Uber gegen Daimler und Volkswagen Kampf um die Bastion Europa

Anti Uber Demo in London: Die Hauptstadt entwickelt sich zum zentralen Schlachtfeld im Wettbewerb der Fahrdienstvermittler

Anti Uber Demo in London: Die Hauptstadt entwickelt sich zum zentralen Schlachtfeld im Wettbewerb der Fahrdienstvermittler

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Mobilitätsdienstleister: Wie Daimler und Co. auf Uber reagieren

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Es war eine Art Blitzkrieg. Der Kampf um die Vorherrschaft bei den Fahrdienstvermittlern. Und heute, nur sieben Jahre nach der Gründung von Uber, sind die größten Schlachten geschlagen. Die ersten Gewinner stehen weitgehend fest: In den USA ging der Sieg an Uber. Zwar scheint sich mit Google derzeit ein neuer Konkurrent in Position zu bringen. Doch Wettbewerber wie Hailo haben sich zurückgezogen.

Und selbst das deutlich kleinere Lyft, das dem Marktführer lange Paroli bieten konnte und sich als ethischere Variante des Systems Uber verkauft hatte, sucht mittlerweile einen Käufer. Lyft hat sich Berichten zufolge GM, Apple, Google, Didi Chuxing, Amazon und sogar Uber selbst angedient. Ohne Erfolg.

In China ging der Sieg indes ganz klar an das von Apple unterstützte Didi Chuxing. Anfang August gab Uber den Milliarden teuren Kampf gegen den von Riesen wie Apple, Tencent und Alibaba gestützten Wettbewerber auf. Uber optierte stattdessen lieber für eine Minderheitsbeteiligung an dem chinesischen Riesen.

In Europa allerdings steht die Entscheidung noch aus. Der geplante Durchmarsch von Uber ist vorerst gescheitert - am Widerstand der Taxi-Lobby und der Politiker in einigen Ländern. Nach Verboten, Bürodurchsuchungen und sogar zwischenzeitlichen Festnahmen lenkte Uber vielerorts ein. Der Fahrdienstvermittler stellte seinen populären Dienst UberPop teilweise ein, passte sein Angebot gezwungenermaßen den örtlichen Gegebenheiten an - und lobbyiert seitdem in Brüssel für gewogenere Bedingungen.

Anders liegt der Fall in London, wo Uber bereits seit mehreren Jahren aktiv ist und lange von Erfolg zu Erfolg eilte. Und hier - in der "Champions League des Verkehrs", wie Uber-Chef Travis Kalanick die britische Hauptstadt einst nannte, wird sich wohl auch entscheiden, wer im Kampf um die Vormacht der Mobilitäts-Plattformen die Oberhand behält - ob die Bastion an den Newcomer Uber geht, oder die Old Economy, sprich Taxis und Autokonzerne wie Volkswagen und Daimler, die in der digitalen Mobilitätsvermittlung noch ein Wörtchen mitzureden haben.

Schlacht um die Champions-League des Verkehrs

Dass die Schlacht um Europa sich ausgerechnet in London entscheiden könnte, hat gleich mehrere Gründe.

Zum einen ist der Londoner Taxi-Markt größer als alle anderen europäischen Märkte. Experten schätzen, dass dort mit Fahrdienstleistungen pro Jahr drei Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet werden. Tendenz steigend.

Trotz eines gut ausgebauten Bus- und Metro-Systems sind 3 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge in London Taxis oder sogenannte "Private Hire Vehicles (PHVs)" oder "minicabs". Eine Kategorie unter die auch Uber-Gefährte fallen.

Und anders als in vielen anderen Metropolen mischen hier mit Volkswagen und Daimler neuerdings zwei Akteure mit, die Uber auch finanziell das Wasser reichen können. Eine Eigenschaft, die bei vielen anderen der zahlreichen Start-ups nicht gegeben ist.

Daimler schickt den Taxivermittler Hailo in Rennen, den die Stuttgarter kürzlich erst mit ihrer Taxi-App Mytaxi fusionierten. Hailo ist in London ein echtes Urgestein. Das Start-up ist hier länger am Markt als Uber und zählt mit 16.000 Fahrern mehr als die Hälfte aller Black-Taxi-Fahrer zu seinen Kunden.

Volkswagen wiederum ist über Gett präsent, einem Taxivermittler der ebenfalls schon seit längerem auf dem britischen Markt aktiv ist, in den sich Volkswagen aber erst vor kurzem mit einem dreistelligen Millionenbetrag eingekauft hat.

Gett vermittelt wie Hailo auch in erster Linie klassische schwarze Taxis, hat sein Angebot vor kurzem aber auch auf das Uber-Segment der privaten Fahrdienstleister ausgeweitet. Gett hat nach eigenen Angaben einen Marktanteil zwischen 10 und 15 Prozent des Londoner Taximarktes.

