Sonntag, 5. April 2020

Uber-Chef macht Kasse Kalanick verkauft 90 Prozent seiner Uber-Aktien

Travis Kalanick: Der frühere Uber-CEO kappt jetzt auch finanziell die Bande mit dem Fahrdienstvermittler

Der Gründer und frühere CEO des US-Fahrdienstvermittlers Uber, Travis Kalanick, kappt nach und nach die Verbindung zu seinem früheren Start-up. Wie die "Financial Times" und das "Wall Street Journal" unter Berufung auf SEC-Unterlagen berichten, hat der umstrittene Ex-CEO seit November, als die Haltefrist nach dem Uber-Börsengang endete, mehr als 90 Prozent seiner Anteile zu Geld gemacht - Aktien in einem Wert von mehr als 2,5 Milliarden Dollar.

Damit hielt Kalanick, der bislang noch im Board von Uber sitzt und der zum Zeitpunkt des Börsengangs im Mai noch 6 Prozent an Uber hielt, zuletzt gerade noch eine Beteiligung von 0,5 Prozent an dem Unternehmen. Ein Anteil, der an der Börse aktuell rund 250 Millionen Dollar wert ist.

Beobachter erwarten, dass Kalanick zumindest einen Teil des Geldes in seine neue Unternehmung City Storage Systems, bekannt unter dem Namen Cloud Kitchen, stecken wird. Das Unternehmen investiert weltweit in Immobilien und Großküchen, und verleast diese an Essenslieferdienste.

Seit Kalanick im Frühjahr 2018 Uber-Anteile im Wert von 1,4 Milliarden Euro an Softbank Börsen-Chart zeigen verkauft hatte, hat er den Berichten zufolge einen Großteil der kapitalintensiven Expansion seines neuen Start-ups selbst gestemmt. Auch der saudische Staatsfonds PIF soll Berichten zufolge mit 400 Millionen Dollar investiert sein.

Aktie weiter deutlich unter Ausgabepreis

Der Uber-Ausverkauf Kalanicks deutet nicht darauf hin, dass der Gründer, der den Fahrdienstvermittler 2017 nach mehreren Skandalen verlassen musste, viel Vertrauen in die neue Unternehmensführung um seinen Nachfolger Dara Khosrowshahi hat.

Und tatsächlich musste Uber in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe von Rückschlägen verkraften. So entzog die Stadt London Uber Ende November die Lizenz für die Stadt. Und auch in Deutschland erklärte das Landgericht Frankfurt vor einigen Tagen die aktuelle Fahrtvermittlungspraxis Ubers für unzulässig.

Auch an der Börse läuft es für den Fahrdienstvermittler aktuell alles andere als prächtig. Die Aktie dümpelt mehr als ein halbes Jahr nach dem Börsenstart mit rund 30 Dollar weiter deutlich unter dem einstigen Ausgabepreis von 45 Dollar herum. Um den Investoren positive Nachrichten zu bieten und die Verluste einzudämmen, erwägt Uber Berichten zufolge einen Verkauf seines indischen Essenliefergeschäftes.

Ex-Uber-Chef Travis Kalanick könnte das alles bald nicht mehr interessieren. Sollte er sich auch noch vom Rest seiner Anteile trennen, dürfte er im Mai seinen Platz im Uber-Board los sein.

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