Mobilitäts-Revoluzzer im Dauerstress Fahrer, Sex, Roboterautos - das sind die Baustellen von Uber

Sexismus-Vorwürfe, Besuche in Escort-Bars, verärgerte Fahrer und Kunden sowie Unfälle mit Roboter-Autos: Uber gehört zu den umstrittensten Unternehmen der Welt. Mit diesen Problemen kämpft die Firma.
Unfall eines Uber-Roboter-Fahrzeugs

Unfall eines Uber-Roboter-Fahrzeugs

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Chaos-Startup: Das sind die Köpfe hinter Uber

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Unternehmensgründer und CEO Travis Kalanick ist das schillernde Aushängeschild von Uber. Er gründete den Fahrdienstvermittler 2009 in San Francisco. Die Idee ist simpel, war aber damals neu: Erstmals konnten Nutzer mit einer Smartphone-App eine Mitfahrgelegenheit bestellen. Die Fahrer waren Privatleute und arbeiteten nicht im Taxigewerbe. Inzwischen ist Uber in 58 Staaten vertreten und wird mit mehr als 60 Milliarden Dollar bewertet.

Doch Führungsstil und Unternehmenskultur des Fahrdienstes stehen schon länger in der Kritik. So beschuldigte eine Mitarbeiterin das Unternehmen, nicht gegen sexuelle Belästigung durch Vorgesetzte vorzugehen.

Das kurzzeitige Engagement Kalanicks als Berater für US-Präsident Donald Trump kostete den Fahrdienst einige Kunden. Uber wollte sich zudem nicht an einem Streik der New Yorker Taxifahrer gegen Trumps neue Einreisepolitik beteiligten. Nutzer riefen unter dem Hashtag #DeleteUber dazu auf, den Dienst zu boykottieren.

Weitere Negativschlagzeilen machte Uber mit der Überwachung von Journalisten und der Nutzung einer Software, die Kontrolleuren und unerwünschten Fahrgästen falsche Angaben über die Verfügbarkeit von Fahrzeugen machte. Uber hat viele Baustellen, wie der folgende Überblick zeigt.

Immer Ärger mit den Fahrern

Eigentlich klingt es fast unglaublich, dass Uber noch immer Fahrer findet, die für das Unternehmen arbeiten wollen. Ursprünglich rekrutierten sich die Fahrer aus Anbietern von Limousinendiensten, die vor allem in San Francisco neben den offiziellen Taxis Mitfahrgelegenheiten anbieten. Doch mit der zunehmenden Popularität von Uber erkannten auch andere Privatpersonen, dass sie mit ihrem eigenen Auto Geld verdienen können.

Einige Menschen sahen in dem Dienst sogar eine Möglichkeit, sich eine neue Existenz aufzubauen: teilweise kündigten sie ihre Jobs, kauften sich ein neues Auto und fuhren für Uber. Je luxuriöser die Fahrzeuge sind, desto mehr können die Fahrer verdienen. Um gelistet zu werden, müssen die Fahrer einen Prozentsatz der Einnahmen an Uber abgeben.

Die Preise passen sich dynamisch der aktuellen Nachfrage an. In einigen Fällen haben sich Kleinunternehmer darauf verlegt, ihre Dienste in lukrativen Städten anzubieten. Dazu schlafen sie teilweise in ihren Autos.

Der Verantwortliche bei Uber für die Rekrutierung neuer Fahrer und Kunden ist Ed Baker. Er kam 2013 von Facebook zu dem Fahrdienstleister. Bei dem sozialen Netzwerk war er ebenfalls für Wachstumsstrategien zuständig. Davor hatte er das soziale Netzwerk Friend.ly gegründet und geleitet. Im vergangenen Jahr bekam Baker bei Uber zusätzlich die Leitung des Produktteams übertragen und ist seitdem für Produkte und Wachstum zuständig.

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Leicht hat er es im Umgang mit den Fahrern nicht. Es gab immer wieder Ärger, weil Uber aus Sicht der Fahrer die Preise reduziere und gleichzeitig die Anforderungen erhöhe. Diese Vorwürfe machte auch ein Fahrer gegenüber Unternehmensgründer Kalanick. Die Diskussion wurde von der Innenraumkamera des Wagens aufgezeichnet und ins Netz gestellt. Die anschließende Welle der Empörung veranlasste Kalanick, sich öffentlich zu entschuldigen und zu der Ankündigung, sich Hilfe bei der Unternehmensführung zu suchen.

In vielen US-Staaten haben Fahrer geklagt, um als Angestellte des Dienstes behandelt zu werden. Die meisten Gerichte folgten jedoch der Meinung von Uber, dass es sich um unabhängige Vertragspartner handele. Uber muss also nicht für die Sozial- oder Arbeitslosenversicherung der Fahrer aufkommen oder Mindestlöhne zahlen

Die Rolle als reiner Vermittler von Dienstleistungen ist ein Kernelement des Geschäftsmodelles von Uber. Damit kann das Unternehmen strikten Regulierungsvorgaben für das Taxigewerbe umgehen. Einen in Deutschland üblichen Personenbeförderungsschein brauchen die Fahrer in den meisten Ländern nicht. Das ist auch ein Grund, warum Uber hierzulande verboten wurde. Auch aus Dänemark und Italien zieht sich der Konzern wegen neuer Auflagen zurück.

Psycho-Tricks

Zudem versuchte Uber offenbar, seine Fahrer mit psychologischen Tricks zu längeren Arbeitszeiten zu bewegen. Einem Bericht der "New York Times" zufolge gab es beispielsweise ein Bonussystem nach 25 Fahrten. Zudem machte der Computer Ansagen zum Erreichen eines Tagesziels. Ein weiterer Trick bestand darin, schon während einer Fahrt das nächste Angebot zu übermitteln. Erfolgreich war es demnach auch, wenn Fahrtanfragen von Frauen kamen. Die überwiegend männlichen Fahrer hätten darauf sehr gut angesprochen, heißt es in dem Bericht.

Der größte Stress mit den Fahrern steht aber noch bevor: Denn eigentlich will Uber diese Komponente ganz einsparen. Künftig sollen Roboterautos die Fahrgäste befördern. Die Idee: Uber arbeitet mit Autoherstellern zusammen, die ihre Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Der Fahrdienst wird über die App abgewickelt und bezahlt. Deshalb ist Uber derzeit aggressiv bemüht, in möglichst vielen Ländern Marktführer zu werden. Dann können die Autohersteller kaum noch an Uber vorbei. Bezahlen müssen am Ende die Fahrer.

Starkes Team?

Die ehemalige Software-Ingenieurin Susan Fowler hat dem Unternehmen im Februar in einem Blogeintrag vorgeworfen , nicht konsequent gegen sexuelle Belästigung vorzugehen. Ihr direkter Vorgesetzter hätte ihr am ersten Tag per internem Chat mitgeteilt, dass er auf der Suche nach Sexpartnerinnen sei. Sie habe Screenshots der Nachrichten sofort an die Personalabteilung weitergeleitet, schreibt Fowler weiter.

Die habe aber anderes reagiert, als Fowler erwartet hatte: Statt disziplinarisch gegen den Vorgesetzten vorzugehen, wollten sie es bei einem ermahnenden Gespräch belassen und boten Fowler an, das Team zu verlassen. Fowler lehnte ab, weil sie über besondere Expertise genau in dem Projekt verfügte, in dem sie eingesetzt war.

Umsteuern soll die neue Personalchefin Liane Hornsey. Sie kam im Januar zu Uber. Zuvor hatte sie bei Google fast zehn Jahre lang Management-Erfahrung im Personalwesen gesammelt. 2015 wechselte sie zu Softbank, wo sie unter anderem Startups in Personalfragen beriet. Sie hat eine schwierige Aufgabe vor sich, wenn sie die Macho-Kultur, die in Teilen Ubers zu herrschen scheint, in den Griff bekommen will.

Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung fielen in die Zeit vor Hornsey. Doch offenbar sollen sich ähnliche Vorkommnisse nicht wiederholen. So musste der neue Technik-Chef Amit Singhal im Februar nach nur wenigen Wochen Uber wieder verlassen. Er hatte interne Ermittlungen gegen ihn wegen sexueller Belästigung bei seinem Ex-Arbeitgeber Google verschwiegen.

Sexismusvorwürfe im Silicon Valley sind nicht neu. Mehrere Studien haben sich bereits mit der Macho-Kultur in der Techbranche auseinandergesetzt. Frauen haben schon oft über direkte oder indirekte Diskriminierung der Branche geklagt.

So hatte Fowler in ihrem Blogeintrag weiter geschrieben, dass für 120 Männer in einem Team Lederjacken bestellt worden seien, aber nicht für die sechs Frauen. Dafür habe es keinen Mengenrabatt gegeben, hieß es zur Begründung. In Fowlers Abteilung sei es zudem zu einer Abwanderung von Frauen gekommen. Von den 150 Mitarbeitern in ihrem Team seien im November 2015 rund ein Viertel Frauen gewesen. Als sie Uber im Dezember 2016 verließ, seien es nur noch drei Prozent gewesen.

Besuch in Escort-Bar

Auch Kalanick wird oft Macho-Gehabe nachgesagt. Im Jahr 2014 soll Kalanick den Angaben seiner damaligen Freundin zufolge mit einigen Angestellten eine Escort-Bar in Südkorea besucht haben . Einige Männer sollen sich dabei aus einer Runde mit Frauen, die Nummern in der Hand hielten, jeweils eine Begleitung herausgepickt haben. Eine anwesende Uber-Managerin habe diesen Fall ebenfalls der Personalabteilung gemeldet, hieß es.

Kurz nach Bekanntwerden der Sexismus-Vorwürfe durch Fowler hat Kalanick sich entschuldigt und Besserung gelobt. Er wolle sich Hilfe bei der Unternehmensführung suchen. Außerdem soll die im Verwaltungsrat sitzende Arianna Huffington gemeinsam mit dem ehemaligen US-Justizminister Eric Holder die Vorwürfe der sexuellen Diskriminierung aufklären.

Ende März hat Uber seinen ersten Diversity Report vorgelegt. Demnach sind weltweit 36 Prozent der insgesamt 12.000 Mitarbeiter Frauen, Fahrer nicht eingerechnet. Im Vergleich zu Apple und Google, die weltweit 32 beziehungsweise 31 Prozent weibliche Mitarbeiter haben, steht Uber also noch gut da. Etwas anders sieht es allerdings bei den Technik-Jobs aus. In dieser Abteilung, beispielsweise der Programmierung, sind nur 15 Prozent der Angestellten Frauen. Bei Apple sind es 23 Prozent, bei Google 19.

Dennoch machte Uber dem Bericht zufolge zuletzt Fortschritte bei der Diversität. Inzwischen werden mehr Frauen eingestellt. Hier lag die Quote zuletzt bei 41 Prozent. Auch Angehörige von Minderheiten standen zuletzt vermehrt auf den Einstellungslisten. In den USA sind die meisten Mitarbeiter Weiße, gefolgt von Asiaten. Knapp neun Prozent sind dem Report zufolge Schwarz, sechs Prozent hispanischer Herkunft.

Die negativen Auswirkungen der Diskriminierungsvorwürfe auf den Ruf sind für Uber doppelt unangenehm. Zum einen schreckt er Kunden ab. So wurden im Zuge der Twitter-Kampagne #deleteUber im Februar mehr als 200.000 Konten gelöscht.