Und beide - sowohl Daimler als auch Volkswagen - ein vitales Interesse daran, dem US-Wettbewerber nicht das Feld zu überlassen.

Der legendäre Siegeszug von Uber ...

Dabei schien der Sieg für Uber in London bereits sicher. Nur drei Jahre nach dem Start des Fahrdienstvermittlers in London hatte die Zahl der Uber-Fahrer die der weltbekannten "black cabs" überholt. Heute ist London einer der stärksten Märkte Ubers mit mehr als einer Million Fahrten pro Woche.

Natürlich haben auch hier die Taxifahrer gegen den neuen Konkurrenten protestiert. Doch die Proteste stellten sich in dem transporthungrigen Markt eher als kostenlose Werbung denn als Ärgernis für Uber heraus. Und trieben die Zahl der App-Downloads Berichten zufolge zeitweise um mehr als 850 Prozent in die Höhe.

Seitdem nutzt Uber London immer gern als Paradebeispiel dafür, wie gut das System Uber doch funktioniert. Und dass eine Koexistent zwischen Taxen und Fahrdienstvermittlern doch möglich ist. Schließlich ist auch die Zahl der schwarzen Taxen in den vergangenen Jahren weiter gestiegen - wenn auch nicht ansatzweise so steil wie die für Uber fahrenden Autos.

300.000 Wagen sind für Uber nach eigenen Angaben mittelweile auf den Straßen Londons unterwegs. Rund 4000 mehr als so genannte "black cabs".

Doch die Schlacht ist noch nicht geschlagen - die letzte Bastion Europa noch nicht eingenommen.

Denn das Machtgefüge könnte sich bald verschieben.

.. der nun ein plötzliches Ende finden könnte

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Mobilitätsdienstleister: Wie Daimler und Co. auf Uber reagieren

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Schuld daran sind neue Regeln der Londoner Regulierungsbehörde für den öffentlichen Nahverkehr "Transport of London" (Tfl). Die Behörde hat neue Regeln erarbeitet, die ab Oktober greifen sollen, und die Uber ziemliche Sorgen bereiten.

Zwar bleiben die traditionellen und meist deutlich teurerer schwarzen Taxen auch weiterhin härter reguliert als die Uber-Fahrer. Doch auch für diese gibt es Änderungen, die bei Kalanick & Co. ziemliches Kopfzerbrechen ausgelöst haben dürften.

Ab Oktober sollen Uber-Fahrer, die eine Lizenz erwerben oder diese verlängern wollen, eine Sprachprüfung absolvieren müssen. Ein 200 Pfund teurer Test, der neben Hörverstehen auch einen kurzen Essay umfasst.

Und genau der könnte zum Problem werden und tausende Fahrer den Job kosten, fürchtet Uber.

Schließlich sind unter den Uber-Fahrern viele Abkömmlinge von Immigranten. Und für einige von ihnen, fürchtet Uber, könnte der Text "ziemlich schwierig" werden. "Viele Leute werden dann nicht mehr fahren können", sagte ein Sprecher gegenüber manager-magazin.de.

Um die Vormachtstellung an der Mobilitätsfront nicht zu verlieren, was für Uber auch einen satten Einnahmenrückgang bedeuten würde, zieht das Unternehmen nun gegen die seiner Ansicht nach überzogenen schriftlichen Anforderungen sämtliche Register.

Verkehrte Welt - jetzt klagt Uber

Nachdem ein Aufruf an Fahrer und Kunden, bei der Behörde gegen die neuen Regeln zu protestieren, zunächst erfolglos blieb, rief Uber nun das Gericht an. Der Londoner High Court  soll sich des Falles annehmen und die neuen Regeln überprüfen.

Ubers Taxi-Wettbewerber und die Londoner Regulierungsbehörde für den öffentlichen Nahverkehr hingegen sehen das Ganze anders und halten die neuen Anforderungen für absolut gerechtfertigt.

"Es geht ja nicht darum, dass die Fahrer Krieg und Frieden schreiben", heißt es beispielsweise bei Hailo. "Aber Transport ist eine Dienstleistung - und wer die erbringt, sollte schon die Sprache des Landes beherrschen."

Und selbst der Anbieter Gett, der seit kurzem selbst nicht mehr nur mit Taxis sondern auch mit privaten Fahrern arbeitet, befürwortet die neuen Regeln, die eine "Annäherung zwischen dem überregulierten Taxi-Markt und privaten Anbietern" schüfen.

Sollten die neuen Regeln in Kraft treten, wäre dies für Uber ein Rückschlag. Doch damit hat das Unternehmen Erfahrung.

Um auch in Zukunft noch eine massive Marktpräsenz sicherzustellen, haben die Amerikaner schon einmal vorgebaut. Seit kurzem fahren die Fahrer des Start-ups in London auch Essen aus - eine Tätigkeit, für die man bislang keinen Essay abliefern muss.

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