Donnerstag, 22. August 2019

US-Fahrdienst Uber unter Sabotageverdacht

Uber-Fahrt: Das US-Startup verfolgt weltweit eine aggressive Expansionsstrategie und schreckt vor wenig zurück

Der US-Fahrdienst Uber ist erneut durch fragwürdige Geschäftspraktiken aufgefallen. Das Startup soll dem Rivalen Lyft Fahrer abwerben, quasi während der Fahrt. Manchmal muss auch ein iPhone als Lockmittel herhalten.

Hamburg - Über ist zum wiederholten Mal als skrupelloses Unternehmen aufgefallen. Dieses Mal sind es aber nicht nur Vorwürfe der Konkurrenz. Dem Onlineportal The Verge sind Dokumente zugespielt worden, die zeigen, wie Uber den Rivalen Lyft ausbremsen will.

Markenbotschafter von Uber sollen eigentlich Fahrgäste für das US-Startup anwerben. Doch kürzlich hätten sie sich auch an Fahrer von Lyft gewandt. Sie seien mit einer Art Starterkit für Fahrer ausgerüstet gewesen, darunter auch ein iPhone. Wer erfolgreich einen neuen Fahrer für Uber vermittelt, dem zahlt das Unternehmen eine Provision in Höhe von 750 Dollar.

Bereits vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass Uber systematisch 5.560 Fahrten beim Rivalen Lyft gebucht und kurzfristig wieder abgesagt haben soll. Das behauptete Lyft zumindest nachdem das Unternehmen die Telefonnummern von Uber-Personalvermittlern mit denen der stornierten Buchungen verglichen hatte. Davor waren bereits Anfang Januar Dokumente bekannt geworden, die Sabotagepraktiken zeigten. Uber hatte die Vorwürfe als "schlicht falsch" zurückgewiesen.

Mit Prepaid-Handys und Kreditkarten auf Abwerbe-Einsatz

Das noch junge Unternehmen ist mittlerweile für seine aggressive Expansionsstratgie bekannt. Uber hatte von Risikokapitalgebern insgesamt 1,5 Mrd. Dollar eingesammelt und versucht derzeit seinen Dienst weltweit zu etablieren, stößt dabei aber immer wieder auf Widerstände. In Hamburg und Berlin etwa sollte der Dienst gar verboten werden. Gegen Unterlassungsverfügungen hatte Uber erfolgreich Einspruch erhoben. Umstritten ist vor allem ein Angebot, bei dem nicht alle Fahrer einen Personenbeförderungsschein haben.

Lyft gilt in den USA bislang als stärkster Konkurrent. The Verge beruft sich auf neue Dokumente und Gespräche mit Subunternehmen, die Uber für den Kampf gehen Lyft angeheuert hat. Mitarbeiter der Subunternehmen werden demnach nun mit Prepaid-Handys und Kreditkarten ausgestattet und werden dann in Städten, in denen Uber und Lyft aktiv sind, auf die Straße geschickt.

Die Uber-Vertreter sollen Fahrten bei der Konkurrenz buchen und während der Tour die Fahrer abwerben. Die Subunternehmen haben von Uber eine genaue Anleitung erhalten, wie sie Fahrer von Lyft vom Wechsel zu Uber überzeugen sollen. So rät Uber beispielsweise zu einem Standortwechsel - am besten mit dem eigen Service, bevor man die nächste Fahrt bei Lyft bucht.

Gesprächsleitfaden für die Abwerber

Uber hat sogar einen Gesprächsleitfaden vorgegeben. "Wenn die Fahrt losgeht, verwickeln sie den Fahrer in einen Small Talk." Anschließend soll er fragen: "Wie lange fahren sie schon mit Lyft?"; "Wie sind sie dazu gekommen?". "Mögen sie Lyft?", "Was würden sie ändern?", "Ziehen sie auch andere Fahrdienst-Angebote in Erwägung?".

Wenn der Lyft-Fahrer die letzte Frage mit "ja" beantwortet, dann soll der Personalvermittler quasi den Abwerbeprozess starten. Über einen Mitteilungsservice für Gruppen müssen die Vermittler nun ein Profil des Fahrers an das übrige Straßenteam senden, damit er nicht doppelt abgeworben würde und Lyft somit keinen Verdacht schöpfen könne.

Uber antwortete in einem Blogeintrag auf die jüngsten Enthüllungen. Im letzten Absatz bestätigt das Unternehmen seine Praktik. "Wir können nicht erfolgreich Fahrer anwerben ohne mit ihnen zu reden - und das heißt auch mit ihnen zu fahren", schrieb Uber. Man wähle aber niemals Methoden durch die Fahrer keine Einnahmen hätten. Uber würde also keine Fahrten absichtlich stornieren.

Mehr zum Thema:
Der Uber-Fall: Chuzpe, viel Kapital und noch mehr Testosteron: Wie Travis Kalanick mit seiner Fahrdienstvermittlung die Welt überrollen will.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung