Samstag, 16. November 2019

Schwieriger Neustart für skandalgeplagten Fahrdienst Weg vom Rambo-Image - wie der neue Chef Uber umkrempelt

Uber-Chef Dara Khosrowshahi (links) stellt in Berlin seinen Leihfahrraddienst Jump vor
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Uber-Chef Dara Khosrowshahi (links) stellt in Berlin seinen Leihfahrraddienst Jump vor

2. Teil: Welches Kostenproblem Ubers Roboterauto-Pläne haben

Umtriebig bleibt Uber auch bei zukünftigen Transportmitteln: Der Konzern forscht an elektrisch angetriebenen Lufttaxis, die Personen in Städten von einem Ort zum anderen fliegen. Und auch sein Roboterauto-Projekt verfolgt Uber weiterhin - obwohl eines seiner Fahrzeuge vor einigen Monaten einen tödlichen Unfall verursachte und Uber deshalb seine Testfahrten unterbrach.

Die Frage ist allerdings, wie lange sich Uber noch die kostspielige Forschung am autonomen Fahren leistet. Nach einem Bericht des Portals "The Information" fiel der Verlust im zweiten Quartal vor allem deswegen so hoch aus, weil Uber gewaltige Summen in die Entwicklung selbstfahrender Autos steckt. Das Unternehmen habe die vergangenen anderthalb Jahren zwischen 125 Millionen und 200 Millionen Dollar für diese Forschungsarbeiten ausgegeben.

Einige Investoren drängen demnach das Unternehmen, den Bereich für selbstfahrende Autos zu verkaufen, weil Uber selbst noch keinen Weg zur Kommerzialisierung der entwickelten Technologie gefunden habe.

Bislang hat Khosrowshahi allerdings noch nicht durchblicken lassen, ob er Ubers teuren Roboterauto-Ambitionen den Stecker zieht. Herumschlagen muss er sich auch nach wie vor mit regulatorischen Hürden, die seine Wachstumshoffnungen dämpfen könnten: So hat die Stadt New York vor kurzem die Vergabe neuer Lizenzen für Fahrdienste eingefroren und einen Mindestbezahlung für Uber-Fahrer beschlossen. Seattle erwägt ähnliche Lohn-Vorgaben.

Experten zweifeln an Grundsätzlichem

Und auch das Drehen der Uber-Unternehmenskultur verläuft nicht ganz glatt: So musste jüngst Ubers Personalchefin nach Rassismusvorwürfen den Hut nehmen. Die Konkurrenz nützt die Turbulenzen: Der kleinere Rivale Lyft hat zuletzt Marktanteile gewonnen - und 600 Millionen Dollar an neuem Kapital aufgestellt, was seine Bewertung auf 15,1 Milliarden Dollar verdoppelt hat.

Zudem zweifeln manche Experten nach wie vor an Grundsätzlichem: "Ich bin weiterhin nicht beeindruckt", sagte Management-Professor Brent Goldfarb von der Universität Maryland zu den jüngsten Quartalszahlen. Nur weil man sich von den schwächsten Bereichen trenne, bedeute das noch nicht, dass das zugrunde liegende Geschäftsmodell profitabel sei.

Da muss Khosrowshahi wohl nicht nur besänftigen, entschuldigen und neue Geschäftsfelder verheißen - sondern vor dem Börsengang noch etwas ganz Grundsätzliches erklären. Und an vielen Fronten weiter kämpfen.

mit Material von dpa/Reuters

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