Zum anderen wird es für das Unternehmen dadurch auch deutlich schwieriger, neues Personal zu rekrutieren. Ehemalige Uber-Angestellte berichteten bereits über Probleme bei der Jobsuche. Uber muss den Umgang mit seinen Mitarbeitern daher dringend ändern, um weiter für High-Potentials attraktiv zu sein und auch potenzielle Kunden zu überzeugen.

Aggressives Vorgehen gegen Kunden und Kritiker

Dazu muss Uber seine gesamte Unternehmenskultur auf den Prüfstand stellen. Denn nicht nur die Vorwürfe der sexuellen Diskriminierung lasten auf dem Ruf des Fahrdienstleisters. Hinzu kommen frühere Vorwürfe von aggressiven Geschäftspraktiken, die Überwachung von Kunden und Journalisten, Irreführung von Behörden und aggressives Auftreten sowie Missachtung von Verboten.

Die Reihe der Skandale ist lang. 2014 fantasierte ein Uber-Manager davon, missliebige Journalisten zu überwachen. Anhand der durch die Uber-App gewonnenen Bewegungsdaten könne das Unternehmen ein Profil von Kritikern oder ihrer Familien erstellen. Anschließend könnten sie mit dem gesammelten Material unter Druck gesetzt werden, sagte der Manager bei einem Abendessen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gab er an, seine Worte seien nicht ernst gemeint gewesen.

Dass Uber mehr über seine Kunden weiß, als diesen lieb sein kann, zeigen einige Vorfälle. So wurden schon früher Bewegungsprofile unter anderem dazu genutzt, One-Night-Stands der Nutzer zu rekonstruieren . Einen entsprechenden Blogeintrag hat das Unternehmen wieder gelöscht.

Privatsphäre von Kunden ausgespäht

Für Kritik sorgte auch eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Stanford University und der University of Washington, derzufolge bestimmte Kunden häufig diskriminiert würden . Demnach müssten schwarze Kunden länger auf Fahrten warten als weiße. Zudem würden deren Buchungen häufiger storniert. Frauen dagegen würden gezielt über längere Routen an ihr Ziel gebracht. So müssten sie mehr für ihre Fahrten zahlen als männliche Nutzer.

Negative Schlagzeilen machte auch der Bericht eines ehemaligen Computerforensikers von Uber, demzufolge der Konzern im Umgang mit Kundendaten wiederholt gegen geltende Datenschutzvorschriften verstoßen  und die Privatsphäre der Nutzer verletzt habe.

Nach Bekanntwerden einer "God-View" genannten Funktion im Oktober 2014, mit der Angestellte die Fahrten aller Kunden verfolgen konnten, wollte Uber eigentlich den Zugang zu unverschlüsselten Bewegungsprofilen einschränken. Dennoch wurden dem Bericht zufolge die Fahrtrouten von Uber-Kunden, darunter Politiker und Prominente, weiter von Angestellten verfolgt, auch zu privaten Zwecken.

Das kurzzeitige Engagement Kalanicks als Berater für US-Präsident Donald Trump kostete den Fahrdienst ebenfalls einige Kunden. Uber wollte sich zudem nicht an einem Streik der New Yorker Taxifahrer gegen Trumps neue Einreisepolitik beteiligten. Nutzer riefen unter dem Hashtag #DeleteUber dazu auf, den Dienst zu boykottieren.

Bisher war Jeff Jones verantwortlich für das gesamte Fahrdienstgeschäft. Der Manager war erst im Sommer 2016 von dem Einzelhandelskonzern Target gekommen und galt als großer Hoffnungsträger. Jones verließ das Unternehmen aber Ende März wieder. Zwar nannte Uber keine Gründe für den Abgang der Nummer zwei hinter Kalanick, Experten gehen aber von einem Machtkampf hinter den Kulissen aus. Uber schrieb die Stelle eines Chief Operating Officers (COO) aus, der das Unternehmen gemeinsam mit Kalanick leiten sollte. Dass Jones nicht für die Rolle vorgesehen war, hat wohl zu seinem Abgang geführt.

Stress mit den Behörden

Immer wieder legte sich Uber auch mit den Behörden an. Im Zuge der aggressiven Expansion in andere Länder wurden dort geltende Regeln oft missachtet. So musste ein Gericht den Fahrdienst in Deutschland verbieten, weil die Fahrer nicht über die notwendigen Personenbeförderungsscheine verfügten. Auch über Sicherheitsvorschriften oder Gesetze zum Arbeitnehmerschutz setzte sich das Unternehmen in Europa wiederholt rücksichtslos hinweg.

Mit Genehmigungen scheint Uber offenbar ohnehin Probleme zu haben. So setzte der Fahrdienst in San Francisco seine Roboterautos einen Monat lang ohne offizielle Erlaubnis ein. Uber vertritt die Ansicht, keine Genehmigung zu brauchen. Die Behörden annulierten daraufhin die Kennzeichen der Fahrzeuge.

Verdrängungswettbewerb

Um unliebsame Fahrgäste wie Kontrolleure oder missliebige Konkurrenten auszusortieren, nutzte Uber in mehreren Ländern eine "Greyball" genannte Software. Dadurch bekamen die Betroffenen bei Bestellungen Absagen, oder ihnen wurden nicht existierende Wagen vorgegaukelt. Uber habe der "New York Times" zufolge  Beamte der Aufsichtsbehörden mithilfe gesammelter Daten markiert oder als Mitarbeiter der Stadt kenntlich gemacht. Uber räumte die Nutzung der Software ein. Das Programm würde vor allem dort genutzt, wo die Fahrer um ihre Sicherheit fürchten müssten, hieß es.

Auch Konkurrenten wie den Fahrdienstleister Lyft geht Uber nicht gerade zimperlich an. So gab Kalanick zu, dass seine Angestellten gezielt versucht hätten, Lyft-Fahrer für den eigenen Dienst abzuwerben. Lyft beschuldigte Uber zudem, massenhaft Fahrten zu buchen und anschließend zu stornieren.

Lyft versucht, sich als sympathischer Gegenentwurf zu Uber zu positionieren und von den Negativschlagzeilen des Konkurrenten zu profitieren. Zuletzt konnte Lyft in einer Finanzierungsrunde 500 Millionen Dollar einsammeln, was dem Unternehmen eine Bewertung von 7,5 Milliarden Dollar einbrachte.

Mit niedrigeren Preisen hat Uber auch die Taxibranche gegen sich aufgebracht. Fahrten mit Uber sind teilweise erheblich günstiger als mit traditionellen Taxen. Taxiunternehmer in vielen Ländern protestierten gegen Uber, teilweise kam es dabei auch zu gewalttätigen Übergriffen gegen Fahrer der neuen Konkurrenz.

Nicht überall konnte Uber sich mit seinem aggressiven Geschäftsgebaren durchsetzen. So verbrannte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge in China eine Milliarde Dollar pro Jahr bei dem Versuch, in dem Land Fuß zu fassen.

Die heimische Konkurrenz aus den 2012 nach Vorbild von Uber gegründeten Fahrdienstleistern Didi Dache sowie dem lokalen Wettbewerber Kuaidi Dache machten Uber schwer zu schaffen.

Auch in China waren private Fahrdienste zunächst verboten, was Uber nicht daran hinderte, seine Dienste anzubieten. Allerdings erlaubte die Regierung einige Zeit später die Vermittlungstätigkeit. Im Februar 2015 schlossen sich die chinesischen Rivalen unter dem Namen Didi Chuxing zusammen. Uber zog sich aus dem Markt zurück und verkaufte sein China-Geschäft im Juli 2016 vollständig an Didi Chuxing. Dafür bekamen die Amerikaner einen zwanzigprozentigen Anteil an dem Wettbewerber.

Streit mit Google

Aber Uber schreckt auch vor den ganz Großen nicht zurück. Zwar gehört der Suchmaschinenkonzern Google zu den frühen Kapitalgebern von Uber, der Mutterkonzern Alphabet zog aber im August 2016 seinen Vertreter aus dem Uber-Verwaltungsrat zurück. Zwischen Uber und Google kam es verstärkt zu Interessenkonflikten im Transport- und Logistikgeschäft. Grund war vor allem die Entwicklung von selbstfahrenden Autos. Beide Unternehmen drängen massiv auf diesen Zukunftsmarkt.

Im Februar verklagte die Alphabet-Tochter Waymo Uber, weil das Unternehmen angeblich von ihr gestohlene Technik für seine selbtsfahrenden Autos einsetze. Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit der Übernahme des Startups Otto durch Uber. Ehemalige Google-Mitarbeiter, die bei dem Unternehmen mit der Entwicklung von autonomen Fahrsystemen beschäftigt waren, hatten Otto Anfang 2016 gegründet. Das Startup spezialisierte sich auf selbstfahrende Lastwagen.

Uber streitet die Vorwürfe ab

Der ehemalige Google-Entwickler Anthony Levandowski habe vor seinem Rückzug bei Waymo etwa 14.000 Dateien heruntergeladen, heißt es in der Klage. Dabei sei es unter anderem um das Laser-Radar gegangen. Diese Schlüsselkomponente der Roboterwagen tastet die Umgebung der Autos ab.

Uber streitet die Vorwürfe ab. "Um es klar zu sagen, Uber hatte die 26 Geschäftsgeheimnisse oder die 14.000 Dateien, die Levandowski laut Waymo heruntergeladen hatte, nie in seinem Besitz und setzte sie nie ein." Der Fahrdienst-Vermittler habe zwar bereits seit 2015 an eigenen Laser-Radaren gearbeitet, aber bisher auf der Straße nur fertige Module von Anbietern wie Velodyne genutzt. Die Klage von Waymo sei ein Versuch, einen Rivalen zu bremsen.

Uber hatte Otto wenige Monate nach der Gründung für 680 Millionen Dollar übernommen und Levandowski zum Chefentwickler für selbstfahrende Autos gemacht. Alphabet klagte gegen Otto und Uber und könnte damit einen Stopp des Testbetriebs selbstfahrender Autos bewirken.

Mitte Mai forderte ein Richter in San Francisco von Uber, sicherzustellen, dass die vertraulichen Dokumente nicht verwendet und bis zum Monatsende an Waymo oder das Gericht zurückgegeben werden. Levandowski wurde zudem untersagt, für Uber weiter an der Lasertechnologie Lidar zu forschen, mit der autonome Fahrzeuge andere Autos, Fußgänger und weitere Hindernisse erfassen können. Ende Mai feuerte Uber Levandowski schließlich. Er habe eine von dem Unternehmen gesetzte Frist zur internen Kooperation verstreichen lassen, begründete Uber den Schritt.

Neue Erlösmodelle

Die Haupterlösquelle für Uber sind nach wie vor die Fahrdienste für Privat- und Geschäftskunden. Mit diesem Geschäftsmodell setzt das Startup weltweit seine Expansion fort. Weitere Dienste sollen das bisherige Angebot erweitern.

Verantwortlich für den Ausbau des Geschäfts ist Jason Droege als "Head of UberEverything". Der studierte Computerwissenschaftler sucht mit seinem Team unter anderem die Städte aus, in denen bestimmte Dienste angeboten werden sollen. Doch offenbar laufen nicht alle neuen Angebote so erfolgreich wie das Kerngeschäft.

Mit einem Lieferdienst für Essen ist das Startup vor einigen Monaten in einen stark umkämpften Markt eingestiegen. Uber Eats soll von der Bekanntheit des Fahrdienstes profitieren. Für die Fahrten werden neben herkömmlichen Fahrern auch Fahrradkuriere eingesetzt. Uber Eats soll in rund 30 Staaten verfügbar sein. Die Fahrer holen das Essen bei den Anbietern ab und liefern es an eine bestimmte Adresse. Dort warten sie vor der Tür. Der Kunde muss seine Lieferung dann selbst am Wagen abholen.

Nichts für schwache Nerven

Bei den Fahrern wirbt Uber damit, dass sich eine zusätzliche Einnahmequelle ergibt. Wenn gerade wenig Nachfrage nach Taxidiensten bestehe, könne die Lieferung von Mahlzeiten die Wartezeit überbrücken. Uber warnt aber auch davor, dass der Lieferdienst anspruchsvoll sei. Das Anfahren mehrere Stationen, Parkplatzsuche bei Abholung und Anlieferung und schnelle Lieferung seien nichts für schwache Nerven, heißt es auf der Seite IdrivewithUber.com .

Ein Dienst, der noch nicht in Fahrt gekommen ist, ist Uber Rush. Der Kurier- und Lieferdienst soll für kleinere Unternehmen und Privatkunden Gegenstände transportieren. Uber Rush wird wie Uber Eats ebenfalls teilweise von Fahrradkurieren angeboten. Gerade in Städten wie New York sollen so schnelle Lieferungen garantiert werden.

Uber Rush ging bereits 2014 in die Testphase. Offiziell buchbar ist der Service seit Oktober 2015. Er ist aber bisher nach wie vor nur in drei US-Städten erhältlich. Von einem Konkurrenzangebot für DHL oder FedEx ist Uber Rush damit noch weit entfernt.

Dennoch helfen Experimente wie Uber Eats und Uber Rush dem Unternehmen, neue Märkte auszutesten. In Ländern, in denen die Fahrdienstleistungen von Uber aus regulatorischen Gründen verboten sind, kann Uber mit neuen Diensten schon einmal Fuß fassen. Wenn regulatorische Schranken fallen und beispielsweise Taxidienste mit selbstfahrenden Autos möglich werden, kann das Unternehmen dann auf eine bestehende Infrastruktur zurückgreifen.

Roboterautos und künstliche Intelligenz

Derzeit besteht das Geschäftsmodell von Uber darin, über seine App Fahrdienstleistungen zu vermitteln. Doch das ist für das Unternehmen erst der Anfang. Daher investiert Uber stark in künstliche Intelligenz und die Entwicklung von Roboterautos.

Ein selbstfahrendes Auto zu entwickeln sei für den Dienst "existenziell wichtig", hatte Uber-Chef Kalanick vergangenes Jahr gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg gesagt. Ihm gehe es darum, Google nicht das Feld bei selbstfahrenden Autos zu überlassen.

Der Google-Konzern testet Roboterwagen bereits seit 2009. Als Uber erkannt habe, dass Google auch in das Fahrdienst-Geschäft vorstoßen werde, "mussten wir dafür sorgen, dass es eine Alternative gibt", sagte Kalanick zu Bloomberg.

Mit der Übernahme von Otto hat sich Uber trotz der daraus resultierenden rechtlichen Probleme mit der Google-Mutter Alphabet umfangreiche Expertise ins Haus geholt.

Ubers inzwischen gefeuerter Roboterwagen-Chef Anthony Levandowski, der im Zentrum des Streits stand, hatte nach dem Abgang bei Google zunächst mit einigen ehemaligen Mitarbeitern Otto gegründet. Er gilt als ein führender Experte auf dem Gebiet für selbstfahrende Autos.

Eigenes Logistik-Geschäft

Mit Otto forschte Levandowski an selbstfahrenden Lastwagen. Zusammen könnten die Unternehmen "das Rückgrat" eines automatisierten Systems zur Güter-Beförderung aufbauen, hieß es in einem Blogeintrag von Otto kurz nach der Übernahme. Uber plant offenbar, ein Logistik-Geschäft mit dem Güter-Transport in selbstfahrenden Lastwagen aufzubauen. Seit Mitte Mai vermittelt Uber in den USA bereits Fracht an Lastwagenfahrer in den USA. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei der Personenbeförderung über eine App.

