Lyft kauft knapp 80 Prozent aller US-Bikesharing Fahrten  Das steckt hinter Lyfts millionenschwerem Bikesharing-Deal

Leihfahräder in San Francisco: Lyft hat mit Motivate den größten Bikesharing-Anbieter der USA gekauft

Leihfahräder in San Francisco: Lyft hat mit Motivate den größten Bikesharing-Anbieter der USA gekauft

Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Der Fahrdienstvermittler Lyft steigt ins Fahrradverleihgeschäft ein. Mit der Übernahme des Bikesharing-Startups Motivate  sicherte sich Ubers größter US-Konkurrent Schätzungen zufolge rund 80 Prozent aller Bike-Sharing-Fahrten in den USA. Und hält seinen Konkurrenten Uber, der vor kurzem ebenfalls ins Fahrradgeschäft eingestiegen war und Gerüchten zufolge ebenfalls an Motivate interessiert gewesen sein soll, im Bikesharing-Bereich so auf Abstand. Schätzungen zufolge zahlte Lyft rund 250 Millionen Dollar für die Übernahme.

Uber hatte im April den E-Bike-Verleiher Jump übernommen und ist mit UberBike bereits in einigen größeren US-Städten aktiv. Auch in Berlin soll UberBike noch in diesem Jahr an den Start gehen.

Lyft ist durch die Übernahme schon deutlich weiter. Mit Motivate-Marken wie Ford GoBike, Citi Bike, BikeShare, CoGo, Divvy, Blue Bikes and Biketown ist der Fahrdienstvermittler mit rund 30.000 Fahrrädern in acht US-Städten präsent - unter anderem in New York, Chicago, Boston, Washington D.C.

Mit einigen Städten wie San Francisco und New York hat Motivate laut "Wall Street Journal" zudem Exklusivverträge ausgehandelt, die dem Unternehmen das alleinige Recht Bikesharing anzubieten zusichere. Und die den Marktzugang anderer Anbieter somit beschränkten. Eine Regelung, wie sie ähnlich in Deutschland allerdings gerichtlich gekippt wurde.

Bike-Sharing- und Elektro-Roller-Verleihfirmen wie das US-Start-up Bird erleben weltweit gerade einen enormen Boom.

In Deutschland mit aktuell 3,1 Millionen Elektrofahrrädern steht mittlerweile in 6,1 Prozent aller Haushalte ein E-Gefährt. Firmen, die auf das Geschäftsmodell setzen, sammeln derzeit Milliarden ein.

Die Folge: zahlreiche Gründungen immer neuer Unternehmen, die mit unterschiedlichsten Verleih- und Antriebsmodellen experimentieren. Und von denen einige auch über den reinen Mobilitätsbereich hinaus

Uber experimentiert mit E-Bike-Abos

ehrgeizige Ziele haben. Gerade für Kurzstrecken sind Fahrräder, E-Bikes und Roller aktuell enorm beliebt. Die Nutzung schlägt oft nur mit wenigen Euro oder Dollar zu Buche. Eine Fahrt mit Uber Jump kostet beispielsweise in einigen Städten zwei Dollar für bis zu einer halben Stunde - und für jede weitere sieben Cent pro Minute.

Künftig will Uber zusätzlich Abo-Modelle anbieten, bei denen sich Kunden für 12 Dollar wöchentlich oder 50 Dollar monatlich ein eigenes Jump-Elektrofahrrad samt Aufladestation mieten können.

In China, wo vor einiger Zeit gleich reihenweise Bikesharing-Unternehmen gegründet wurden, die die Straßen mit Billigfahrrädern fluteten, hat sich der Markt mittlerweile konsolidiert. Mit dem von Alibaba unterstützten obike und ofo, hinter dem Tencent und die Vermittlungsapp Meituan-Dianping stehen, haben sich hier zwei Hauptkonkurrenten etabliert, die ihre Dienste mittlerweile auch in Europa anbieten.

Allerdings gibt es hier - wie auch in Städten wie Zürich oder San Francisco - immer wieder Ärger, weil die Nutzer die Free-Float-Gefährte einfach rücksichtslos in der Landschaft abstellen. Probleme, mit denen aktuell auch das von Investoren gefeierte Roller-Startup Bird zu kämpfen hat.

Das Wartungspersonal; dass sich um die Fahrräder von Motivate kümmert, will Lyft indes wohlweißlich nicht ins Unternehmen integrieren, wie das "Wall Street Journal"  berichtet. Die Beschäftigten sind gewerkschaftlich organisiert - eine Tatsache, die potenzielle Investoren abschrecken könnte.

Und bei der Finanzierung läuft es bei Lyft aktuell rund. Erst vor wenigen Tagen sammelte der Fahrdienstvermittler in einer von Fidelity angeführten Finanzierungsrunde 600 Millionen Dollar ein. Damit hat sich die Bewertung des Unternehmens auf 15,1 Milliarden Dollar erhöht  - und liegt etwa doppelt so hoch wie noch vor rund einem Jahr.