Freitag, 20. September 2019

Trendmining Auf der Jagd nach der Millionenprognose

Einkauf per Tablet: Ein Prozent Prognoseverbesserung kann Millionen wert sein

4. Teil: Für Visionen hilft selten ein Fragenkatalog

Das FIZ Karlsruhe rechnet mit einem großen Interesse für diese Art des Trendminings. Schließlich kann es Unternehmen teuer zu stehen kommen, wenn sie Trends verpassen, einen Boom übersehen oder einfach am Kundeninteresse vorbei produzieren. Wie gefährlich das sein kann, bekam etwa der Mobiltelefonhersteller Nokia zu spüren. Das Unternehmen hatte seit 2007 das vom iPhone bewirkte gewaltige Interesse an Smartphones und die Folgen für den Markt unterschätzt - und den Anschluss verloren.

Wem die Dienstleistungen von Informationsspezialisten zur Trendrecherche zu teuer sind, der kann sich im Übrigen auch billigerer Analysetools bedienen: Internetkonzerne wie Google Börsen-Chart zeigen haben nämlich den Markt für Patent-Trendanalysen bereits für sich entdeckt. Die Anwendung "Google Patent Search" bietet kostenlose Recherchen in weltweiten Patentdatenbanken an. Allerdings merkt sich die Google-Software, wer nach welchen Patenten sucht.

Die Grenzen von Big Data

Abgesehen von dem Risiko, dass die Konkurrenz dank Big-Data-Analysen allzu schnell auf Neuentwicklungen aufmerksam wird, hat Trendmining mithilfe von Big Data auch seine Grenzen. "Vergangene Verhaltensmuster werden uns nie den Grund verraten können, warum Unternehmen und Kunden bestimmte Entscheidungen getroffen haben", sagt Trendforscher Sven Gábor Jánszky. Wer also wissen will, wie die wichtigsten Unternehmen künftig den Markt beeinflussen oder welche Bedürfnisse Kunden langfristig haben werden, ist weiterhin auf das Know-how von Experten- und Branchenkennern angewiesen. "Besonders langfristige Trends und Visionen kommen ohne eine solche qualitative Erhebung nicht aus", sagt Gábor Jánszky.

Und selbst hier stößt die wissenschaftliche Trendforschung an Grenzen. Ausgerechnet iPhone-Erfinder Steve Jobs ist der beste Beweis dafür. Denn der hatte Verbraucherbefragungen stets abgelehnt. In seiner Autobiographie rezitiert er unter anderem den Autopionier Henry Ford. Der soll einst gesagt haben: "Hätten wir die Kunden nach ihren Wünschen gefragt, hätten sie gesagt: schnellere Pferde."

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