Die Google-Schwesterfirma Waymo beschuldigt Uber, Technologie gestohlen zu haben. In der Antwort auf die Waymo-Vorwürfe findet sich ein weiterer Hinweis auf die Expertise, die Uber sich durch den Kauf von Otto gesichert hat: Darin hat Uber 86 frühere Waymo-Mitarbeiter befragt und damit ein Bild vom Ausmaß des Wechsels gegeben. Inzwischen arbeiten mehrere Hundert Experten bei Uber an der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge.

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Selbstfahrende Autos: Wie weit die Hersteller beim autonomen Fahren sind

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Allerdings musste das Unternehmen dabei auch einige Rückschläge hinnehmen. So stoppte Uber Ende März nach einem Unfall eines selbstfahrenden Volvo SUV des Modells XC90 in Tempe, Arizona vorübergehend die Tests. Nach wenigen Tagen wurden die Fahrten allerdings wieder aufgenommen.

Behördenangaben zufolge war an dem Zusammenstoß nicht der Wagen des Fahrdienst-Vermittlers schuld. Der Fahrer des anderen Autos habe dem autonomen Fahrzeug die Vorfahrt genommen. Dabei sei niemand ernsthaft verletzt worden. Der Wagen war von Software gesteuert ohne einen Passagier an Bord unterwegs. Allerdings zeigt der Vorfall, dass auf die Technik bei plötzlichen Ereignissen nicht unbedingt Verlass ist.

Rote Ampel überfahren

Uber befördert testweise auch Fahrgäste mit den Wagen, die in Pittsburgh und Arizona unterwegs sind. Ende Februar waren rund ein Dutzend selbstfahrende Autos der Firma im Einsatz.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge  habe in einem anderen Fall Ende vergangenen Jahres die Software eines autonom fahrenden Uber-Autos in San Francisco eine rote Ampel nicht erkannt. Der Fahrdienst-Anbieter habe das mit einer irreführenden Stellungnahme vertuscht, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Insider und interne Dokumente.

Uber nannte damals einen menschlichen Fehler als Grund. Das erweckte den Eindruck, dass der Fahrer die Ampel schlicht übersehen hätte. Dem Bericht zufolge soll die Software den Wagen allerdings nicht angehalten haben und der Fahrer hätte nicht schnell genug die manuelle Steuerung eingeschaltet.

Künstliche Intelligenz

Um die Technik sicherer zu machen, hat Uber ein Labor für künstliche Intelligenz eingerichtet. Dafür hat das Unternehmen den KI-Experten Zoubin Ghahramani gewonnen, hieß es Mitte März. Der Cambridge-Professor hatte das Startup Geometric Intelligence gegründet, das Uber im vergangenen Jahr übernommen hatte. Er ist Spezialist für Maschinenlernen und wird die Position des Chefwissenschaftlers einnehmen. Die Entwicklung künstlicher Intelligenz gilt für Technikfirmen als Schlüsseltechnologie.

"Künstliche Intelligenz und Maschinenlernen sind von zentraler Bedeutung für Uber", schrieb Ghahramani in einem Blogeintrag des Fahrdienstleisters. "Wir müssen durch die Welt navigieren, Wahrnehmungs- und Handlungssysteme für unsere selbstfahrenden Autos entwickeln und die Praxis unserer Gäste und Fahrer verstehen, vorhersehen und effizienter gestalten", schrieb er weiter.

Zu den Forschungsgebieten zählt neben dem Maschinenlernen mit weniger Daten auch das Training von KI-Systemen mit expliziten Regeln, beispielsweise Verkehrsregeln. Zudem sollen diese Systeme ihre Entscheidungen erklären können. Dadurch könnte die Entwicklung selbstfahrender Autos erheblich verbessert werden. Davon könnte zudem Ubers bestehendes Geschäft profitieren, beispielsweise, in dem die Routenführung oder die Kundendatenbanken verbessert würden. Vielleicht kann die KI ja auch einige der anderen Baustellen des Unternehmens aufräumen.