro zu sein. Wochenendarbeit ist Standard und das Gleiche erwartet er von seinen Angestellten. "Ich kann nicht verstehen, wie Work-Life-Balance dabei helfen soll, ein Start-up aufzubauen", so der Gründer vor einiger Zeit. Im Büro prangt der Slogan "Get Shit Done" an der Wand.


Lesen Sie auch: Das ist der Gründer hinter Deutschlands wertvollstem Fintech


Dem Motto lässt er Taten folgen: Seiner Belegschaft schrieb Storonsky vergangenen Frühling, dass Mitarbeiter, die weit hinter ihren Zielen zurückblieben, ohne weitere Diskussion gefeuert werden würden. Das Technologiemagazin "Wired" veröffentlichte vergangene Woche einen Screenshot der Nachricht. Laut dem Bericht sind die gesetzten Ziele oft kaum erreichbar.

Das Muster scheint bei Revolut bereits bei Bewerbern anzufangen. Laut der spanischen Website "Eldiario.es" und "Wired" hat das Fintech Bewerbern die Aufgabe gegeben, je 200 neue Kunden für Revolut in einer Woche zu gewinnen - unbezahlt. Nur dann konnten sie es womöglich in die nächste Runde schaffen. Die Praxis habe es Monate vorher auch in Griechenland gegeben, berichtet "Wired". Bekannt wurde sie nur, da sich eine der Bewerberinnen darüber beschwerte, dass ihre Situation ausgenutzt würde.

Revolut selbst hält sich bei dem Thema bedeckt: Das Vorgehen habe man sofort eingestellt, als man davon erfahren habe, so ein Sprecher zu "Wired". Fragen zum Ausmaß ließ Revolut unbeantwortet. Storonsky aber hat seine Einstellung in der Vergangenheit schon öfter kundgetan: Sein Unternehmen ziehe Mitarbeiter an, die wachsen wollen würden. Und "Wachstum geht immer durch Schmerz".

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung