Twitter kappt Prognose Twitter verliert ein Viertel an Börsenwert

Von mm-newsdesk
Sing, Vögelchen: Wegen eines Tweets verlor die Aktie von Twitter massiv an Wert

Sing, Vögelchen: Wegen eines Tweets verlor die Aktie von Twitter massiv an Wert

Foto: KACPER PEMPEL/ REUTERS
Fotostrecke

Investoren pumpen Tech-Firmen auf: 13 Geldverbrenner, jeder mehr als eine Milliarde wert

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat seine Umsatzprognose gekappt und seine Aktien damit auf Talfahrt geschickt. Für das Gesamtjahr würden nun noch Erlöse zwischen 2,17 und 2,27 Milliarden Dollar (bislang 2,3 bis 2,35 Milliarden Dollar) in Aussicht gestellt, teilte der US-Konzern am Dienstagabend mit. Das sind etwa 5 Prozent weniger als bislang vorhergesagt. Zudem wurden die Umsatzerwartungen im abgelaufenen Quartal verfehlt.

Die Zahlen für den Jahresauftakt waren bereits 45 Minuten vor US-Börsenschluss von dem Mediendienst Selerity per Tweet  bekannt gemacht und kurz darauf von Twitter bestätigt worden. Ein ähnlicher Coup war Selerity schon im Jahr 2011 bei Microsoft -Zahlen gelungen. Damals waren sie von dem Software-Konzern früh ins Netz gestellt und von den Datenjägern entdeckt worden.

Die Twitter-Aktie verlor nach Auftauchen der Zahlen zunächst 6,5 Prozent. Danach wurde sie vom Handel ausgesetzt und stürzte nach der Wiederaufnahme richtig ab, zeitweise um bis zu 22 Prozent.

Grund für die Senkung der Prognose ist Twitter zufolge eine schwache Nachfrage nach den "Direct Response"-Produkten, die Unternehmen an Twitter-Nutzer schicken können und über die dann Kunden direkt auf die Webseite des Unternehmens gelangen können.

Eine knappe Stunde vor Börsenschluss hatte Selerity berichtet, Twitter habe im ersten Quartal 436 Millionen Dollar umgesetzt. Das ist zwar ein Plus von fast 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt aber rund 20 Millionen Dollar mehr erwartet. Der Verlust weitete sich auf 162,4 Millionen Dollar von 132,4 Millionen Dollar aus. Beim Gewinn pro Aktie übertraf der Konzern indes mit sieben Cent die Prognose deutlich. Die Zahl der aktiven Nutzer stieg um 18 Prozent auf 302 Millionen, womit sich die Wachstumsrate wie von Branchenexperten erwartet abschwächte.

"Das sind definitiv schlechte Nachrichten, das kann man nicht schönreden", sagte Victor Anthony, Analyst von Axiom Capital in einer ersten Reaktion. Irgendetwas müsse sich verändert haben, seit Twitter im Februar die Jahresprognose vorgelegt habe. "Das setzt das Management nun unter immensen Druck, in diesem Jahr mehr Geld aus den Plattformen herauszuholen."

Todd Schoenberger von Landcolt Capital erklärte, es sei kein guter Umstand, dass es ein "Datenleck" bei den Bilanz-Zahlen gegeben habe. "Wenn sie (Twitter) die Quartalszahlen nicht sicher handhaben können, können sie das dann mit Kundendaten?"

Twitter kündigte auch eine Übernahme und eine Partnerschaft mit Google an, um das Werbegeschäft in Schwung zu bringen. Der Konzern kauft die Firma TellApart, die auf Anzeigen-Dienste für Handelsunternehmen spezialisiert ist. Twitter-Chef Dick Costolo war ein früher Investor bei TellApart. Außerdem wird Twitter künftig Anzeigen-Plätze auch über Googles Plattform Doubleblick vermarkten. Das könnte großen Werbekunden entgegenkommen.

ts/Reuters/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.