Geldregen für umstrittenes Startup Investoren reißen sich um Uber

Kein anderes Startup hat jemals so viel Geld vor einem Börsengang eingesammelt. Der umstrittene Fahrdienst Uber gab eine weitere Finanzierungsrunde in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar bekannt. Die Summe könnte sogar noch deutlich steigen.
Von Andrea Rungg
Einsichtig: Uber-Chef Travis Kalanick bekannte mit der milliardenschweren Finanzierungsrunde gleichsam Fehler. Das Unternehmen solle künftig demütiger auftreten

Einsichtig: Uber-Chef Travis Kalanick bekannte mit der milliardenschweren Finanzierungsrunde gleichsam Fehler. Das Unternehmen solle künftig demütiger auftreten

Foto: Will Oliver/ dpa

Hamburg - Uber will von Investoren in einer neuen Finanzierungsrunde bis zu 1,8 Milliarden Dollar einnehmen. Das ist deutlich mehr als die bislang kolportierte eine Milliarde Dollar, über die sowohl die "Financial Times" als auch "Bloomberg" zuletzt berichteten. Die neue Summe geht aus einem Bericht an eine Aufsichtsbehörde in Delaware hervor, über den zuvor das US-Magazin "Fortune" berichtete.

Am späten Donnerstag Nachmittag gab Uber in einem Blog-Eintrag selber bekannt, dass es bereits 1,2 Milliarden Dollar erhalten habe. Zusätzliche Vorzugsaktien könne das Unternehmen noch im Rahmen eines strategischen Investments ausgeben, hieß es.

Der Marktwert des Unternehmens liege nun bei 40 Milliarden Dollar, bestätigte ein Uber-Sprecher im Gespräch mit US-Medien. Diese Summe deckt sich wiederum mit früheren Berichten. Das frische Kapital solle für die Expansion in den asiatisch-pazifischen Raum genutzt werden.

Wandelanleihe soll weitere Hunderte Millionen Euro bringen

Die Finanzierungsrunde läuft unabhängig von der Wandelanleihe, für die die US-Bank Goldman Sachs derzeit solvente Investoren sucht. Die Wandelanleihe soll ein Volumen von mehreren Hundert Millionen Dollar haben. Nach Angaben von "Fortune" habe Goldman Sachs bereits Informationsprospekte an Klienten verschickt.

Uber ist angesichts des Potenzials bei Investoren derzeit so beliebt wie kaum ein anderes Startup. Kein anderes junges Unternehmen sammelte jemals so viel Kapital vor einem Börsengang ein. Seit der Gründung im März 2009 nahm das Unternehmen von Risikokapitalgebern wie Google Ventures, Benchmark und Kleiner Perkins Caulfield & Byers, aber auch von Investoren wie Goldman Sachs oder Black Rock insgesamt schon rund 1,5 Milliarden Dollar ein. Erst im Sommer dieses Jahres erhielt das Startup 1,2 Milliarden Dollar. Hinzu kommen noch die aktuell gemeldeten 1,2 Milliarden Dollar.

Das Unternehmen verbindet Fahrer und Fahrgäste über eine Smartphone-App und präsentiert sich zum Teil als günstigere Alternative zu Taxis. Anders als herkömmliche Taxi-Betriebe umgeht Uber aber verschiedene Gesetze. In Deutschland steht das Unternehmen beispielsweile in der Kritik, weil es für das Angebot Uber Pop von Fahrern keinen Personenbeförderungsschein verlangt. In Frankreich könnte in den kommenden Tagen aus diesem Grund das Aus drohen.

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Fahrdienst im Größenwahn: Wie Uber zum meistgehassten Startup wurde

Foto: Tobias Hase/ dpa

Uber dürfte langfristig nicht nur Personen befördern wollen, sondern sich eher zum Logistikunternehmen wandeln. Derzeit muss das Land die weltweite Expansion allerdings eher durch Gerichte erkämpfen. Es gibt kaum ein Land, in dem Uber bislang ohne Proteste von Taxifahrern und Politikern starten konnte.

Kalanick: "Wir wollen demütiger werden"

Gleichsam kämpft das Unternehmen derzeit gegen ein gewaltiges Imageproblem. So soll Top-Manager Emil Michael eine Schmutzkampagne gegen unliebsame Journalisten ins Gespräch gebracht haben. Außerdem steht der laxe Datenschutz des Unternehmens in der Kritik. Selbst die Uber-Fahrer protestieren immer wieder gegen das Unternehmen. Nach Angaben der für gewöhnlich gut unterrichteten Techwebsite "Recode" hätten die jüngsten Verfehlungen des Unternehmens das beträchtliche Wachstum etwas getrübt.

Uber-Chef Travis Kalanick gestand im jüngsten Blog-Eintrag zur Finanzierungsrunde Fehler ein. Das Unternehmen sei extrem schnell gewachsen, es sei nun in 250 Städten in 50 Ländern aktiv. Uber sei damit sechs Mal größer als ein Jahr zuvor. Damit seien auch Wachstumsschmerzen verbunden, schrieb Kalanick. Uber werde bei all jenen Rat suchen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hätten. Das solle das Unternehmen intelligenter und demütiger machen, schrieb der Manager.

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