Dienstag, 2. Juni 2020

C-Level-Abgänge, möglicher Jobabbau Entlassungen drohen, Manager flüchten - Corona bremst Uber aus

Relativ allein in der Krise: Uber CEO Dara Khosrowshahi
Sajjad HUSSAIN/ AFP
Relativ allein in der Krise: Uber CEO Dara Khosrowshahi

Die Coronakrise hat den Fahrdienstvermittler Uber in eine der schwersten Krisen seiner Geschichte manövriert. Nachdem der Konzern erst vor Kurzem wegen der Krise Abschreibungen in Höhe von umgerechnet rund zwei Milliarden Euro angekündigt und seine Prognose kassiert hatte, steht nun offenbar bereits die nächste Hiobsbotschaft an: Wie das Investigativportal "The Information" berichtet, denkt Uber darüber nach, ein Fünftel seiner Beschäftigten von insgesamt 27.000 Mitarbeiter zu entlassen. 5400 Jobs könnten wegfallen.

Eine endgültige Entscheidung ist dem Portal zufolge noch nicht getroffen, allerdings trifft die Krise Uber in einer Zeit mit dünner Führungsdecke. Eine ganze Reihe von C-Level-Manager hat das Unternehmen in den vergangenen Monaten und Wochen verlassen. Viele davon sind nicht ersetzt worden. Am Dienstag kündigte nun auch noch Technologie-Chef Thuan Pham an, das Unternehmen mit Wirkung zum 16. Mai verlassen zu wollen, was Uber laut "Businessinsider" ohne COO, Produktchef und CTO hinterlässt.

COO Barney Harford, der 2018 zu Uber gekommen war, hatte das Unternehmen demnach bereits im Juni vergangenen Jahres verlassen - ebenso wie Marketingchefin Rebecca Messina. Beide wurden bislang nicht ersetzt. Ebenso wenig wie CPO Manik Gupta, der Uber im November verließ. Im März diesen Jahres hatte zudem Engeneering-Vize Matthew Mengerink das Unternehmen verlassen. Der für Uber-Eats zuständige Manager Jason Droege und die für das Scooter, Fahrradgeschäft und Partnerschaften mit dem öffentlichen Nahverkehr verantwortliche Managerin Rachel Holt verließ das Unternehmen ebenfalls Anfang 2020. Ihre Stellen wurde allerdings neu besetzt.

Ursprünglich hatte Uber in Aussicht gestellt, 2020 "auf angepasster Basis" erstmals ein positives Ergebnis zu erzielen - dürfte davon allerdings angesichts der Krise noch weit entfernt sein. Alleine 2019 häufte der Konzern Verluste von 8,5 Milliarden Dollar an. Mit dem positiven Ergebnis dürfte Uber angesichts der Krise nun weiter entfernt sein den je.

Der Umsatz im Kernbusiness Fahrdienstvermittlung ist Branchenbeobachtern zufolge um 80 Prozent eingebrochen. Einziger Lichtblick ist offenbar das Liefergeschäft Uber Eats, das angesichts von Ausgangsbeschränkungen deutlich angezogen hat. Allerdings dürfte die Freude über die verstärkte Nachfrage bei Uber nicht ungetrübt sein: Denn das Liefergeschäft ist extrem verlustreich und dürfte damit das Defizit, das sich angesichts der Krise auch in diesem Jahr auf mehrere Milliarden belaufen könnte, nur noch in die Höhe treiben. Mit den Entlassungen könnten laut der Website "The Information" rund eine Milliarde Dollar jährlich eingespart werden.

Hoffnungen auf eine schnelle Wiederbelebung des Geschäftes kann sich Uber indes nicht machen, macht das Unternehmen doch viel Umsatz mit Flughafen-Fahrten, Großereignissen und Geschäftsreisen, bei denen eine schnelle Erholung kaum zu erwarten ist.

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