Freitag, 19. Juli 2019

Warum wir Fußball-Rambos verklären Robos statt Ramos

Übler Treter: Real Madrids Sergio Ramos hält gerne mal drauf

2. Teil: Kampfroboter statt Sportler?

Der renommierte israelische Zukunftsforscher Yuval Noah Harari prophezeit, dass neue Leistungsrekorde in Zukunft eher bei den Paralympischen Spielen aufgestellt werden als bei Olympischen Spielen. Allein der technische Fortschritt entscheide darüber, wann es so weit sein wird. Schon vor den Olympischen Spielen 2012 wurde die Teilnahme des unterschenkelamputierten Sprinters Oscar Pistorius, der mit zwei Beinprothesen antrat, intensiv diskutiert. Auch wenn der Südafrikaner weit von den Medaillenrängen entfernt abschnitt, wurde die grundsätzliche Chancengleichheit infrage gestellt, da Prothesen nicht ermüden.

Diese Frage wird in Zukunft immer relevanter werden. Denn irgendwann wird es die Technik erlauben, dass Menschen mit Prothesen schneller laufen können als Menschen ohne Hilfsmittel. Gut möglich, dass die Paralympischen Spiele dann mehr Zuschauerinteresse hervorrufen als Olympia. Schnellere Menschen bieten ein größeres Spektakel. Spinnt man diesen Gedanken weiter, ist es nicht undenkbar, dass der Mensch selbst irgendwann gar nicht mehr im Mittelpunkt des Spektakels steht.

Kampfroboter statt Sportler

Was bedeutet das für den Sport? Der Science-Fiction-Streifen "Real Steel" von 2011 handelt von Robotern, die im Jahr 2020 statt Menschen im Boxring gegeneinander antreten. Der Grund: Normale Boxkämpfe sind den Zuschauern nicht spektakulär genug. Ähnlich wie bei Gladiatorenkämpfen im alten Rom dürsten die Menschen nach einem Überlebenskampf, nach der totalen Zerstörung im Boxring. Da dies in einer zivilisierten Gesellschaft zwischen menschlichen Athleten nicht möglich ist, werden hoch entwickelte Kampfroboter im Ring eingesetzt.

Diese Faszination von Roboterkämpfen ließe sich ja durchaus auch auf Sportarten wie den Fußball übertragen. Völlig abwegig erscheint der Gedanke nicht. So verfolgen die Anhänger des "Robo-Cups", einer weltweiten Gemeinschaft aus Zehntausenden Mitgliedern, die Vision, im Jahr 2050 mit einem Team aus autonom agierenden Robotern gegen den amtierenden Fußballweltmeister anzutreten - und zu gewinnen.

Noch sehen ihre Roboter relativ unbeholfen aus. Aber es bleiben ja auch noch mehr als 30 Jahre, um das Ziel zu erreichen. Was wohl Sergio Ramos dazu sagen würde?

Sascha L. Schmidt ist Professor an der WHU - Otto Beisheim School of Management und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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