Samstag, 21. September 2019

Trendmining Auf der Jagd nach der Millionenprognose

Einkauf per Tablet: Ein Prozent Prognoseverbesserung kann Millionen wert sein

Die Trendforschung steht vor einer Revolution. Experten werten heute riesige Datenmengen aus, um die Zukunft vorherzusagen. Mit solchen Big-Data-Analysen sollen Unternehmer blitzschnell auf neue Entwicklungen reagieren können. Was die Dienstleister versprechen.

Hamburg - Trägt jeder zweite künftig Datenbrillen? Welche Produkte kaufen Kunden in zwei Jahren? Unternehmen würden viel dafür geben, in die Zukunft blicken zu können. "Big Data" soll ihnen dabei helfen. Die meisten Firmen sammeln bereits Datenberge über Kunden, Produktion oder Konkurrenten. Dank intelligenter Suchalgorithmen können sie diese nun gezielter auswerten und mit dem digitalen Datenreservoir des Internets verknüpfen und abgleichen.

"Die Möglichkeiten, große Datenmengen auswerten zu können, wird die intelligente Prognostik nachhaltig verändern", sagt Sven Gábor Jánszky, Trendforscher und Geschäftsführer von 2b Ahead, einem Think Tank aus Leipzig. Damit die Prognosen genau sind, benötigten Unternehmen vor allem massenhaft Informationen: Welche Produkte kaufen Kunden? Wann kaufen sie am meisten? Wer hilft bei der Entscheidung? Welche Patente haben Konkurrenten veröffentlicht? An welchen Technologien arbeiten andere Unternehmen? Welche Marketingstrategie hat welche Kunden erreicht? Welches Geschäftsmodell war erfolgreich?

Masse bedeutet Klasse

Am einfachsten sind solche Auswertungen, wenn die Daten bereits gut strukturiert und einheitlich vorliegen. Tatsächlich aber sind wertvolle Informationen oftmals in E-Mails, Studien, Text- und Excel-Dateien, PDFs und in unendlich vielen unterschiedlich formatierten Rohdaten versteckt. Trendmining-Programme filtern aus dem Datenmaterial wiederkehrende Muster und leiten daraus eine Prognose ab. Je mehr Informationen vorhanden sind, desto genauer können die Programme Trends vorhersagen.

"Früher haben Trendforscher Passanten auf der Straße befragt und deren Antworten statistisch hochgerechnet", sagt Aaron Auld, Vorstandsvorsitzender von Exasol, eines Anbieters von Datenbankmanagementsystemen aus Nürnberg. Solche Umfragen sind heute kaum noch nötig. Kunden liefern ihre Daten bei jedem Einkauf selbst. Sie hinterlassen digitale Spuren in zahlreichen Cloud-Diensten, vom Musik- oder Videostreaming-Portal bis zur Shopping-App des Lieblingsladens.

Jeder Klick im Online-Shop eines Händlers, jeder digitale Einkauf, jede Suchanfrage bei einem Online-Dienstleister hinterlässt wertvolle Informationen über unsere Interessen, Bedürfnisse und die Art, wie wir einkaufen. Aus solchen Kundenprofilen lassen sich Kundenwünsche ableiten. Je treffsicherer die Prognose ist, desto mehr Umsatz erwirtschaften Unternehmen mithilfe des Trendminings. "Eine Verbesserung der Treffgenauigkeit um nur einen Prozent kann für Millionenbeträge sorgen", sagt Auld.

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